Computerspielemesse E3
Nintendo enttäuscht das Messepublikum

Die neue Spielekonsole Wii U vom Hersteller Nintendo kommt. Doch wann genau, darauf wollte sich der Konzern auch nicht vor der in Los Angeles versammelten Weltpresse äußern. Auch zum Preis gibt es bislang nur Gerüchte
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Los AngelesEnttäuschung auf der ganzen Linie. Nach einer Stunde verließ ein ratloses Publikum die große Presseveranstaltung des japanischen Spieleriesen Nintendo in Los Angeles. Weder der erwartete Starttermin für die neue Videokonsole Wii U noch ein Preis waren genannt worden, lediglich die vage und bekannte Aussage „zum Weihnachtsgeschäft“ wurde wiederholt.

Selbst Satoru Iwata, President des Unternehmens aus Kyoto, ließ sich entgegen aller Tradition nicht auf der weltgrößten Spielekonferenz E3 blicken. Er überließ Shigero Miyamoto, Mastermind hinter den legendären Spielschöpfungen wie Super Mario, Zelda oder Pikmin, den Eröffnungspart der Show, von der klare Aussagen über den Kurs des angeschlagenen Unternehmens erwartet wurden. Nintendo muss Antworten geben: Im abgelaufenen Geschäftsjahr zum 31. März war zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte ein Verlust angefallen. Schleppende Verkäufe bei der betagten Konsole Wii und den mobilen Spielgeräten 3DS hatten zusammen mit Währungsverlusten aus einem starken Yen zu einem Minus von umgerechnet rund 400 Mill. Euro geführt. Im Weihnachtsquartal 2011 fanden noch 5,6 Millionen Wii einen Käufer, das reichte nur noch für den dritten Platz hinter Sony mit 6,5 Millionen Playstation3 und Microsoft mit 8,2 Millionen Xbox360.

Die schon 2011 angekündigte Wii U wird eine höhere Bildschirmauslösung als der Vorgänger aufweisen und vor allem eine neue Steuereinheit. Der Touchscreen des Gamepad genannten Controllers dient einerseits der bequemen Steuerung, ermöglicht aber auch ein schnelles Spiel ganz ohne TV-Gerät. Als zweiter, kleiner Bildschirm genutzt können Teile des Spiels, zum Beispiel Auswahllisten, auf dem Controller angezeigt werden. Maximal zwei Gamepads sowie zwei traditionelle Steuerungen werden gleichzeitig unterstützt. Im April machten bislang unbestätigte Gerüchte die Runde, die Konsole werde am 23. November zu einem Preis zwischen 350 und 450 Dollar angeboten werden. Zum Vergleich: die günstigste Version von Microsofts Xbox360 kostet derzeit 199 Dollar.

Nintendo war es mit der ersten Wii und ihrer Bewegungssteuerung, die vollen Körpereinsatz fordert, schon einmal gelungen, die Konkurrenz zu düpieren und die Marktführerschaft an sich zu reißen. Das Gamepad soll diesen Erfolg wiederholen. Doch diesmal ist zumindest Microsoft vorbereitet: Am Montag wurde eine Zusatzsoftware präsentiert, die Microsofts Xbox360 mit Smartphones und Tablets verbindet.

Viel wird von der Verfügbarkeit attraktiver Software abhängen. In Los Angeles auf der E3 präsentiert Nintendo alleine 23 Spiele, der französische Hersteller Ubisoft will acht Spiele am Erstverkaufstag fertig haben, Firmen wie Valve und Electronic Arts wollen die Konsole ebenfalls unterstützen.

Das neue soziale Netzwerk, das Nintendo bereits am Sonntag vorgestellt hat, wird in Zukunft auf dem Startbildschirm zu sehen sein, wenn eine Nintendo-Konsole eingeschaltet wird. Hier finden sich dann Nachrichten von Freunden oder sonstige Informationen zu Freunden und Spielern, die man zuvor im Web getroffen hat. Mit der zunehmenden Vernetzung versucht Nintendo mit der Konkurrenz Schritt zu halten und neue Konkurrenten wie Facebook- und Smartphone-Spiele auf Abstand zu halten.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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