Cyberkriminalität
Tagesgeschäft Spionage

Die jüngsten Angriffe chinesischer Hacker auf Computer des US-Verteidigungsministeriums sowie Regierungsrechner in Großbritannien werfen ein Schlaglicht auf die wachsenden Gefahren im Internet. Die Schäden für Gesellschaft und Unternehmen sind immens. Und während das Problem noch immer unterschätzt wird, entwickelt die Cyberkriminalität ständig neue Facetten.

FRANKFURT/BERLIN/LONDON. Das Schreiben der Erpresser war deutlich. 15 000 Dollar verlangten sie, sonst würden sie die Seite des Wettbetreibers im August lahmlegen. Doch der zahlte nicht, und flugs war die Seite einen Tag „offline“ – ein Schaden in Millionenhöhe. Die Attacke ist kein Einzelfall. Vor kurzem musste die Online-Jobbörse Monster beichten, dass Hacker unzählige Profile von Jobsuchenden geklaut hatten. „Die Bedrohung der Unternehmen durch Hacker nimmt zu. Vor allem der deutsche Mittelstand ist betroffen, aber auch bei den Konzernen steigt das Bedrohungspotenzial“, sagt Hakan Özbek, IT-Forensiker und Manager der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PwC).

Allein in Deutschland stieg die Zahl der Internetstraftaten nach den amtlichen Polizeistatistiken im vergangenen Jahr um 27 Prozent. Wie hoch der Schaden ist, weiß allerdings niemand genau. „Da die Dunkelziffer der Vorfälle wesentlich höher ist als alle gemeldeten Daten, ist der Schaden kaum zu schätzen. Wir gehen aber alleine für den deutschen Markt von mehreren Milliarden Euro aus“, sagt Özbek. US-Regierungsberaterin Valeria McNiven vermutet, dass die Einnahmen durch organisierte Angriffe via Computernetz mittlerweile höher sind als die des weltweiten Drogenhandels.

Dabei entwickelt die Cyberkriminalität ständig neue Facetten. Hatten IT-Manager bislang alle Hände voll zu tun mit Viren und Trojanern (heimlich installierten Schnüffelprogrammen), ist spätestens seit der Attacke auf Monster klar, dass auch Online-Erpressung ein Thema ist. Insider der Szene schätzen, dass Online-Erpressungen seit Herbst vergangenen Jahres stark zugenommen haben. Betroffen seien vor allem im Internet aktive Wechselstuben, Dienstleister für Geldverkehr sowie Anbieter von Pferde- und Hundewetten, heißt es.

Eine andere Variante ist die klassische Spionage. Vor allem innovative deutsche Unternehmen, etwa aus der Wind- und Solarenergie-Branche, sowie Hersteller von Designmarken müssen sich verstärkt gegen die Ausspähung ihrer sensiblen Geschäftsdaten zur Wehr setzen. „Betroffen sind grundsätzlich alle Unternehmen, bei denen es um neue Entwicklungen geht“, sagt Özbek.

Ein anderes Szenario betrifft die Fertigung. „Die Kommunikations- und Produktionswelt wachsen zusammen. Immer mehr Fertigungsbereiche werden vernetzt. Damit steigt mit Blick auf Hackerangriffe das Gefahrenpotenzial“, berichtet Wolfgang Straßer, Geschäftsführer des auf Risikomanagement spezialisierten IT-Beraters @-yet GmbH. „Schon die heute durchaus übliche Wartung von Maschinen per Laptop ist ein Gefahrenherd. Es muss nur ein Computervirus auf dem Laptop des Servicemitarbeiters sein“, sagt er. Er kenne Beispiele, wo eine Hacker-Attacke oder ein Virus (Malware) eine große Produktionsanlage längere Zeit außer Gefecht gesetzt habe.

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