Computer-Tisch für Kasinos
Microsoft hat eine „Surface“-Vision

Microsoft hat einen interaktiven Tisch namens „Surface“ entwickelt, der zunächst an Kasinos und Hotels verkauft werden soll. Der Softwareriese verspricht sich viel davon, immerhin stößt die klassische Benutzerführung mit Maus und Tastatur an immer mehr Grenzen.

DÜSSELDORF. Zu Hunderten dicht gedrängt liegen sie nebeneinander auf den Bar-Tresen der glitzernden und klingelnden Casinotempel in der Spielerhochburg Las Vegas: in die Tischplatte eingelassene Röhrenfernseher, auf denen Millionen Amerikaner Tag und Nacht ihrem Lieblingskartenspiel nachgehen: Poker. Sie tippen auf die flimmernden Bildschirme aus dickem Glas und füttern die Spielautomaten geduldig mit Dollarnoten und Münzen.

Doch diese Spielautomaten sind in die Jahre gekommen. Der schlanke und leichte Nachfolger der alten, dummen Terminals soll aus Redmond kommen. Erster Kunde für eine neue Generation von Videospieltischen, die von Microsoft-Chef Steve Ballmer gestern im kalifornischen Carlsbad vorgestellt wurden, ist der Kasino-Multi Harrah’s aus Nevada.

Doch Microsoft will diesmal noch mehr wagen. Der neue Tisch ist das Eingeständnis, dass das klassische Verständnis, wie wir mit Technologie umgehen, mit Maus und Tastatur, Menüleisten und Klickboxen an eine Grenze gestoßen ist. Die Menschen verlangen einfache Lösungen.

Der Spieltisch mit der berührungsempfindlichen Oberfläche ist mit Computertechnik und Funk-Sensoren ausgerüstet, die - entsprechend ausgestattete - Gegenstände erkennen, die man darauf ablegt. Das kann alles von Vorführprodukten bis zu Mobiltelefonen oder Kundenkarten sein. Durch eine persönliche Zuordnung der Gegenstände wird es möglich sein, Kunden oder Gäste immer wieder zu erkennen und ihre Vorlieben zu erkennen. Vorbei die Zeiten, wo sich der Barkeepen hinter dem Tresen an deinen Namen erinnern konnte - das macht jetzt der Computer. Schon alleine, weil man seine Bestellung sowieso irgendwann wortlos auf dem Tisch-Bildschirm wird eintippen müssen.

„Mit der Surface Technologie schaffen wir eine intuitivere Möglichkeit, wie Menschen mit Technik umgehen werden. Wir sehen das als einen Multi-Milliarden-Dollarmarkt“, so Ballmer. Microsoft steht nicht alleine mit dieser Vision: „Die Vereinfachung der Bedienungsoberflächen hat für uns oberste Priorität", sagt Hannu Nieminen, Chef von Insight and Innovation bei Nokia Design in Finnland. Gerade Mobiltelefone werden als personalisierte Informationsterminals der Zukunft eine bedeutende Rolle spielen, sind sich Analysten durchweg sicher. „Design wird dabei eine zentrale Rolle spielen.“ Denn so richtig neu ist die Technik hinter ganz vielen Innovationen eigentlich gar nicht mehr „Technisch ist vieles heute schon längst machbar“, sagt der Nokia-Manager. „Es kapiert nur keiner, wie es geht."

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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