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Chatten mit dem Prof: In der Uni der Zukunft ist E-Learning Alltag

Zum Einschreiben an der Universität reicht eine E-Mail. Hausarbeiten werden im Chatroom besprochen. Die Examensprüfung ist per Videokonferenz möglich, und die Noten lassen sich per Handy abrufen. Das klingt futuristisch, wird in der Hochschule der Zukunft aber Alltag sein.

dpa HAMBURG. Zum Einschreiben an der Universität reicht eine E-Mail. Hausarbeiten werden im Chatroom besprochen. Die Examensprüfung ist per Videokonferenz möglich, und die Noten lassen sich per Handy abrufen. Das klingt futuristisch, wird in der Hochschule der Zukunft aber Alltag sein.

Einig sind sich Bildungsexperten allerdings darin, dass sich angehende Akademiker auch in 15 oder 20 Jahren nicht nur virtuell begegnen. Studiert wird auch künftig auf dem Campus.

Sicher ist, die Hochschullandschaft in Deutschland wird sich spürbar verändern. Die Zeiten, in denen sich an vielen Universitäten von Semester zu Semester mehr Studenten eingeschrieben haben, sind vermutlich allein aus demographischen Gründen vorbei. Ob überfüllte Seminare deshalb der Vergangenheit angehören, bleibt vor allem eine Frage der Hochschulfinanzierung.

„Die Zahl der Studenten wird sinken, in Westdeutschland spätestens 2015“, prognostiziert der Hochschulforscher Prof. Andrä Wolter vom Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover. „Der Anteil der Akademiker dagegen wird zunehmen.“ Denn schon jetzt zeichne sich ab, dass für immer mehr Berufe Qualifikationen erforderlich sind, die an akademisches Ausbildungsniveau heranreichen.

Mit dem Strukturwandel zur Wissensgesellschaft nehme auch der Anteil der Hochschulabsolventen zu. „In 20 Jahren wird das etwa jeder dritte eines Jahrgangs sein“, sagt Wolter. Akademiker zu sein, ist dann nichts Besonderes mehr. Ohnehin werden sich die Hochschulen zunehmend öffnen: „Der Anteil der Nicht-Abiturienten wird künftig viel höher sein als heute“, sagt Florian Buch vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh.

Das Abitur als Zugangsvoraussetzung für das Studium verliert an Bedeutung. Die Hochschulen wählen die Studenten stärker selbst aus - Eingangstest statt Notendurchschnitt heißt künftig immer öfter das Motto. „Viel stärker werden aber auch Leistungen aus der beruflichen Bildung anerkannt“, sagt Jürgen Schlegel, Geschäftsstellenleiter der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung (BLK) in Bonn, voraus. Im Hörsaal sitzen dann auch Handwerker, die sich für ihre Berufspraxis Kenntnisse beispielsweise in Rechtsfragen oder Betriebswirtschaft aneignen wollen.

Noch viel weit reichender verändert nach Einschätzung der Experten die bis 2010 geplante europaweite Vereinheitlichung der Hochschulabschlüsse das Studium. Statt Diplom, Staatsexamen und Magister sind Bachelor und Master dann der Standard-Abschluss. Und während der erste Studienabschnitt voraussichtlich an ein und derselben Hochschule absolviert wird, zieht es die Studenten im zweiten mehr als bisher ins Ausland. „Die Leistungen lassen sich dann problemlos anerkennen“, sagt Florian Buch. „Das Studium wird internationaler.“

Bei der Auswahl des Studienortes zumindest im zweiten Studienabschnitt lautet die Frage also nicht mehr „Kiel oder Tübingen?“, sondern „Krakau oder Florenz?“. Auch die Hochschulen konkurrieren dann mindestens europaweit miteinander, nicht mehr nur wie bisher um wissenschaftlichen Nachwuchs, sondern auch um Studenten. „Englisch wird an vielen Hochschulen zur Alltagssprache“, sagt Florian Buch. Auch in Deutschland werden Vorlesungen nicht mehr wie selbstverständlich auf Deutsch gelesen.

Mehr Mobilität in der Hochschullandschaft erwartet auch Jürgen Schlegel von der BLK. „Die Universitäten werden viel mehr um Studenten aus anderen Bundesländern und auch aus dem Ausland werben.“ Denn in so manchem Studiengang wird in 20 Jahren Nachwuchs gesucht.

Experten wie Schlegel rechnen damit, dass auch die Berufschancen für Akademiker insgesamt besser werden. „Viele Unternehmen werden ihren Bedarf gar nicht mehr allein über junge Hochschulabsolventen decken können.“ Eine viel größere Rolle als bisher wird den Prognosen zufolge daher die Weiterbildung für Akademiker spielen. Dadurch wandelt sich auch die Rolle der Hochschulen.

„Doppelqualifikationen sind in der Zukunft viel stärker gefragt“, erläutert Prof. Helmut Hoyer, Rektor der Fernuniversität Hagen. „Wer zum Beispiel schon einen BA in Maschinenbau hat, erwirbt später noch einen Abschluss in angewandter Informatik.“ Die strikte Trennung zwischen Studium, Beruf und Familie wird Hoyers Überzeugung nach aufgehoben: „Immer mehr Berufstätige werden nebenbei noch studieren. Fernlernen wird darum zunehmen.“ Der Computer werde vom Schreibgerät zur Lernstation. „Kommuniziert wird zwischen Studenten und Lehrenden immer stärker über das Netz“, sagt Hoyer.

„Vielleicht werden Seminararbeiten nur noch auf DVD abgegeben und Aufsätze als Audio-Datei gehört“, sagt Prof. Andrä Wolter. Bestimmte vergleichsweise altmodische Formen universitären Lernens hält der Hochschulforscher aber auch für die Zukunft für unverzichtbar: das Lesen zum Beispiel. „Damit ginge sonst ein Stück intellektueller Qualität von Wissenschaft verloren.“

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