Cyber-Kriminalität Hacker sind scharf auf Gesundheitsdaten

Gesundheitsdaten sind bei Hackern hoch begehrt. Mit dem Verkauf großer Mengen solcher sensiblen Informationen lässt sich gehörig Profit machen. In den USA hat sich eine Art Schwarzmarkt für Patientendaten gebildet.
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Sensible Daten wie Patientenakten sind für Hacker ein lukratives Ziel. Quelle: dpa

Sensible Daten wie Patientenakten sind für Hacker ein lukratives Ziel.

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BerlinKrankenakte, Notfalldaten, verordnete Medikamente: Die neue elektronische Gesundheitskarte soll in den nächsten Jahren zu einem wichtigen Datenträger im Gesundheitswesen in Deutschland werden. Ob Herzprobleme, Diabetes oder Depressionen – schon jetzt werden Diagnosen bei Ärzten, Kassen und Krankenhäusern digital gespeichert. Fallakten werden angelegt und Labordaten über IT-Systeme übertragen. Dadurch werden Arztbesuch und Behandlung im Krankenhaus effizienter, Therapien können besser koordiniert werden. Doch es lauern Gefahren: Cyberkriminelle haben es zunehmend auf die sensiblen Informationen abgesehen.

So warnte die US-Bundespolizei FBI unlängst alle Dienstleister im amerikanischen Gesundheitssektor, sich besser gegen Attacken aus dem Netz zu schützen. Anlass war ein Angriff auf eine der größten Klinikketten des Landes. Chinesischen Hackern war es gelungen, in das Netzwerk der Community Health Systems Inc einzudringen und die persönlichen Daten von 4,5 Millionen Patienten zu erbeuten. Die Gesundheitsbranche stelle ein attraktives Ziel dar, weil sich mit dem Verkauf großer Datenmengen gehörig Profit machen lasse, sagt Dave Kennedy, Gründer des Unternehmens Trusted SEC, das sich der Sicherheit von Informationssystemen verschrieben hat. Das US-Gesundheitswesen biete dafür leicht zu überwindende Einfallstore.

Bosco Lehr vom Institut für E-Health und Management im Gesundheitswesen an der Fachhochschule Flensburg kann für Deutschland allerdings beruhigen. Mit den Gesundheitsdaten einzelner Personen lasse sich hierzulande viel weniger anfangen als etwa in den USA. Dort hat sich inzwischen eine Art Schwarzmarkt für gestohlene Patientendaten gebildet, wozu neben Namen und Geburtsdaten auch Versicherungsnummern bis hin zu Diagnosecodes und Rechnungsinformationen zählen. Betrüger können damit ID-Cards erstellen, die etwa zum Kauf von Medikamenten oder medizinischen Geräten unter falschem Namen ermächtigen und sich weiterverkaufen lassen. Oftmals erfahren die Nutzer vom Identitätsdiebstahl erst, wenn bei ihnen hohe Rechnungen auflaufen oder gar der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht, wie das renommierte Ponemon Forschungsinstitut zu berichten weiß.

In Deutschland ist dies so nicht möglich. Anders als in den USA etwa kann ein Betrüger mit den Gesundheitsdaten von Patienten nicht einfach auf Shopping-Tour gehen, weil die Bankverbindung auf der Gesundheitskarte etwa nicht gespeichert ist. Auch ist es fast unmöglich, sich mit den falschen Daten eine Behandlung zu erschleichen. In den Vereinigten Staaten hingegen ist der Diebstahl von Gesundheitsdaten einzelner Bürger dagegen zuweilen mehr wert als der Klau einer Kreditkarte.

In Deutschland sind Daten von einzelnen Personen für Kriminelle allenfalls dann attraktiv, wenn es sich um Prominente handelt. Der Versuch, an die Patientenakte des siebenmaligen Formel-1-Rennfahrers Michael Schumacher zu gelangen, verdeutlicht dies, auch wenn es sich hierbei nicht um Angreifer aus dem Netz handelte.

