Fraunhofer-Präsident zur Datensicherheit
„Nichts ist absolut sicher“

Die Fraunhofer-Gesellschaft entwickelt ein Projekt, das Unternehmen im Industrie-4.0-Zeitalter schützen soll. Präsident Neugebauer spricht im Interview über diese „föderale Cloud“ und wie weit die Idee gereift ist.

Er ist viel unterwegs dieser Tage. Von einer Vorstandssitzung in München ging es über Berlin zur Eröffnung eines Leistungszentrums in Kaiserslautern. Und am Montag stellt Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer auf der Cebit die Pläne für einen sicheren Datenraum vor, mit dessen Hilfe die Unternehmen im Industrie-4.0-Zeitalter ihren sensiblen Datenverkehr abwickeln sollen. Abends liest Neugebauer zurzeit ein Buch über Epigenetik. Wenn man sich die evolutionären Innovationen der Natur anschaue, sagt er, werde man als Forscher bescheiden.

Herr Professor Neugebauer, in vielen Unternehmen sorgt gerade der Trojaner „Locky“ für Aufregung. Mal ehrlich: Können Unternehmen heutzutage sensible Daten überhaupt noch schützen?

Nichts ist vollkommen sicher. Doch die Technologie für die Industrie 4.0, die wir gerade vorbereiten, bietet ein Maximum an Sicherheit.

Sie sprechen vom sicheren Datenraum für die Industrie, dem „Industrial Data Space“, der gerade unter Führung von Fraunhofer entwickelt wird.

Genau, dieser hat wesentliche Alleinstellungsmerkmale. In der Cloud, wie wir sie bisher kennen, hat der Betreiber auch die Datensouveränität über alle Daten in der Cloud.

Bei Ihnen wird das anders sein?
Ja, die Cloud ist bei uns ein verteiltes System aus Datenbereichen von all den Unternehmen, die teilnehmen. Und nur die Datenbereiche, die die teilnehmenden Unternehmen freigeben, sind Teil des Industrial Data Space. Es gibt eine föderale Cloud, wenn Sie so wollen, und nicht eine zentralistische Einheit. Das ist das Alleinstellungsmerkmal, nach dem sich alle gesehnt haben. Das ist aber nicht der einzige Vorteil.

Was noch?

Der Industrial Data Space wird nicht von Unternehmen betrieben, die davon leben, Daten zu verwerten und zu verkaufen. Er wird von Anwendern betrieben. Das sind die, deren Geschäftsmodelle ganz wesentlich auf der Sicherheit ihrer Daten beruhen. Ihnen wird die Angst genommen. Sie können nun avantgardistisch am Markt als Pilot agieren. Wir werden unsere Stärke mit rund 50 Prozent „Hidden Champions“ nur erhalten, wenn diese sich angstfrei und proaktiv am Markt bewegen.

Und denen können Sie garantieren, dass die Daten bei Ihnen in Sicherheit sind?

Ich werde mich hüten zu sagen, dass wir das unbegrenzt garantieren können. Aber ich muss meine Daten nicht jemand anderem in die Hand geben. Eine hohe Schwelle gegen Hacking erreichen wir durch die Softwarekonstruktion. Die Daten werden in sicheren Paketen unter sich ständig ändernden Sicherheitsvorkehrungen transportiert. Zudem dürfen den Datenraum nur Anwender betreten, die zertifiziert sind.


Wie weit sind Sie mit dem Projekt?

Wir haben Anfang 2016 einen Verein zum späteren Betrieb dieses Datenraums gegründet. Zu den aktuell 18 Mitgliedsorganisationen gehören ein Versicherer wie die Allianz ebenso wie Volkswagen, Bosch, Sick und Bayer.

Wie groß ist das Interesse in der deutschen Wirtschaft insgesamt?

Die Resonanz ist groß. Es gibt Anfragen für 70 Testprojekte, wo Unternehmen die Wirksamkeit des Datenraums testen wollen.

Wann wird der sichere Datenraum denn aufgemacht?

Das ist bereits geschehen. Wir haben unter anderem einen Test, in dem intelligente Frachtcontainer über die Cloud mit dem Lager kommunizieren. Es gibt auch Versuche in der Produktion, in der Medizintechnik und in der Mobilität.

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