Chip im Gehirn überträgt Nervenreize
Gelähmter steuert mit Gedanken seinen PC

Der 25-Jährige kann weder Arme noch Beine bewegen. Trotzdem kann er seit kurzem allein seinen Computer bedienen, durch das Fernsehprogramm zappen oder das Licht in der Wohnung an- und ausschalten. Diese Geräte reagieren jetzt auf seine Gedanken.

FRANKFURT/MAIN. Im Juni 2004 pflanzten amerikanische Mediziner dem Querschnittsgelähmten einen kleinen Chip ins Hirn. Genau genommen ins motorische Zentrum – den Ort, der alle Bewegungen kontrolliert. In der Hirnregion zapft der Chip die Signale von rund hundert Nervenzellen an. Das sind zwar nicht besonders viele. Unser Gehirn besteht aus circa 100 Milliarden Neuronen. Aber es reicht – für den Anfang.

Die Wissenschaftler planen jedoch noch einiges mehr. Sie wollen den Chip – Braingate genannt – weiteren Freiwilligen einsetzen. Außerdem soll die Methode mit weiteren Geräten gekoppelt werden. So könnten Gelähmte eines Tages zum Beispiel den elektrischen Rollstuhl selbst steuern und sämtliche Technik in ihrer Wohnung regulieren.

Hinter dem spektakulärem Versuch steckt das US-Unternehmen Cyberkinetics. Einer ihrer Gründer ist John Donoghue, der den Grundstein für Braingate gelegt hat. Der Wissenschaftler will mit der Chip- Technik das Leben von Menschen verbessern, die durch einen Unfall oder eine Krankheit gelähmt sind. Ethische Einwände oder Bedenken, dass aus der Technik auch eine Gedanken-kontrollierende Technologie entwickelt werden könne, weist der Forscher zurück. Er wolle nur helfen, sonst nichts.

Ganz exakt arbeitet das System allerdings noch nicht. Die hundert Neuronen sind noch nicht ausreichend, um immer ein genaues Signal zu liefern. Auch arbeitet das System mit einer Verzögerung, da der Chip erst die Hirnströme in den passenden Befehl umrechnen muss. Diese Handicaps will das Unternehmen mit weiteren Entwicklungen beseitigen und die Technik weiter verfeinern.

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