Cookies
Großer Streit um kleine Dateien

Sie messen Klicks und melden, wenn ein Nutzer eine Webseite erneut besucht: Sogenannte Cookies sind das Grundelement der Online-Werbewirtschaft - und ein Alptraum für Datenschützer.
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DüsseldorfSie heißen _chartbeat2, wt3_sid oder srp. Dahinter verbergen sich keine skurrilen Nicknames auf dubiosen Internetseiten, _chartbeat2 und seine Kollegen sind Cookies: Bei jedem Besuch eines Nachrichtenportals werden solche kleinen Textdokumente automatisch im Browser gespeichert.

Dort bleibt das Cookie maximal 30 Tage und wartet darauf, die Wiederkehr des Nutzers zu melden. Mehr kann _chartbeat2 nicht: Es erkennt einen Besucher wieder oder eben nicht. Und dennoch erregt die Existenz solcher Cookies die Gemüter von Datenschützern. 

Das Problem: Das kleine Cookie ist nicht alleine im World Wide Web. Fast jede der Milliarden Internetseiten weltweit hinterlässt etliche der kurzen Texte. Die digitale Wirtschaft nutzt sie vielfältig - etwa zur Messung, wie viele Personen auf ihren Seiten waren und was sie sich angeguckt haben.

Die Zahlen, die sich daraus ergeben, sind bares Geld wert: Je höher die Zugriffszahlen einer Internetseite, desto mehr sind Unternehmen bereit für Werbung dort zu bezahlen. Ohne Cookies kein Geschäft, so Vertreter der Branche. „Cookies sind das Steuerungselement für die einfache Nutzung des Internets schlechthin“, sagt Matthias Ehrlich, Vizepräsident des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW).  

Was die Cookies speichern, bestimmt die ausgebenden Internetseite. Vergangene Woche übten Datenschützer Kritik an einem Facebook-Cookie, das mittels einer eindeutigen Identifikationsnummer den Internetnutzer über zwei Jahre lang wiedererkennen könnte - auch wenn er auf anderen Seiten surft.

Damit ist es theoretisch möglich, ein genaues Profil des Nutzers zu erstellen. Eine paradiesische Vorstellung für alle Werbetreibenden. Facebook bestreitet, solche Profile zu erstellen. Die Existenz des datr-Cookie wird allerdings nicht bestritten.

Zombie-Cookies sind besonders hartnäckig

Dass große Internetportale auch vor dem aggressiven Einsatz von Cookies nicht zurückschrecken, zeigt eine Studie von Forschern der Berkeley-Universität. Sie fanden heraus, dass etwa das große Videoportal Hulu.com Cookies einsetzt, die sich nicht durch herkömmliche Verfahren löschen lassen. Diese sogenannten Zombie-Cookies basieren auf einer anderen Programmiersprache und können zum Teil wesentlich mehr Informationen über den Nutzer sammeln als herkömmliche Cookies.

Datenschützer wollen der Cookie-Flut Einhalt gebieten. Sie stören sich vor allem daran, dass der Nutzer, selbst wenn er sich der Existenz der Dateien bewusst ist, nicht feststellen kann, welche Informationen gespeichert werden und welche Halbwertzeit die Cookies haben. Wenn es nach den Datenschützern geht, sollten Internetseiten den Nutzer vor dem Speichern von Cookies um Erlaubnis bitten (Opt-in). Derzeit wird das gegenteilige Modell praktiziert: Ohne Nachfrage gesetzte Cookies können vom Nutzer nachträglich gelöscht werden (Opt-out).

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Streit um gesetzliche Regelung

Kommentare zu " Cookies: Großer Streit um kleine Dateien"

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  • Ja, das Thema Cookies. Beruflich war ich selber ganz nah mit dabei (nugg.ad Targeting), aber Flash-Cookies sind in der Tat unsexy -> http://thomalla.biz/?p=404

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