Cloud Computing
Unternehmer geben Server nicht her

Cloud Computing bietet Unternehmen extreme Einsparpotenziale - doch sie bleiben oft ungenutzt. Denn die Unternehmen sind skeptisch, ihre Daten in fremden Rechenzentren zu speichern. Sie fürchten fremden Zugriff und arbeiten lieber mit ihren eigenen Servern.

WERTHER. Vierzehn Tage lang lag die Akte vergessen im Kofferraum eines Privatwagens – bis der Fahrer, ein Mitarbeiter der Wurst Stahlbau GmbH, aus dem Urlaub zurück war. Pannen wie diese können bei dem Stahlbauunternehmen aus dem niedersächsischen Bersenbrück bald nicht mehr vorkommen: Im kommenden Jahr wird in dem mittelständischen Unternehmen die „virtuelle Bauakte“ Wirklichkeit. Aufträge, Fotos, Vertragskonditionen und Zeichnungen werden die Mitarbeiter per Zugangscode von überall und sogar per Handy oder PDA abrufen können. Trotz der angestrebten Verfügbarkeit konnte sich Geschäftsführer Thomas Wurst nicht zum so genannten Cloud Computing durchringen. Dabei hätte er Software und Daten aus dem Rechenzentrum eines Dienstleisters bezogen. „Die Daten bleiben auf unseren Servern“, betont er.

Wie Wurst denken viele mittelständische Unternehmer. Dennoch ist Cloud Computing die große Hoffnung der Software-Industrie. Dank dieser Technik wird das eigene Rechenzentrum der Kunden überflüssig, weil sie Software nicht mehr auf Rechnern im Haus speichern, sondern nach Bedarf über das Internet beziehen. Die Applikationen verschwinden also in einer Datenwolke. Cloud ist damit die radikalste Form so genannter Software as a Service. Allein in den kommenden zwei Jahren soll der Markt um mehr als 45 Prozent wachsen, belegen Zahlen des Branchenverbands Bitkom.

Grund für die Scheu von Mittelständlern: Sie fürchten unerlaubte Zugriffe auf ihre Daten. Einige wagen dennoch den Test. 90 Referenz-Kunden konnte zum Beispiel SAP bisher für die Cloud-Computing-Anwendung namens „Business By Design“ weltweit gewinnen, darunter auch einige deutsche Unternehmen wie Bautzen IT Group, Telefunken Semiconductors und Preh Key Tec. Martin Limpert, beim mittelständischen Automobilzulieferer Preh für Technik verantwortlich, hat sich bewusst gegen einen Lizenzkauf entschieden, denn er wollte eine IT-Lösung, die er nicht mit einer eigenen Mannschaft betreuen kann. Zudem war sein Unternehmen schon vorher SAP-Kunde und wollte das bisherige System mit der gewohnten Benutzeroberfläche und den gleichen Bedienungselemente behalten.

„Unternehmer müssten sich fragen, ob sie ihre Technik noch im Keller haben wollen oder sie einsparen“, sagt Rainer Zinow, bei SAP für Business By Design verantwortlich. Doch diesen Schritt wollen viele noch nicht gehen, auch nicht Margret Fromme-Ruthmann, Geschäftsführerin des Froli Kunststoffwerks im ostwestfälischen Schloss Holte-Stukenbrock. Das Unternehmen entwickelt und produziert innovative Bettsysteme, die weltweit vertrieben werden. Für Fromme-Ruthmann ist Cloud Computing kein Thema: „Interesse habe ich vor allem aus Sicherheitsgründen nicht. Die eigenen Daten im eigenen Hause zu wissen und zu sichern, hat Priorität.“ Sie fürchtet mit Cloud einen noch größeren Verwaltungsaufwand und eine noch schwierigere Kontrolle der Zugangsberechtigten.

Außerdem scheut Fromme-Ruthmann die Abhängigkeit vom Internet. „Wegen unserer ländlichen Infrastruktur ist die Übertragung nicht immer sichergestellt. Und auch die Geschwindigkeit ist von großer Bedeutung – das können wir mit einem eigenen Service eher gewährleisten."

Cloud Computing würde außerdem eine Abhängigkeit von einem weiteren Dienstleister bedeuten. „Unsere Firmenphilosophie besteht aber aus Unabhängigkeit und dem Verteilen von Risiken“, sagt Fromme-Ruthmann.

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