COO Jonathan Schwartz will Schwächen des Wettbewerbers nutzen
Sun geht auf Jagd nach HP-Kunden

Der US-Computerkonzern Sun Microsystems will die Führungskrise beim Rivalen Hewlett-Packard (HP) nutzen, um diesem Server-Kunden abzujagen. "Wir werden in den kommenden Monaten gezielt versuchen, HP-Kunden von den Vorteilen der Sun-Technologie zu überzeugen", sagte Jonathan Schwartz, der das operative Geschäft von Sun führt, dem Handelsblatt.

tnt HANNOVER. Schwartz spart nicht mit Kritik am wesentlich größeren Wettbewerber: "Die Serverstrategie von HP gleicht einem Beinhaus, in dem sich die Überreste fortgesetzter Fehlentscheidungen stapeln."

Sun ist der drittgrößte Hersteller von Server-Computern, die in Netzwerken anderen Rechnern Daten und Programme zur Verfügung stellen. Nach Schätzungen der Marktforscher von Gartner hat Sun 2004 rund 5,2 Mrd. Dollar mit Servern umgesetzt, was einem Marktanteil von 10,6 Prozent entspricht. HP kommt dagegen mit 13,5 Mrd. Dollar Umsatz auf einen Marktanteil von 27 Prozent.

Das Selbstbewusstsein von Sun überrascht, denn im vergangen Jahr war der Konzern der einzige große Anbieter, der in einem um rund sieben Prozent wachsenden Server-Markt Umsatzeinbußen verkraften musste. Marktführer IBM sowie die HP und Dell konnten zulegen.

Derzeit versucht Sun, mit einer ganzen Palette neuer Produkte den Abwärtstrend zu stoppen. Dazu gehört auch Software - etwa das neue Betriebssystem Solaris 10, auf das Sun-Manager Schwartz große Hoffnungen setzt.

Doch der einstige Branchenprimus Sun hat einiges aufzuholen. Nach dem Ende des Internetbooms hatte der Konzern zu spät auf die einbrechende Nachfrage reagiert und zu lange ausschließlich an seiner eigenen Technologie festgehalten. Im Geschäftsjahr 2003 bezahlte Sun dafür mit einem Rekordverlust in Höhe von 3,4 Mrd. Dollar.

Seither versucht Sun, durch Sparen, Entlassungen und eine Öffnung seiner Technologie wieder profitabel zu werden. Im zweiten Quartal 2005 (31.12.) hat der Konzern immerhin einen bescheidenen Nettogewinn von 19 Mill. Dollar erwirtschaftet.

Dass Analysten reihenweise Verkaufsempfehlungen für die Sun-Aktie geben und die Zukunft des Unternehmens in Frage stellen, ficht Schwartz nicht an. "Wir sind mit 7,6 Mrd. Dollar an Cash-Beständen nach Microsoft die am besten finanzierte Technologiefirma der IT-Branche", sagt die Nummer zwei in der Unternehmenshierarchie. Nach Einschätzung von Konzernchef Scott McNealy entspricht die Bewertung des Unternehmens durch die Börse nicht dem tatsächlichen Wert. "Wir werden nicht als Wachstumsunternehmen bewertet", sagte McNealy kürzlich vor Investoren.

Ein gewaltiges Potenzial für Wachstum sieht McNealy im Mobilfunk. Bald werde nicht mehr der PC, sondern das Handy der dominierende Zugang zum Internet sein. Und davon will Sun durch seine Programmiersprache Java profitieren, die nahezu auf jedem Handy zum Einsatz kommt. Das Problem: Für die Verbreitung von Java auf Endgeräten erhält Sun so gut wie keine Lizenzeinnahmen. Deshalb will Sun rund um die Infrastruktur bei Netzbetreibern wachsen. "Java ist vergleichbar mit Eisenbahnschienen", sagt Chief Operating Officer (COO) Schwartz. "Wenn immer mehr Schienen mit derselben Spurbreite verlegt werden, steigt unsere Chance, Lokomotiven für dieses Netz zu verkaufen."

Die Telekombranche ist inzwischen der größte Kunde von Sun. "Ein Drittel unseres Umsatzes kommt aus dieser Branche", sagt Schwartz. In Deutschland konnte Sun vergangene Woche einen neuen wichtigen Kunden melden: Die Deutsche Telekom wird ihr SAP-System zur Zahlungsabwicklung für 40 Millionen Festnetzkunden über Server und Speichersysteme von Sun betreiben. Das Auftragsvolumen bewegt sich im zweistelligen Millionenbereich. Auch der Mobilfunker O2 will für seine Rechnungssysteme auf Sun-Systeme setzen.

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