Computer für alle
Indien plant 10-Dollar-Laptop

Die indische Regierung will einen Ultrabillig-Laptop auf den Markt bringen. Das Gerät für gerade einmal zehn Dollar soll helfen, Studenten aus ärmeren Regionen des Landes zu rekrutieren. Bei der Vorstellung des Projekts im südindischen Tirupati blieb es allerdings erst einmal bei Ankündigungen.

HB DÜSSELDORF. Eigentlich hätte er am heutigen Dienstag der Öffentlichkeit präsentiert werden sollen. Doch der 10-Dollar-Laptop, mit dem Indiens Erziehungsministerium die Bildungschancen von Kindern aus ärmeren Regionen verbessern will, bleibt weiter ein Phantom. Bei der Präsentation im südindischen Tirupati wurde der mit Spannung erwartete Prototyp jedenfalls nicht präsentiert.

Stattdessen wiederholte Bildungsminister R.P. Agrawal nur einige technische Details, die bereits im Vorfeld des Termins bekannt geworden waren: WLAN-fähig soll er sein und über zwei Gigabyte Arbeitsspeicher verfügen. Das war's dann aber auch schon an technischen Informationen – Angaben darüber, wie ein Laptop zu derart niedrigem Preisen hergestellt werden kann, wurden nicht gemacht.

In sechs Monaten soll das „Phantom“ erhältlich sein – 940 Millionen Dollar (rund 740 Millionen Euro) will sich die indische Regierung das Projekt kosten lassen. Die Laptops sollen vor allem in jenen Regionen zum Einsatz kommen, wo Computernutzung wegen schlechter Stromversorgung und fehlender Internet-Anschlüsse bislang kaum möglich ist.

Das Erziehungsministerium erhofft sich davon, mehr Kinder aus ärmeren Bevölkerungsschichten für ein Hochschulstudium rekrutieren zu können. Im Vorfeld der Präsentation war bekannt geworden, dass die indische Regierung mit mehreren Verlagshäusern kooperieren will, um Lehrmaterialien in digitalisierter Form bereitzustellen, die auf die Rechner geladen werden können.

Der indische Billig-Laptop wäre eine deutlich preiswertere Alternative zu den Rechnern des „One-Laptop-per-Child“-Projekts (OLPC). Die Initiative von Nicholas Negroponte, Professor an der US-Eliteuniversität MIT, will speziell für den Einsatz in weniger entwickelten Regionen gebaute Laptops zum Preis 100 Dollar auf den Markt bringen. Die OLPC-Rechner sind unter anderem mit einer Handkurbel zur Stromerzeugung ausgestattet.

Nach Angaben der Zeitung „Times of India“ hat sich Indiens Regierung kürzlich gegen die Anschaffung von OLPC-Rechnern ausgesprochen. Als Grund dafür wurden unter anderem versteckte Kosten des Projekts genannt, die den Preis eines solchen Laptops auf 200 Dollar treiben würden.

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