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Kinder-Treffpunkt: Pixelherberge Habbo-Hotel auf Erfolgskurs

Im Internet boomt der Markt für Online-Spiele. Vor allem virtuelle Rollenspiel-Arenen, die so genannten Massive Multiplayer Online Games (Mmog), ziehen eine immer größere Fangemeinde an. Doch Angebote speziell für Kinder und Jugendliche sind nach wie vor rar.

dpa HELSINKI. Im Internet boomt der Markt für Online-Spiele. Vor allem virtuelle Rollenspiel-Arenen, die so genannten Massive Multiplayer Online Games (Mmog), ziehen eine immer größere Fangemeinde an. Doch Angebote speziell für Kinder und Jugendliche sind nach wie vor rar.

Hier hat sich die Firma Sulake aus Finnland mit ihrem „Habbo-Hotel“ eine Marktnische erobert - und räumt seither Preise ab. Inzwischen gibt es die bunte Pixelherberge in mehr als 17 Ländern der Welt. Sie spricht vor allem Kinder und Jugendliche im Alter zwischen elf und 18 Jahren an. Direkte Konkurrenten hat das Unternehmen nach Angaben von Juhani Lassila, Kommunikations-Manager von Sulake, bis heute nicht. Über 50 Mill. registrierte Habbo-Charaktere zählt das Unternehmen derzeit, Tendenz steigend.

Nach dem Einchecken bewegt sich der Nutzer in Gestalt eines kleinen, charmanten Pixel-Kerlchens (Avatar) durch das virtuelle Hotel. Hier trifft er andere Hotel-Besucher, kann sich über Sport, Filme oder Computerspiele unterhalten, Konzerte besuchen oder auch mal mit Popsängern chatten. Die Grundfunktionen sind für die Spieler kostenlos. Mit virtuellen Habbo-Talern - die real zu bezahlen sind - können aber auch Möbel für den Empfangsraum oder neue Klamotten gekauft werden. Mehr als zehn Euro in der Woche darf jedoch kein Habbo ausgeben.

Die überwältigende Mehrheit der Nutzer spielt dennoch kostenlos, lediglich zehn Prozent der Nutzer geben für Extras Geld aus, sagt Juhani Lassila, Kommunikations-Manager von Sulake. Dennoch funktioniere das Geschäftsmodell. Das Unternehmen konnte im vergangenen Jahr seinen Umsatz auf 30 Mill. Dollar (23,4 Mill. Euro) verdoppeln, verzeichnete Ende 2005 allerdings sein erstes profitables Geschäftsquartal.

Die schlichte Pixelgrafik der Figuren hat bei der sonst herrschenden Schnelllebigkeit im Internet auch einen ganz pragmatischen Hintergrund. „Im Retro-Design werden die Figuren einfach nicht so schnell alt“, sagt Lassila. Da die erklärte Zielgruppe Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren sind, wachen Moderatoren darüber, dass die Unterhaltungen auch kindgerecht bleiben.

Sollte es einmal Probleme geben, lässt sich jederzeit per Knopfdruck ein Moderator einschalten. „Von uns wird es auch niemals ein Gewaltspiel geben“, sagt Lassila. „Kreativität und Interaktivität sind die Schlüsselwörter für unsere Produktion.“ Zu Problemfeldern wie etwa Drogenkonsum oder Gewalt stehen auch so genannte Infobusse bereit, in denen die Kinder über diese Themen diskutieren können. Diese Infobusse seien sehr gut frequentiert, sagt Lassila.

Aus Wien wurden die Entwickler von Habbo-Hotel bereits 2003 mit dem österreichischen Kulturpreis Ars Electronica geehrt. Die Unternehmensberatung Deloitte listete Sulake in ihrem Ranking der 500 am schnellsten wachsenden Technologieunternehmen im Jahr 2005 auf dem achten Platz mit einem Wachstum von 8,17 Prozent. Zuletzt zeichnete das amerikanische Fachmagazin „Red Herring“ im Mai die virtuelle Spielwiese aus und erklärte Sulake zu den hundert hoffnungsvollsten und innovativsten Technologie-Unternehmen Europas. Mit dem „Red Herring 100 Europe“ wurden einstmals auch heute prominente Unternehmen wie ebay oder Skype geehrt.

Entstanden ist Habbo-Hotel Ende der 90er Jahre weniger als Geschäftsidee, sondern eher aus einem Hobby heraus, sagt Lassila. Die beiden heute fast 30 Jahre alten Erfinder sind allerdings nur noch Mitglieder im Aufsichtsrat. Die Firma Sulake ging mit dem ersten virtuellen Hotel Hotelli Kultakala im Jahr 2000 an den Start und zählt heute 255 Mitarbeiter. Weltweit treffen sich im quietschebunten Pixel-Hotel mehr als 50 Mill. Gäste, in Deutschland kommt Sulake nach eigenen Angaben auf 1,4 Mill. Besucher.

Nach dem Auslaufen des Kooperationsvertrags mit T-Online stehe das Unternehmen neuen Partnern aus den Bereichen TV und Medien offen gegenüber, sagte Torsten Jüngling von Sulake Deutschland. Die Telekom-Tochter hatte im vergangenen Oktober „aus ökonomischen Gründen“ die Kooperation nicht fortgeführt, wie T-Online-Sprecher Martin Frommhold erklärt. Für die Zukunft hat Sulake noch viele Pläne. So soll künftig die Marke etwa auf Animationsfilme von Partnern wie Warner Brothers oder Disney ausgeweitet werden. Auch der Vertrieb von Lizenzartikeln sowie die Entwicklung von Brett- und Kartenspielen ist geplant. Und schließlich sollen künftig auch Eingangstüren zum Habbo-Hotel auf mobilen Geräten und Handys prangen.

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