Computermesse Systems
Zündfunke bei IT-Investitionen fehlt im Mittelstand noch

An eine harte Auslese haben sich mittelständische IT-Firmen in Deutschland nach Angaben von Experten gewöhnt. Die Zeiten seien schon länger vorbei, in denen ihren Kunden das Geld für Anschaffungen von Soft- und Hardware oder Telekommunikation locker saß, der Investitionsstau habe sich noch immer nicht aufgelöst.

dpa MÜNCHEN. Mit teuren Extras oder Programmen, die nicht genau zum Firmenprofil der Abnehmer passen, haben Anbieter nur wenige Chancen, sagt Claus Vogt, Analyst beim Markforschungs- und Beratungsunternehmen Techconsult. „Die Geschäftsführung entscheidet, und die schaut in erster Linie aufs Geld.“ Der Mittelstand ist Schwerpunkt bei der Computermesse Systems (bis 28. Oktober), die am Montag in München für Besucher öffnete.

Wer sich auf diese Situation einstellen kann, habe auch heute dennoch positive Geschäftsaussichten, sagt Heinz Paul Bonn vom Branchenverband Bitkom. „Es wird weitergehen, und wir sehen die Marktlage als positiv an.“ Als entscheidend für kleine und mittelständische IT-Anbieter sieht Bonn vor allem die Fähigkeit, zu kooperieren. Große Softwarekonzerne wie Microsoft, IBM und SAP suchten mehr und mehr die Partnerschaft mit solchen kleineren Anbietern und Dienstleistern, die auf den Plattformen der Großen speziell auf die jeweilige Branche oder sogar auf das einzelne Unternehmen zugeschnittene Lösungen entwickeln könnten. Mittelständler wendeten sich also an ihresgleichen, wenn sie ihre IT auf Vordermann bringen wollten, sagt Bonn. „Das ist ein gutes Zeichen für unseren Markt.“

Dennoch: Ein Boom ist nach Einschätzung von Techconsult derzeit kaum in Sicht. Schon bisher hatte sich das Marktforschungsunternehmen bei seinen Prognosen für den deutschen Markt etwas skeptischer gezeigt als Bitkom. „Im Moment sieht es so aus, als würde es genauso flau weitergehen wie vor der Bundestagswahl“, sagt Vogt. Zwar werden die kleinen und mittleren Unternehmen ihre Ausgaben rund um Computer und Telekommunikation in diesem Jahr nach seiner Einschätzung um 2,3 Prozent und 2006 um 3,7 Prozent steigern. Dabei sehen die Chancen für Anbieter von Programmen und Software-Dienstleistungen für Archivierung, IT-Security und Kundenbeziehungsmanagement derzeit am besten aus, sagt Vogt. „Aber zu sagen, dass der Markt brummt - da hätte ich Bauchschmerzen.“ Die Marktbereinigung dürfte noch nicht zu Ende sein. „Es werden sicherlich noch Einige auf der Strecke bleiben.“

Davon geht auch Peter Driessen aus, IT-Experte der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern. „Wir sind skeptisch, auch für die Investitionen“, sagt er. Der Trend zum Outsourcing von IT-Abteilungen großer Unternehmen schaffe zwar Chancen für neue und kleinere Anbieter. Doch diese müssten sich erst einmal im schwierigen Umfeld behaupten können. „Keiner der potenziellen Kunden will an einen Anbieter geraten, der dann wieder vom Markt verschwindet“, sagt Driessen.

Auch Bonn von Bitkom sieht den Markt im Umbruch und räumt ein, dass der Kunde sehr viel vorsichtiger geworden sei, als noch zu den Boom-Zeiten der Branche um das Jahr 2000. Außer detaillierten Referenzen des einzelnen Anbieters fragten die Abnehmer auch genau nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und ob die angebotenen Produkte wirklich auf dem jüngsten Stand der Technik sind. „Der heutige Mittelständler kauft bewusster, kauft mündiger“, sagt Bonn. Wer sich dessen bewusst sei, könne aber auch heute noch gute Geschäfte machen. „Ein raues Klima hat noch niemandem geschadet. An die See fahren, hilft ja auch bei Husten.“

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