Vor allem dürfte es hierzulande für Kriminelle interessant sein, eine Masse von Daten zu erbeuten, die sich etwa zu Marketingzwecken auswerten lassen. „Der eventuelle kriminelle Nutzen aus der Entwendung von Daten steigt proportional mit der Datenmenge“, erläutert Lehr.

Nicht auszuschließen ist, dass Cyberkriminelle damit drohen könnten, geklaute Daten zu veröffentlichen. „Die Gefahr des Diebstahls etwa von Patientendaten gibt es schon ewig, etwa um Krankenhäuser damit zu erpressen. Vor solchen Versuchen ist niemand gefeit“, sagt der für IT zuständige Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Jan Neuhaus.

Sicherheit nicht zum Nulltarif

Elf Anzeichen, dass Sie gehackt wurden
Hand in Hand oder gegeneinander? Windows und Linux auf einem PC
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Software installiert sich selbstständig

Ungewollte und unerwartete Installationsprozesse, die aus dem Nichts starten, sind ein starkes Anzeichen dafür, dass das System gehackt wurde. In den frühen Tagen der Malware waren die meisten Programme einfache Computerviren, die die "seriösen" Anwendungen veränderten - einfach um sich besser verstecken zu können. Heutzutage kommt Malware meist in Form von Trojanern und Würmern daher, die sich wie jede x-beliebige Software mittels einer Installationsroutine auf dem Rechner platziert. Häufig kommen sie "Huckepack" mit sauberen Programmen - also besser immer fleißig Lizenzvereinbarungen lesen, bevor eine Installation gestartet wird. In den meisten dieser Texte, die niemand liest, wird haarklein aufgeführt, welche Programme wie mitkommen.

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Was zu tun ist: Es gibt eine Menge kostenlose Programme, die alle installierten Applikationen auflisten und sie verwalten. Ein Windows-Beispiel ist Autoruns, das zudem aufzeigt, welche Software beim Systemstart mit geladen wird. Das ist gerade in Bezug auf Schadprogramme äußerst aussagekräftig - aber auch kompliziert, weil nicht jeder Anwender weiß, welche der Programme notwendig und sinnvoll und welche überflüssig und schädlich sind. Hier hilft eine Suche im Web weiter - oder die Deaktivierung von Software, die sich nicht zuordnen lässt. Wird das Programm doch benötigt, wird Ihnen das System das schon mitteilen…

Die Computermaus wird 40
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Die Maus arbeitet, ohne dass Sie sie benutzen

Springt der Mauszeiger wie wild über den Bildschirm und trifft dabei Auswahlen oder vollführt andere Aktionen, für deren Ausführung im Normalfall geklickt werden müsste, ist der Computer definitiv gehackt worden. Mauszeiger bewegen sich durchaus schon einmal von selbst, wenn es Hardware-Probleme gibt. Klick-Aktionen jedoch sind nur mit menschlichem Handeln zu erklären.

Stellen Sie sich das so vor: Der Hacker bricht in einen Computer ein und verhält sich erst einmal ruhig. Nachts dann, wenn der Besitzer mutmaßlich schläft (der Rechner aber noch eingeschaltet ist), wird er aktiv und beginnt, das System auszuspionieren - dabei nutzt er dann auch den Mauszeiger.

Illustration Cyberkriminalität
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Was zu tun ist: Wenn Ihr Rechner des Nachts von selbst "zum Leben erwacht", nehmen Sie sich kurz Zeit, um zu schauen, was die Eindringlinge in Ihrem System treiben. Passen Sie nur auf, dass keine wichtigen Daten kopiert oder Überweisungen in Ihrem Namen getätigt werden. Am besten einige Fotos vom Bildschirm machen (mit der Digitalkamera oder dem Smartphone), um das Eindringen zu dokumentieren. Anschließend können Sie den Computer ausschalten - trennen Sie die Netzverbindung (wenn vorhanden, Router deaktivieren) und rufen Sie die Profis. Denn nun brauchen Sie wirklich fremde Hilfe.

