Cloud-Dienste
Google fordert Amazon beim Cloud-Computing heraus

Google legt sich mit Amazon an: Der Internetanbieter Google will neue Cloud-Infrastruktur-Dienste starten, die direkt in Konkurrenz zu dem bisherigen Marktführer Amazon stehen.
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San FranciscoGoogle steigt in den Markt für Cloud-Computing ein und stellt in Zukunft Unternehmenskunden Rechen- und Speicherkapazitäten in seinen zahlreichen Rechenzentren rund um die Welt zur Verfügung. Damit zielt die Web-Company direkt gegen den Pionier und Marktführer im Cloud-Computing, Amazon, aber auch Nachzügler wie Microsoft oder HP.

Bei einer Vorführung auf der Entwicklerkonferenz Google I/O in San Francisco arbeiteten 600000 Prozessoren aus Google-Datenzentren zusammen an der komplexen Aufgabe, Zusammenhänge zwischen menschlichen Genomzellen zu berechnen. Das Ergebnis lag in Sekunden vor, statt wie sonst üblich in Stunden oder Tagen, wenn die hauseigene Hardware des Instituts für System-Biologie genutzt wird, die maximal 4000 Rechenkerne zusammenfassen kann. Vor allem kleinere Unternehmen nutzen heute angemietete Rechenleistung im Web, im Silicon Valley arbeiten faktisch alle Start-Ups heute ohne eigene Serverkapazitäten.

Die genaue Anzahl der Rechenzentren und Server im Google-Reich ist ein gut gehütetes Geheimnis, aber Kunden werden über 770000 Prozessoren gleichzeitig anmieten können, hieß es am Donnerstag in San Francisco. Preise für die Dienstleistungen wurden nicht genannt.

Marktführer bei der Bereitstellung von Computerleistung im Internet ist Amazon.com. Der Handelsgigant versteckt die Ergebnisse dieser Sparte allerdings unter „Sonstiges“. Man kann also nur ungefähr abschätzen, wie hoch der Umsatz ist. Auf jeden Fall scheint er überproportional zu wachsen. Während im ersten Quartal 2011 der sonstige Umsatz noch bei 311 Millionen Dollar lag, waren es im ersten Quartal 2012 bereits über 500 Millionen, ein Plus von fast 60 Prozent. Der Gesamtumsatz im Quartal war lediglich um 34 Prozent gewachsen. Die Marktforscher von IDC gehen davon aus, dass Amazons Cloud-Computing-Umsatz dieses Jahr die Marke von einer Milliarde Dollar überschreiten wird.

Die neue Konkurrenz aus dem Silicon Valley trifft ebenfalls PC- und Server-Hersteller wie HP oder Dell hart. Die sogenannte Virtualisierung, die Verlagerung der Rechenkapazitäten aus dem eigenen Rechenzentrum in eine Cloud, sorgt bereits für sinkende Umsätze mit Servern und PCs. Hewlett Packard und Dell arbeiten deshalb selbst mit Hochdruck daran, Anbieter von Cloud-Computing zu werden, um ihre Unternehmenskunden nicht zu verlieren.

Mit seinem Angebot Azure ist Microsoft als Cloud-Anbieter tätig. Über Umsätze oder Ergebnisse wird auch in Redmond eisern geschwiegen, Analysten sehen Microsoft allerdings weit hinter Amazon. Cloud-Strategien angekündigt haben SAP und Oracle.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Cloud-Dienste: Google fordert Amazon beim Cloud-Computing heraus"

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  • Leider ist der erste Satz falsch. Google steigt nicht in den Markt für Cloud Computing erst jetzt ein, sondern bietet bereits seit vielen Jahren diverse Cloud-Dienste (Software-as-a-Service und Plattform-as-a-Service). Richtig hingegen ist, dass Google jetzt auch Cloud-Dienste auf Infrastrukturebene anbietet (Infrastructure-as-a-Service).

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