Cloud Computing
Begrenzte Freiheit in der Wolke

Cloud Computing ist die große Hoffnung vieler IT-Anbieter. Die Unternehmen wittern gute Geschäfte und werben mit dem Versprechen drastischer Kostensenkungen um Kunden. Doch bisher scheuen die IT-Verantwortlichen die neue Technologie. Sie befürchten Datenklau.

MÜNCHEN. Kein anderes Thema bewegt die IT-Branche dieses Jahr so sehr wie Cloud Computing. Die Anbieter wittern die Chance auf neue Geschäfte und werben um die Kunden mit dem Versprechen drastischer Kostensenkungen. Doch je stärker die Branche das Konzept anpreist, desto mehr zeigt sich: Es wird noch Jahre gehen, bis sich Cloud Computing in den deutschen Unternehmen durchsetzt.

Die Idee ist bestechend: Die Anwender greifen auf Computerleistung und Programme aus Rechenzentren zu. Viele weltweit verteilte Systeme werden dabei über das Internet miteinander verbunden. Bezahlt wird nach Verbrauch. So müssen Unternehmen weniger investieren und sind flexibler, wenn das Geschäft wächst oder schrumpft. Außerdem lassen sich so Lastspitzen leicht abfedern. Einer neuen Studie der Marktforscher von IDC zufolge haben sich bis jetzt trotzdem nur ein Viertel aller Betriebe in Deutschland ernsthaft darüber Gedanken gemacht, Cloud Computing einzusetzen. Es sind vor allem große Konzerne, die sich damit beschäftigen. „Das Thema ist im Mittelstand noch nicht angekommen“, sagt IDC Analyst Matthias Kraus.

Der wichtigste Grund für die weitverbreitete Zurückhaltung: Die Manager haben Angst um ihre Firmengeheimnisse. „Sensible Daten werden wir nie in die ‚Cloud’ abgeben“, sagt Karl-Erich Probst, IT-Chef des Autoherstellers BMW. Zudem fürchten die Verantwortlichen, gegen Gesetze zu verstoßen, wenn sie Informationen nach außen geben. „Aus datenschutzrechtlicher Sicht ist es problematisch, dass im Rahmen des Cloud Computing personenbezogene Daten weltweit verteilt bearbeitet und gespeichert werden können“, sagt Rechtsanwalt Ulrich Baumgartner von der Münchener Kanzlei Osborne Clarke. Doch das sind noch längst nicht alle Hürden. Auch unter den Mitarbeitern gibt es Widerstand. „Die IT-Abteilungen haben Angst, dass Jobs verloren gehen“, sagt IDC-Experte Rüdiger Spies.

Die IT-Anbieter sind deshalb gezwungen, ihre Kunden behutsam ans Cloud Computing heran zu führen. „Der erste Schritt ist immer eine private ‚Cloud’“, sagt Holger Macho vom amerikanischen IT-Konzern IBM. Dabei werden etwa die Netzwerkrechner einer Firma, die sogenannten Server, verknüpft und den Nutzern je nach deren aktuellem Bedarf zugeordnet. So lässt sich die Auslastung kräftig steigern. Bislang übernehmen viele Server nur ganz spezielle Aufgaben und sind für einzelne Abteilungen oder Standorte im Einsatz. Dabei werden im Schnitt etwa 20 Prozent der Rechenkraft genutzt. In der „Cloud“ sollen 90 Prozent und mehr möglich sein. Das Resultat: Die Unternehmen brauchen weniger Rechner und sparen damit Geld in Anschaffung und Betrieb.

Der nächste Schritt: Die private Wolke wird von einem IT-Dienstleister in dessen Rechenzentren betrieben. Das lohnt sich für die Kunden, denn die Spezialisten können Größenvorteile nutzen. Gleichzeitig ist das Risiko gering, dass Konkurrenten auf die Daten zugreifen können: Die Server werden nur von einer Firma benutzt. Wenn Firmen sich ganz auf Cloud Computing einlassen, dann gehen sie noch einen Schritt weiter und kaufen weltweit Rechenleistung oder Speicherplatz ein, ohne auf ihnen zugeordnete Geräte zu bestehen. Damit haben sie die größten Kostenvorteile.

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