Anschließend nutzen Sie einen anderen (sauberen!) Rechner, um alle Login-Informationen und Passwörter zu ändern. Prüfen Sie Ihr Bankkonto - investieren Sie am besten in einen Dienst, der Ihr Konto in der folgenden Zeit überwacht und Sie über alle Transaktionen auf dem Laufenden hält. Um das unterwanderte System zu säubern, bleibt als einzige Möglichkeit die komplette Neuinstallation. Ist Ihnen bereits finanzieller Schaden entstanden, sollten IT-Forensiker vorher eine vollständige Kopie aller Festplatten machen. Sie selbst sollten die Strafverfolgungsbehörden einschalten und Anzeige erstatten. Die Festplattenkopien werden Sie benötigen, um den Schaden belegen zu können.

Illustration Cyberkriminalität
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Online-Passwörter ändern sich plötzlich

Wenn eines oder mehrere Ihrer Online-Passwörter sich von einem auf den anderen Moment ändern, ist entweder das gesamte System oder zumindest der betroffene Online-Dienst kompromittiert. Für gewöhnlich hat der Anwender zuvor auf eine authentisch anmutende Phishing-Mail geantwortet, die ihn um die Erneuerung seines Passworts für einen bestimmten Online-Dienst gebeten hat. Dem nachgekommen, wundert sich der Nutzer wenig überraschend, dass sein Passwort nochmals geändert wurde und später, dass in seinem Namen Einkäufe getätigt, beleidigenden Postings abgesetzt, Profile gelöscht oder Verträge abgeschlossen werden.

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Was zu tun ist: Sobald die Gefahr besteht, dass mit Ihren Daten handfest Schindluder getrieben wird, informieren Sie unverzüglich alle Kontakte über den kompromittierten Account. Danach kontaktieren Sie den betroffenen Online-Dienst und melden die Kompromittierung. Die meisten Services kennen derartige Vorfälle zu Genüge und helfen Ihnen mit einem neuen Passwort, das Konto schnell wieder unter die eigene Kontrolle zu bekommen. Einige Dienste haben diesen Vorgang bereits automatisiert. Wenige bieten sogar einen klickbaren Button "Mein Freund wurde gehackt!" an, über den Dritte diesen Prozess für Sie anstoßen können. Das ist insofern hilfreich, als Ihre Kontakte oft von der Unterwanderung Ihres Kontos wissen, bevor Sie selbst etwas davon mitbekommen.

Werden die gestohlenen Anmeldedaten auch auf anderen Plattformen genutzt, sollten sie dort natürlich schnellstmöglich geändert werden. Und seien Sie beim nächsten Mal vorsichtiger! Es gibt kaum Fälle, in denen Web-Dienste E-Mails versenden, in denen die Login-Informationen abgefragt werden. Grundsätzlich ist es immer besser, ausschließlich Online-Dienste zu nutzen, die eine Zwei-Faktor-Authentifizierung verlangen - das macht es schwieriger, Daten zu entwenden.

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Gefälschte Antivirus-Meldungen

Fake-Warnmeldungen des Virenscanners gehören zu den sichersten Anzeichen dafür, dass das System kompromittiert wurde. Vielen Anwendern ist nicht bewusst, dass in dem Moment, wo eine derartige Meldung aufkommt, das Unheil bereits geschehen ist. Ein Klick auf "Nein" oder "Abbrechen", um den Fake-Virusscan aufzuhalten, genügt natürlich nicht - die Schadsoftware hat sich bestehende Sicherheitslücken bereits zunutze gemacht und ist ins System eingedrungen.

Bleibt die Frage: Warum löst die Malware diese "Viruswarnung" überhaupt aus? Ganz einfach: Der vorgebliche Prüfvorgang, der immer Unmengen an "Viren" auftut, wird als Lockmittel für den Kauf eines Produkts eingesetzt. Wer auf den dargestellten Link klickt, gelangt auf eine professionell anmutende Website, die mit positiven Kundenbewertungen und Empfehlungen zugepflastert ist. Dort werden Kreditkartennummer und andere Rechnungsdaten abgefragt - und immer noch viel zu viele Nutzer fallen auf diese Masche herein und geben ihre Identität freiwillig an die Kriminellen ab, ohne etwas davon zu merken.

