Zukunftsforscher Yuval Noah Harari: „Die meisten Menschen sind für die Wirtschaft überflüssig“

Zukunftsforscher Yuval Noah Harari
„Die meisten Menschen sind für die Wirtschaft überflüssig“

Der Zukunftsforscher Yuval Noah Harari sagt: „Das Problem wird sein, dem Leben der Menschen künftig einen Sinn zu geben.“ Ein Gespräch über Cyborgs, die Zukunft der Arbeit, Computerspiele, Religion und nutzlose Menschen.
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Die Digitalisierung der Welt macht den Menschen überflüssig: Das schreibt der israelische Zukunftsforscher Yuval Noah Harari in seinem neuen Buch „Homo Deus“. Er sieht sein provokatives Buch über den gottähnlichen Menschen als einen Anstoß, um "fantasievoller als bisher über unsere Zukunft nachzudenken". Damit wir nicht schockiert in einer Welt aufwachen, in der der Homo sapiens die Kontrolle verloren hat. Harari lebt in einem abgelegenen Dorf zwischen Tel Aviv und Jerusalem.

Herr Harari, auf der Fahrt zu Ihnen stellte ich plötzlich fest, dass ich meinen Führerschein vergessen habe, und ich fragte mich: Können wir uns künftig Mikrochips einpflanzen lassen, um Gedächtnisschwächen zu überwinden?
Daran arbeitet man bereits. Es wird eine direkte Schnittstelle zwischen dem Gehirn und dem Computer geben.

Wann wird ein besserer Sapiens Wirklichkeit?
In 20 bis 50 Jahren wird es möglich sein, dass Gehirn und Computer fast nahtlos miteinander kommunizieren. Man hat ja heute schon bionische Arme, die durch das Signal im Gehirn bewegt werden können. Prothesen sind heute zwar noch ziemlich primitiv. Aber in 50 Jahren könnten sie besser sein als natürliche Körperteile.

Also wird es keine Körperbehinderungen mehr geben?
Mehr als das. Neue Rekorde werden künftig bei den Paralympischen Spielen aufgestellt werden. Dort wird es viel schnellere Fortschritte geben als bei Olympiaden. Sie werden interessanter sein als die Olympischen Spiele.

Würden Sie die Leistungen von künstlich verbesserten Menschen noch als Sport bezeichnen?
Letztlich geht es bei dieser Frage darum, was wir am Athleten bewundern. Heute nehmen wir an, dass wir die von der Natur gesetzten Grenzen des menschlichen Körpers und des menschlichen Geistes an deren Limit sehen wollen. Aber es muss immer noch natürlich sein. Wenn bekannt wird, dass ein Spitzensportler Aufputschmittel verwendet, um seine Leistung zu steigern, sagen wir entrüstet: "Das ist nicht fair." Die Trennlinie zwischen naturgegebenen und künstlich verbesserten Kräften ist allerdings nicht klar.

Wer gewinnt, wenn zwei Cyborgs gegeneinander antreten?
Das kommt auf die Fähigkeiten der Programmierer und der Maschinen an.

Können Cyborgs Humor haben?
Es ist durchaus möglich, dass sie mehr Witz haben als der Durchschnittsmensch. Auch hier kommt es darauf an, wie sie programmiert sind.

Google-Chefentwickler Ray Kurzweil spricht vom Ende des Todes und des Leidens. 2030 soll es so weit sein. Ist das aus Ihrer Sicht realistisch?
Kurzweil hat ein paar sehr gute Argumente. Aber er übertreibt mit der Erwartung, dass es 2030 so weit sein wird. Das ist viel zu früh. Mit Hilfe der Biotechnologie und künstlicher Intelligenz den Tod herauszuschieben wird erst in 80 oder 100 Jahren möglich sein. Diejenigen, die heute auf die Welt kommen, haben daher gute Chancen, dass sie ihr Leben unbeschränkt verlängern können.

Unbeschränkt?
Sagen wir vorsichtshalber bis zu ihrem 150. oder 200. Geburtstag.

Ein alter Traum würde wahr: der Jungbrunnen.
Wenn man den Mechanismus des Altwerdens versteht, kann man etwas dagegen unternehmen. Dann kann man beschädigtes Gewebe ersetzen oder jüngere Zellen einimpfen. Alternativ lassen sich mit Hilfe von Robotern und Rechnern organische Körperteile durch anorganische ergänzen. Man wird auch ein bionisches Immunsystem haben. Wissenschaftler arbeiten daran ...

... klingt nach Science-Fiction.
Die Forschung ist noch in einem sehr frühen Stadium. Millionen von Nanorobotern, die etwa so groß sind wie weiße Blutzellen, sollen im Körper aufpassen. Sie sollen zum Beispiel Alarm schlagen, wenn sie Krebszellen entdecken, oder diese gleich vernichten. Wenn ein bionisches Immunsystem eingesetzt wird, werden Krebszellen, Bakterien oder Viren hilflos sein. In der Evolution wurden sie nämlich nicht darauf vorbereitet, kleine Roboter zu besiegen.

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  • „Das Problem wird sein, dem Leben der Menschen künftig einen Sinn zu geben.“ - "über Cyborgs, die Zukunft der Arbeit, Computerspiele, Religion und nutzlose Menschen.“

    Der Sinn des Lebens und nutzlose Menschen. Oje.

    Und Siri ist auch schon sauer auf Alexa und Paul.

    Organisieren Sie doch mal ein Gespräch zwischen dem Papst und Herrn Yuval Noah Harari und drucken Sie es (Sie können ja noch ein paar andere dazu einladen).

    Es wäre wahrscheinlich für viele Menschen extrem interessant zu erfahren, was die beiden sich zu erzählen hätten.

  • Solange ich meinen Diener beim Zählen meines Geldes zusehen kann, bin ich doch nicht überflüssig und brauche auch keine Beschäftigung.

  • Ich würde mal sagen dass solche Bücher und Autoren überflüssig sind. Schon Henri Ford hat im letzten Jahrtausend erkannt dass Autos keine Autos kaufen. Mal eine Woche lang nur das nötigste zum Leben einkaufen und schon sieht man wie viel von der Wirtschaft überflüssig ist. Das sieht man daran welche Firmen dann pleite sind.

    Und so ein Artikel erscheint in einem Wirtschaftsblatt. Werden hier nur noch Gefälligkeitsartikel von Praktikanten per Copy & Paste hineinkopiert ?

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