Computer- und Handyindustrie wachsen zusammen
Smartphones sollen Umsatz bringen

Kelly Herrell jongliert sein Motorola-Handy zwischen den Fingern hin und her: "In diesem kleinen Ding arbeitet ein 200-Megahertz-Prozessor. Das ist schneller als der Prozessor in meinem ersten Notebook", sagt der Produktstratege der amerikanischen Softwarefirma Monta Vista.

tnt CANNES. Die Kalifornier haben sich darauf spezialisiert, das bisher auf Servern in Computernetzen erfolgreiche Betriebssystem Linux für den Einsatz auf Handys umzubauen. Herrell, der im Silicon Valley bereits für allerlei IT-Firmen gearbeitet hat, wittert für die Softwarefirma ein riesiges Geschäft: "Bereits heute werden vier mal mehr Handys als PCs verkauft." Und auch die neuen Smartphones sind "erst der Anfang" von dem, was die mobilen Minicomputer im Handy künftig leisten werden.

Bereits heute gibt es etliche Geräte, die mit bisher vom PC bekannten Funktionen wie Email, Organizer und Datenspeicher ausgestattet sind. Und schon länger träumt die Branche davon, Smartphones mit Breitbandinternet, digitaler Musik und Videospielern auf den Markt zu bringen, auch um die bisher kaum ausgelasteten UMTS-Netze mit Datenverkehr zu füllen. Marktführer Nokia rechnet damit, dass die Zahl der verkauften Smartphones bis Ende 2005 weltweit auf 70 Millionen Geräte steigen wird.

Die Nachfrage wird schon deshalb steigen, weil bis Ende 2005 rund um den Globus 100 Mobilfunknetze der dritten Generation installiert sein werden, die den Datenaustausch in akzeptabler Geschwindigkeit möglich machen. "Auch die rasche Verbreitung von MP3-Musikplayern wie dem Ipod von Apple hat die Akzeptanz gegenüber mobilen Endgeräten für den Medienkonsum im letzten Jahr deutlich erhöht", sagt Chang Soo Choi, der beim koreanischen Handyriesen Samsung den internationalen Vertrieb verantwortet.

Ein Grund mehr für den Softwaregiganten Microsoft, einen weiteren Anlauf zu unternehmen, im Markt für mobile Endgeräte Fuß zu fassen. Dort dominiert das mehrheitlich Nokia und anderen Handyherstellern gehörende Softwareunternehmen Symbian.

Umso erstaunlicher ist es, dass nun ausgerechnet Nokia und Microsoft mitteilen, dass der Windows Media Player künftig für digitale Musik auf Nokia Handys zur Verfügung steht. Gleichzeitig hat Microsoft jedoch angekündigt, ein eigenes Handy fertigen zu lassen, das mit dem Windows-Betriebssystem Nokia Konkurrenz machen wird. Doch auch das ist laut Nokia Manager Anssi Vanjoki ein Zeichen für das Zusammenwachsen von Computer und Mobilfunkindustrie: "In der Computerbranche ist es schon seit langem völlig normal, dass große Anbieter sich in manchen Bereichen als Wettbewerber gegenüberstehen und in anderen Bereichen kooperieren."

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