Computermesse Cebit
China will zur IT-Großmacht aufsteigen

Auf der Computermesse Cebit werden in diesem Jahr erstmals chinesische Produkte Schlagzeilen machen. Der Mobiltelefon-Hersteller ZTE will eines der kleinsten UMTS-Handys der Welt zeigen.

dpa-AFX HANNOVER. Insgesamt haben sich mehr als 300 Aussteller aus dem Reich der Mitte angesagt, das hierzulande meist nur als Markt für die eigenen Produkte gesehen wird. Seit der Übernahme des IBM-PC-Geschäfts durch die staatseigene Lenovo werden die ehrgeizigen Pläne der Volksrepublik, von der verlängerten Werkbank zur IT-Großmacht aufzusteigen, nicht mehr nur in Expertenkreisen diskutiert. In Hannover wird man sich die Produkte dazu ansehen können.

"Die chinesischen Hersteller haben bei der Produktion von Mobiltelefonen noch einiges zu lernen", sagte Analyst Ben Wood vom Marktforschungsinstitut Gartner der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Derzeit liege ihre Stärke in der Herstellung von günstigen Einsteigermodellen. Bei UMTS- oder Multimedia-Handys gebe es dagegen Probleme. In China selbst konnten Hersteller wie der Siemens-Partner Ningbo Bird, TCL und Eastcom den führenden westlichen Herstellern bereits Marktanteile abjagen.

"Es wird den chinesischen Unternehmen sehr schwer fallen, die Standards der großen Mobilfunkbetreiber wie Vodafone, T-Mobile oder Orange zu erfüllen - vor allem bei der Software", sagte Wood. Hinzu kämen die enormen Anstrengungen, die für den Aufbau einer Marke erforderlich seien.

Ein Papiertiger also? "Auf lange Sicht stellen die chinesischen Hersteller ein großes Risiko für Wettbewerber wie Nokia dar." In drei bis fünf Jahren sei mit den ersten interessanten Produkten zu rechnen. "Ihre langfristige Planung macht die chinesischen Unternehmen so gefährlich." Wood erwartet nicht, dass ein chinesischer Hersteller wie Ningbo Bird die defizitäre Siemens-Handysparte kaufen wird. "Andererseits erhalten Unternehmen wie Ningbo Bird oder Lenovo von der chinesischen Regierung erhebliche Mittel, die sie dazu in die Lage versetzen."

China investiert Mrd. in eigenständige Software- und Telekommunikationssysteme. Als unmittelbare Gefahr für das eigene Geschäft sehen von dpa-AFX befragte Vertreter der IT-Branche die chinesischen Bestrebungen jedoch nicht. "Die Frage müsste eigentlich lauten, wie lange dauert es, bis Cisco Systems den chinesischen Unternehmen auf ihrem Heimat-Markt noch mehr Konkurrenz macht", sagte Cisco-Deutschlandchef Andreas Dohmen. "Im vergangenen Jahr beispielsweise haben wir ein Forschungszentrum in Shanghai eröffnet. Ich denke, China muss noch einige Jahre an Technologie-Innovationen nachholen". Sein Unternehmen habe "einige Jahre Vorsprung in der Forschung und an Erfahrung". Sun-Deutschlandchef Marcel Schneider sieht es ähnlich: "Bei wenig komplexen Produkten ist China stark. Wir sind in einem Hightech-Umfeld tätig und da bemerken wir keinen Wettbewerbsdruck aus China."

Druck gibt es im Niedrigpreisbereich: Bei Standard-Netzwerkkomponenten versucht der chinesische Telekomausrüster Huawei den Marktführer Cisco über den Preis auszustechen. In Hannover will das Unternehmen Handys zeigen. Der Aufstieg von Lenovo zum drittgrößten PC-Hersteller der Welt nach Dell und Hewlett-Packard (HP) wird es Experten zufolge noch schwieriger machen, im Geschäft mit Personal Computern attraktive Renditen zu erwirtschaften. Die bisherige Nummer 3, IBM, ist bereits ausgestiegen.

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