Chrome stößt auf große Resonanz
Google-Browser ist noch ein Sicherheitsrisiko

Es ist nur eine Beta-Version, ein Produkt mit Macken und Fehlern. Dennoch hat die Veröffentlichung von Googles Browser Chrome hohe Wellen geschlagen. Schon wenige Stunden nach Veröffentlichung am Dienstagabend hatten weltweit mehrere Millionen Nutzer das Programm heruntergeladen.

HB SAN FRANCISCO/DÜSSELDORF. Fachleute diskutieren ausführlich über die vorläufige Beta-Version und kommen überwiegend zu einem positiven Fazit, sehen aber für die endgültige Fassung Verbesserungsbedarf. In ersten Tests wurde dem Browser eine hohe Leistung bei der Darstellung von Webseiten mit interaktiven JavaScript-Anwendungen bescheinigt, zugleich aber auch auf Mängel wie einen hohen Ressourcenverbrauch bei Webseiten mit Flash hingewiesen. Sicherheitsexperten bemängeln zudem potenziell kritische Schwachstellen und raten davon ab, den Browser beim täglichen Surfen einzusetzen. Auch Datenschützer sind skeptisch.

Die Tester nennen im Schnitt drei herausragende Neuerungen: die äußerst schlichte, allerdings gewöhnungsbedürftige Benutzeroberfläche, ein einziges Eingabefeld namens Omnibox, das für Suchanfragen wie auch Internet-Adressen (Domains) verwendet wird und dass Unter-Fenster (Tabs) in separaten Prozessen laufen - bei Fehlern soll so nicht der ganze Browser, sondern nur der Tab abstürzen. Allerdings ist es nach Expertenangaben trotzdem schon zu Totalabstürzen gekommen.

Sicherheitsexperte Daniel Bachfeld vom Fachverlag Heise rät Durchschnittsnutzern davon ab, die vorläufige Version beim täglichen Surfen im Internet einzusetzen: "Das wäre ziemlich gefährlich." Chrome weise mindestens eine Lücke auf, über die Schädlinge auf den Computer eingeschleust werden könnten. "Wenn so einfache Dinge innerhalb von zwölf Stunden gefunden werden, frage ich mich, was für Fehler noch enthalten sind."

Mehr als eine Testversion

Trotz allem, der Google-Browser Chrome ist weit mehr als eine Testversion. Das bunte Logo sehen schon jetzt viele als Garanten für praktische Dienste, die das Leben im Internet leichter machen. Experten halten den Browser dagegen nicht nur für eines der Experimente, die der Konzern reihenweise startet. Denn Chrome könnte die Bedeutung des Internets langfristig verändern.

Den strategischen Gehalt des neuen Produktes machte Google-Gründer Sergey Brin bei der Vorstellung deutlich: "Unser Geschäft läuft gut, wenn die Leute das Internet viel nutzen." Denn der Konzern bietet neben seiner Suchmaschine auch zahlreiche Online-Anwendungen, die Nutzer direkt aus dem Browser bedienen - etwa Programme für Mails, einen Kalender und eine Textverarbeitung. Diese sind aber aufwendig und laufen unter den derzeit genutzten Browsern oft holprig.

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