Edward Snowden bei der Cebit
„Ich bin nicht diese mächtige, einflussreiche Figur“

Es ist einer der persönlichsten Auftritte des berühmten Whistleblowers Edward Snowden. Auf der Technologiemesse Cebit spricht er über seinen Glauben an das Richtige – und die Liebe seines Lebens.
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HannoverEs sei nicht ganz das Interview gewesen, was er erwartet hatte, sagt Edward Snowden. Sein Gesicht prangt wie immer bei seinem Vorträgen riesenhaft auf einer Leinwand. Noch immer steckt der berühmteste Whistleblower der Welt in Russland fest. Seine Interviews macht er per Live-Schaltung von zu Hause aus.

An diesem Tag ist er auf der Technologiemesse Cebit in Hannover zugeschaltet. Schon lange vor seinem virtuellen Auftritt sind die Publikumsreihen bis auf den letzten Platz belegt, dahinter reihen sich stehende Zuschauer. Seit er 2013 Überwachungspraktiken der US-Behörden öffentlich gemacht hat, hat er bei vielen einen Helden-Status.

An diesem Dienstag will er in Hannover über Datensicherheit in Zeiten der Überwachung sprechen, aber so richtig kommt er nicht dazu. Das Publikum hatte vorher Fragen einreichen dürfen, viele beziehen sich auf seine Person – und so wird es ein unerwartet persönliches Interview, sowohl für ihn, als auch für die Zuschauer.

Es beginnt, als der Moderator ihn fragt, ob er glaubt, noch immer etwas bewegen zu können: Snowden antwortet, es sei bei seinen Enthüllungen nie um ihn gegangen. Er sei nicht der Führer dieser Bewegung. „Ich wollte nur die Informationen der Öffentlichkeit zurückgeben“, sagt der US-Amerikaner. Er habe nie sagen wollen, was richtig und falsch ist: „Ich bin nicht hier, um die Dinge zurechtzurücken, ich tue auch nicht so und bin dafür auch nicht qualifiziert.“

Später wird er hinzufügen: „Ich bin nicht diese mächtige, einflussreiche Figur.“ Da war er gefragt worden, ob er sich Sorgen mache, dass russische Behörden ihn festnehmen werden, wenn sie sich mit der neuen US-Regierung auf ein entsprechendes Abkommen einigen. Jedes Land könne ihm genauso schaden, wie jedem anderen auch, fügte er hinzu – als auf einmal etwas in ihm aufblühte.

Es sei ihm nie darum gegangen, sicher zu sein, sagt Snowden und betont seinen Glauben daran, das Richtige getan zu haben. „Ich werde mit Stolz mit den Konsequenzen umgehen, wenn es soweit ist“, betont der 34-Jährige. Und wenn das seine letzte Nacht sei, dann wolle er sagen können, genug getan zu haben. Die Zuschauer applaudieren spontan. Er hat sie bereits mitgenommen. Und dann passiert etwas Seltenes. Snowden, der bei seinen Auftritten immer vor einer schwarzen Wand sitzt, die nichts von seinem Umfeld und seinem Leben verrät, trinkt aus einer blauen Sportflasche. So profan dies klingt, so menschlich und greifbar macht es ihn in diesem Moment.

Er spricht dann noch eine Weile über seinen Bezug zu der Whistleblower-Plattform Wikileaks, die sowohl seine Informationen als auch Anfang des Monats erneut rund 8000 Seiten geheimer Dokumente veröffentlicht hat. Das gilt auch für E-Mails von John Podesta, dem Chef des demokratischen Wahlkampfteams im vergangenen Jahr. US-Behörden machten später russische Hacker dafür verantwortlich. Snowden legt Wert auf die Tatsache, dass es keine Verbindung zwischen ihm und Wikileaks gebe. Er spreche auch nicht mit Julian Assange, dem Gründer der Plattform. „Aber viel von dem, was sie gemacht haben, war ein aufrichtiger Dienst für die Allgemeinheit“, fügt er hinzu.

Danach wird es dann wieder persönlich. Der Moderator spricht ihn auf seine Freundin an. Er habe einmal gesagt, dass es ihm leid tue, dass sie unter seiner Situation leide. Daraufhin antwortet er zunächst nicht konkret, sondern erklärt im Wesentlichen, es sei nicht gerecht, dass er im Asyl leben muss. Es gebe bis heute keine Beweise dafür, dass er mit seinen Enthüllungen irgendwem geschadet habe. Und natürlich wolle er zurück in die USA: „Das ist meine Heimat.“

Dann wird er gefragt, ob er nach wie vor verliebt sei. Daraufhin beginnt Snowden fast zu leuchten. Seine Freundin sei die Liebe seines Lebens, erklärt er bestimmt. „Sie kennt mich besser als irgendjemand anders. Und sogar, als ich mein bisheriges Leben – unser bisheriges Leben – verloren habe, kam sie, um mit mir zu leben.“

Die Autorin ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte. Sie erreichen sie unter: karabasz@handelsblatt.com
Ina Karabasz
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen & Märkte

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