Chrome OS
Kritik an Googles Betriebssystem

Der US-Konzern hat eine erste Version der Software Chrome OS vorgestellt. Bei Experten stößt das Betriebssystem des Suchmaschinenriesen auf Skepsis. Einige Stimmen warnen schon davor, dass das Projekt scheitern können. Lobende Worte finden nur wenige.
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DÜSSELDORF. Der Internet-Konzern aus dem Silicon Valley hat Ende vergangener Woche eine erste, vorläufige Version der Software Chrome OS vorgestellt und zum Download freigegeben. Chrome OS wird zunächst ausschließlich für sogenannte Netbooks, leistungsschwächere Laptops mit einem Fokus auf Internetnutzung, entwickelt. Es soll in erster Linie Betriebssysteme wie Microsoft Windows und Linux ersetzen. Der Netbook-Markt boomt, in Deutschland war im abgelaufenen Quartal laut Gartner Research bereits jeder vierte ausgelieferte PC ein solcher Mini-Laptop.

Neben dem dominierenden Platzhirschen Microsoft - mit Windows XP und einer speziellen Netbook-Version von Windows 7 - buhlen zahlreiche Linux-Programme um die Gunst der Kunden und auch Google macht sich schon selber Konkurrenz: Spätestens Anfang 2010 werden Netbooks mit dem Google-Smartphone-Betriebssystem Android auf den Markt treffen, zum Beispiel vom taiwanesischen Hersteller und Marktführer Acer. Forrester-Analyst Paul Jackson: "Microsoft wird sicher Marktanteile verlieren gegen Linux, Android und auch Chrome OS. Aber wenn Microsoft es schafft, Windows 7 auf Netbooks gut zu etablieren, wird sich der Verlust in Grenzen halten." 2008 hatte Windows XP bis zu über 80 Prozent Marktanteil bei Netbooks.

Google verlagert die Datenspeicherung ins Internet

Google will mit Chrome OS die Arbeit am Netbook und die gesamte Datenspeicherung ins Internet verlagern. Das war schon Ende 2007 der Grundgedanke, als Asus mit dem Eee PC die ersten Netbooks mit winzigem Flashspeicher (statt Festplatte) und Linux-Betriebssystem für unter 300 Euro auf den Markt brachte. Mittlerweile halten jedoch immer größere Festplatten Einzug, bessere Grafikkarten und Anschlussmöglichkeiten für Peripherie wie USB-Drucker oder DVD-Laufwerke sind Standard. Die Preise erreichen schnell 500 Euro. Für den Trend gebe es Gründe, sagte Forrester-Analyst Jackson. Das Beratungsunternehmen hat Tausende Konsumenten befragt und herausgefunden, dass Netbooks immer noch als Ergänzung zu einem Home-PC und nicht als Ersatz dafür betrachtet werden: Nur 15 Prozent sahen ein Netbook als Ersatz für einen PC an.

Mike Elgan, Technologieautor bei Internetnews.com: "Wir können argumentieren so lange wie wir wollen. Die meisten Leute mögen noch keine Onlineanwendungen. Die Textverarbeitung Google Docs brauchte drei Jahre, um ein Prozent Marktanteil zu bekommen. Die Nutzer wollen die Wahl zwischen Desktop- und Internet-Software - Google will das nicht."

Auch Ralf Kaumanns, Google-Experte bei der Beratung Accenture, ist eher skeptisch: "Das Vorgehen mit der Konzentration auf Google-Dienste und das Internet ist typisch und war so zu erwarten. Die Radikalität des Ansatzes hat mich aber doch überrascht." Das wird seiner Ansicht nach Auswirkungen auf die Hardwarehersteller haben. "Chrome OS verlangt nach derzeitigem Stand nach einer genau von Google abgesegnete Hardwarekonfiguration. Für die Hardwarehersteller bleibt kaum Platz, um sich mit ihren Produkten vom Wettbewerb abzuheben." Da Chrome OS keine Desktop-Anwendungen mehr ausführen kann, fragt sich, wo der Vorteil für Anbieter wie Acer, Asus und Samsung sein soll, die heute schon laut Gartner rund 80 Prozent des Netbooks dominieren.

Für Randall Kennedy von Infoworld.com ist diese Gängelung der Hardwarepartner sogar aus reiner Verzweiflung geboren: "Anders war der Starttermin nicht zu halten. Sie haben es einfach nicht hinbekommen, alle Hardwareplattformen zu unterstützen." Sein Urteil: "Das wird ein Flopp - und zwar ein riesiger."

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  • Seit wann gehören schnelle Flashplatten in ein billigst Netbook?

    ich hoffe bald. Derweil ist die Argumentation, dass der Geschwindigkeitsvorteil von Google OS nicht relevant ist, wenn man statt einer Festplatte eine teuere SSD nimmt doch mit vorsicht zu geniessen.

    ich bin gespannt auf Wave + Chrome usw...

    Es ist auf jeden innovativer als Office 14,15,16,17,18 ...

  • Die meisten anwenderprobleme ergeben sich aus software,die nicht gebraucht, nicht genutzt und daher nicht verstanden wird. Jedes zweite windowssystem ist voll davon. Daran haben wir uns gewöhnt. Nun kommt jemand und bringt ein betriebssystem mal auf den punkt, zurück auf den stand von windows 3.1, welches wohl um die internetfunktionen aufgepeppt noch heute den meisten anwendern genügen könnte. Und man hackt genau darauf herum. ich würde behaupten, etwas mehr standard würde uns gut tun. Nur so konnte der c64 damals so lange mit so magerer ausstattung überleben:performancewunder einheitsbrei. Weniger code, da immer die gleichen geräte mit immer den gleichen treibern. Klar, die kritik bei der fixierung auf googles dienste wird man immer wieder hören. Kann ich meinen ipod denn ohne itunes sinnvoll nutzen? Wer beschwert sich bitte hierüber? Und dürfte ich bitte mac os auf meinem pc installieren? Nein? Klar, denn mac os ist gerade daher so gut, da es auf bestimmte hardware eingefahren ist. Warum sollte das nicht auch mit einem pc funktionieren? brauche ich denn wirklich 24 treiber für chipsätze, controller, grafik und drucker, die dann nachher, keiner weiss warum, für abstürze sorgen? Damit jeder anwender eine neue, nicht geprüfte konstellation aus geräten und treibern hat. Google verfolgt hier sehr nette gedanken, die momentan vielleicht noch am produkt scheitern. Und wenn es scheitert, dann hoffe ich, dass ein anderer die gedanken besser umsetzen wird.

  • "Wenn alle dir zustimmen dann hast du etwas falsch gemacht"

    "Wenn alle dich kritisieren dann hast du etwas richtig gemacht"

    "Wenn alle über dich herfallen hast du so gut wie gewonnen"

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