Computer-Sicherheit
Schädlinge gewinnen die Oberhand

Viren, Trojaner, Würmer - die Bedrohungen aus dem Internet sind vielfältig. Bislang haben sich die Computer-Nutzer mit Virenscannern davor schützen können. Doch die Programme dürften bald versagen. Damit rechnet zumindest der renommierte Sicherheitsoftware-Anbieter Kaspersky Lab. Die Entwickler geben Microsoft eine Mitschuld an dem Desaster.

HB HANNOVER. "Wenn das Wachstum bei der Schad-Software in diesem Tempo weitergeht, könnte unsere gesamte Branche dieser Flut irgendwann nicht mehr standhalten", sagte Chefentwickler Eugene Kaspersky am Donnerstag auf der Computermesse Cebit in Hannover. Die Zahl von Programmen, die übers Internet Computer angreifen, sei 2006 um das 2,5-fache gestiegen. Für dieses Jahr rechne er mit einem ähnlichen Wachstum. "Deshalb setzte ich mich für eine Art Internet-Interpol ein. Auch die beste Sicherheitssoftware allein könnte bald nicht mehr reichen", betonte der Gründer des russischen Antiviren-Unternehmens.

Die Entwickler von Schad-Software seien in vieler Hinsicht im Vorteil. "Sie sind viele und sie sind unabhängig von einander in der Welt verstreut, während die Flut ihrer Programme von einer Handvoll Unternehmen aufgehalten werden muss. Und für sie gibt es mit dem Internet keine Grenzen." Internet-Kriminelle aus Russland griffen britische Banken an, Brasilianer nähmen spanische Internet-Nutzer ins Visier - die Sicherheitsbehörden agierten dagegen aber hauptsächlich innerhalb der nationalen Grenzen.

"Wir haben es immer mehr mit einer weltweiten Industrie zu tun, die tausende Menschen beschäftigt. Ich würde mich nicht wundern, wenn sie Beträge umsetzt, die über den Erlösen der Sicherheitssoftware-Branche liegen", sagte Kaspersky. Schließlich gehöre zur Internet-Kriminalität eine Begleitinfrastruktur wie Geldwäsche.

Angst vor Afrika

Sorgen macht Kaspersky die Kampagne für eine stärkere Verbreitung Internet-tauglicher Computer in Schwellenländern und der dritten Welt. Gerade in ärmeren Ländern sei die Verlockung größter, Geld mit Internet-Kriminalität zu verdienen. "Aus Afrika kommt heute so gut wie keine Schad-Software. Wenn Afrika dazukommt, wird der Druck noch größer werden", warnte Kaspersky.

Die meisten neuen Schadprogramme derzeit seien so genannte Trojaner, sie sich unbemerkt auf dem Computer einnisten und zum Beispiel Informationen über Bankkonten herunterladen oder Werbemails verschicken. Ein zunehmendes Problem seien auch mutierende Programme, die sich bei jedem Abruf leicht veränderten. "Normalerweise kann man ein Gegenmittel für einen Trojaner schon nach wenigen Sekunden parat haben. Bei solcher Software muss man erst ein Gegenprogramm schreiben. Das kann eine Stunde, zwei Stunden oder einen ganzen Tag dauern. In dieser Zeit ist man ungeschützt", sagte Kaspersky.

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