Cyberkriminelle immer aktiver
Höchste Vorsicht ist geboten

Haben früher zumeist jugendliche Hacker das Internet unsicher gemacht, geht heute der Trend zu immer mehr organisierter Kriminalität. „Was früher der Postkutschenüberfall war, ist heute das Phishing“, warnt der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Udo Helmbrecht.

HB BONN. „Der Mensch wird nicht besser; die Kriminalität geht da hin, wo das Geld zu verdienen ist“, sagte Helmbrecht vergangene Woche in Bonn beim 10. Deutschen IT-Sicherheitskongress. Die Entwicklung zeigt sich im neuen Zweijahresbericht des BSI zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland. 80 Prozent der Bundesbürger haben demnach bereits unliebsame Bekanntschaft mit Computer-Schädlingen gemacht, die sie sich durch verseuchte E-Mails, manipulierte Web-Seiten, Instant Messaging oder auf anderen Wegen eingefangen haben.

Zwar sei das Sicherheitsbewusstsein gewachsen, erklärte BSI-Experte Günther Ennen: Die Verwendung von Virenschutzprogrammen auf privaten PCs stieg von 76 Prozent im Jahr 2004 auf inzwischen 90 Prozent, der von Firewalls von 46 Prozent auf 56 Prozent. Doch auch die Bedrohung sei raffinierter und professioneller geworden. Standen früher Computerviren im Vordergrund, die sich durch Störungen im Betrieb des Rechners meist schnell bemerkbar machten, stellt dem Bericht zufolge heute das so genannte Trojanische Pferd die größte Bedrohung dar.

Trojaner drängen Computerviren in Hintergrund

55,6 Prozent der im Jahr 2006 im Informationsverbund des Bundes registrierten Schadprogramme waren dem Bericht zufolge Trojaner, nur noch 9,9 Prozent Viren. Diese Trojaner seien „heute die aggressivsten Schadprogramme“, sagte Ennen. Sie würden zunehmend auch in private Rechner eingeschleust, spähten dort Passwörter oder Dateiinhalte aus. Neu entdeckte Schwachstellen in weit verbreiteten Programmen wie Internet-Browsern oder Büro-Anwendungen würden mitunter schon am Tag des Bekanntwerdens auch tatsächlich ausgebeutet.

Die Programmierung werde immer besser, sagte Ennen. Moderne Trojaner sind modular aufgebaut. Sie werden so von Virenschutzprogrammen nur noch schwer erkannt und sind darauf angelegt, möglichst lang unentdeckt auf dem Rechner zu arbeiten. Sie laden bei Bedarf zusätzliche Programmteile aus dem Internet und können unter Umständen den Wirtsrechner vollständig kontrollieren. Solche „Zombie-Rechner“ werden dann in so genannten Bot-Netzen verwendet, um ohne Wissen des Besitzers zum Beispiel breit angelegte Phishing-Attacken zu starten, mit denen Cyberkriminelle versuchen, auf Online-Banking zuzugreifen.

Auch gezielte Spionage wird dem Bericht zufolge zusehends häufiger: Gerade auch kleine und mittlere Firmen sind nach Angaben des BSI das Ziel. Wertvolles Firmenwissen werde ausgespäht. Selbst Erpressungsfälle seien bereits aktenkundig: Täter hätten gedroht, gestohlene Informationen an die Konkurrenz zu verkaufen oder zu veröffentlichen.

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