Smarte Sportkleidung
Taktgeber im T-Shirt

Elektronik zum Anziehen: Ein Start-up aus Nürnberg erfindet das Muskeltraining per Stromimpuls neu. Die Technik dazu steckt im Sportdress – und kostet nur einen Bruchteil der bisherigen Systeme.
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MünchenWas kommt wohl heraus, wenn sich folgende Berufe zusammentun: ein Betriebswirt, ein Investmentbanker, ein Betreiber von Fitnessstudios, ein Elektroningenieur und ein Sportwissenschaftler?

Die Antwort: Ein Start-up, das elektrische Sportkleidung anbietet. Wearable Life Science, kurz WLS, nennt sich das junge Nürnberger Unternehmen, das derzeit in der Sportbranche für Aufsehen sorgt. Die Franken haben einen Ganzkörperanzug entwickelt, in den Elektroden integriert sind. Damit lassen sich die Muskeln durch Stromstöße stimulieren. Das ist für Sportler spannend, die für einen Wettkampf trainieren, genauso aber auch für Reha-Patienten, die ihre Muskeln wieder aufbauen wollen.

Der Clou dabei: Bislang gibt es so was nur stationär in Fitnessstudios. Die Geräte für das sogenannte Elektro-Muskel-Stimulationstraining kosten bis zu 15.000 Euro. WLS hingegen verlangt für seine mobile Lösung nur 1300 Euro. Wer nur Hemd oder Hose will, kommt noch günstiger weg. „Wir können damit jedes Training effektiver gestalten“, sagt Kay Rathschlag, der Marketingchef des Unternehmens. „Der Anzug fühlt sich dabei an wie jede andere Sportbekleidung“, betont der Unternehmer. Rathschlag führt selbst sieben Fitnessstudios und kennt sich mit der Technik bestens aus.

Derzeit bekommen die Trainierenden in den Studios Pads mit einem Flüssigkeitsfilm an den Körper geklebt, die Stromstöße erzeugt ein Gerät gleich daneben. Bei WLS reichen Shirts und Shorts, die mit einer kleinen Steuereinheit verbunden sind. Die Jury des Nachwuchspreises „Brand New“ der Sportmesse Ispo hat das alles überzeugt. „Die Ausrüstung verspricht schnelle Fortschritte in einem kürzeren Zeitraum und das zu einem erschwinglichen Preis“, urteilten die Sportexperten und zeichneten die Firma jüngst als eines der besten Start-ups des Jahres in der Sportbranche aus. Im Herbst gewann WLS bereits den Gründerwettbewerb Weconomy, den das Handelsblatt unterstützt.

Analysten sehen für elektrische Kleidung ein riesiges Potenzial. Allerdings werde es dauern, bis die Angebote für den Massenmarkt tauglich seien, meint Gartner-Analystin Annette Zimmermann. „Der Sport ist sicher einer der Bereiche, in denen die Produkte am ehesten eingesetzt werden könnten.“ Anschließend könnte dann das Gesundheitswesen kommen, etwa, um gebrechliche Menschen zu überwachen.

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