Nicht zuletzt Versicherungen oder Arbeitgeber könnten Interesse an den Gesundheitsdaten ihrer Kunden oder Mitarbeiter haben. Gewöhnlich werde ein Arbeitgeber ja nie über die genaue Krankheit eines Mitarbeiters informiert, merkt der Internet-Experte David Fickeisen vom Portal „kliniken.de“ an. Allerdings müssten sich die Unternehmen dazu auf einem Schwarzmarkt bedienen, was sie gewöhnlich abschrecken dürfte.

Eine Gefahr besteht laut Fickeisen auch darin, dass Cyberkriminelle Daten im Kliniksystem vertauschen oder manipulieren, woraus am Ende eine falsche Medikation oder Therapie resultieren könne. DKG-Experte Neuhaus weiß um solche Gefahren. Jeder Arzt sei letztlich gefordert, vor einer Behandlung die Plausibilität der Angaben zu prüfen. Zudem lägen die meisten Unterlagen nach wie vor in Papierform vor.

Experten sehen aber keinen Grund für Hysterie. „In Deutschland sind die Sicherheitsanforderungen im internationalen Vergleich besonders hoch, etwa in Form von Verschlüsselungen und Schutzanforderungen an die Server“, sagt Lehr. Daten würden in gut gesicherten Rechenzentren gespeichert, die meist bei den Kliniken selbst angesiedelt seien. „Vor allem aber nehmen sie keinen Weg über das Ausland“, unterstreicht der Flensburger Professor.

Ein Sprecher von Deutschlands größter Klinikkette Helios betont, bei ihnen existierten „hausindividuelle Sicherheitskonzepte mit mehrstufigen Sicherheitskontrollen“. Das Netzwerk verbinde die einzelnen Standorte über verschlüsselte Leitungen und biete einen geschützten Übergang ins Internet.

Und Neuhaus betont, die DKG empfehle als Dachverband den mehr als 2000 Kliniken, sich an einen Leitfaden der Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern zum Schutz der Informationssysteme im Krankenhaus zu halten. Die dort beschriebenen Vorkehrungen böten ein Schutzniveau über das unbedingt Notwendige hinaus. Die Krankenhaussysteme seien zudem meist in sich geschlossen und nicht direkt mit dem Internet verbunden.

Neuhaus gibt allerdings zu bedenken, dass den Krankenhäusern Geld für Investitionen fehle, da die Bundesländer ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkämen. „Sicherheit im Gesundheitswesen gibt es nicht zum Nulltarif“, betont auch Lehr. Aus seiner Sicht sollte der Datenschutz „ganz oben in der Führungsstruktur eines Krankenhauses verankert“ sein. Auch in der Ausbildung von Ärzten und Pflegekräften müsse der sensible Umgang mit Patientendaten eine wichtige Rolle spielen.

Die Bundesregierung möchte die Telematik im Gesundheitswesen weiter ausbauen, um so die Versorgung von Patienten zu verbessern. Minister Hermann Gröhe hat dazu noch für dieses Jahr einen Gesetzentwurf angekündigt. Damit will er auch die Gesundheitskarte voranbringen. Der Datenschutz werde dabei groß geschrieben, betont eine Sprecherin. Bei der Chipkarte ist vorgesehen, dass der Zugriff wie bei der Bankkarte mit einer PIN geschützt ist. Der Arzt besitzt nochmal einen zweiten PIN-Code, um auf die Daten zugreifen zu können. Nur für den Notfall soll es Ausnahmen geben.

Sicherheit und Datenschutz im Netz sind auch Thema des IT-Gipfels der Bundesregierung in der kommenden Woche in Hamburg. Experten warnen davor, trotz aller Sorgen und Einwände die Digitalisierung von Gesundheitsdaten zu verteufeln. Der Nutzen der Speicherung von Informationen für Patienten und Gesundheitseinrichtungen sei „weitaus größer als die eventuelle Unsicherheit“, betont Lehr.

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