Darüber spricht das Netz
Google greift das Fernsehen an

Eine anstehende Kooperation zwischen Google und Showgigant Simon Fuller bereitet TV-Managern schlaflose Nächte. Erobert Google nun auch den Fernsehmarkt? Auch Internetforscher und die Musikbranche waren in dieser Woche Mittelpunkt von Diskussionen in den internationalen Blogs. "Darüber spricht das Netz" - jeden Freitag bei "Handelsblatt.com".

Ein Deal, der die Medienbranche nachhaltig erschüttern könnte, bahnt sich an. Nach Informationen der britischen Tageszeitung "Guardian" verhandelt Internetmulti Google mit Entertainment-Guru Simon Fuller über ein Internet-TV-Joint-Venture. Fuller entdeckte Madonna, managte die Spice Girls und erfand die weltweit erfolgreiche "Idol"-TV-Show, die in Deutschland als "Deutschland sucht den Superstar" läuft. Quellen aus dem Umfeld Fullers werden mit den Worten zitiert, es gehe um eine "globale Idee", die "Fernsehen so sehr verändern wird, wie iTunes das Musikgeschäft geändert hat." Nähere Details sind leider noch nicht bekannt, doch wenn Fuller für Google eine neue Show konzipieren sollte, die weltweit exklusiv auf den Google-Internetseiten gezeigt wird, könnte das in der Tat die absolute Nagelprobe für das Thema Bewegtbild im Internet und seine Vermarktungs-Chancen sein. Bereits jetzt ist Internet-Fernsehen in der Form von YouTube & Co. populär, doch eigens für das Internet hergestellte Shows, Serien und Filme richten sich fast ausschließlich an kleine Zielgruppen. Eine globale Fuller-Show könnte hingegen viele Millionen von Zuschauern in geringster Zeit erreichen. Das Horrorszenario für Fernsehsender aus aller Welt würde damit wahr: Die Haupt-Konkurrenz wäre nicht mehr der Sender, der nebenan auf der Fernbedienung einprogrammiert ist, sondern Google mit seinen Milliarden Nutzern.

Internet-Links

» Der "Guardian"-Artikel im Original

» "last100" analysiert den eventuellen Deal und blickt auf Googles TV-Pläne

» Das "ZDNet"-Blog "Between the Lines" hat ein Gespräch zwischen Google-Gründer Sergey Brin und Simon Fuller belauscht. Vorsicht Satire!

Die britische Band Radiohead sorgt erneut für Schlagzeilen im Netz. Diesmal geht es aber nicht direkt um die Musikbranche, die die Band mit dem Netzverkauf des neuen Albums "In Rainbows" aushebelte, sondern um die Branche der Medienanalysten. Was war passiert? Die US-Internetforscher von Comscore hatten Zahlen veröffentlicht, laut denen 62 % der Radiohead-Album-Downloader keinen Cent dafür bezahlt hätten und die restlichen 38 % im Durchschnitt lediglich 6 Dollar. Die Comscore-Nachricht breitete sich in Windeseile durch die Blogs in aller Welt aus, ohne dass jemand mal nachdachte, ob Comscore denn überhaupt solche genaue Zahlen haben könnte. Die Kritik besorgte schließlich das Management der Band, das die Zahlen in das Reich der Fabeln platzierte. Anhand dieses Beispiels wird ein Grundproblem der gegenwärtigen Internetforschung klar. Zwar wäre das Netz theoretisch das Medium, dessen Nutzerzahlen perfekt und eindeutig gemessen werden könnten, doch so lang nur wenige gemeinsame Standards existieren, gibt es eben nur Zahlen von Anbietern wie Comscore oder Nielsen, um alle Websites miteinander zu vergleichen. Im Radiohead-Beispiel hatte Comscore ein paar Hundert Nutzer seines Panels auf die angeblichen 1,2 Mio. Radiohead-Besucher hochgerechnet. Dass eine solche Methode gerade dann, wenn es nicht nur um den Besuch einer Website, sondern auch noch darum geht, wie viel Dollar dort für ein Musikprodukt bezahlt wurde, nicht die Wahrheit abbilden kann, liegt auf der Hand. Auch wenn das Internet längst zum Massenmedium geworden ist, steckt die Internetforschung immer noch in den Kinderschuhen.

Internet-Links

» Comscores Pressemitteilung zu den Radiohead-Zahlen

» Die Reaktion des Radiohead-Managements

» "ars technica": "Radiohead controversy shows limits of knowledge in an Information Age"

» Ebenfalls lesenswert: "Why Are Radiohead?s Sales Figures So Important?" im Blog "State of Mind of The Art"

» Comscores Verteidigung im eigenen Unternehmensblog

In der Musikindustrie dreht sich eine der großen Diskussionen derzeit um die so genannten "360-Deals". Gemeint sind damit Verträge, bei denen sich Künstler komplett an ein Unternehmen binden und nicht mehr ihre Tonträger beim Einen vermarkten lassen, Konzerte vom Anderen und Merchandiseprodukte von einem Dritten. Aktuelles Beispiel eines solchen Deals war der Multi-Millionen-Vertrag, den Madonna mit Live Nation abgeschlossen hat. Die "New York Times" hat die Konsequenzen solcher Verträge für die Zukunft der Branche sehr lesenswert und anschaulich dargestellt. Ein Fazit: Die Deals sind ein Schlag ins Gesicht neuer Künstler, denn gerade bei den Newcomern kommt es für die Firmen darauf an, langen Atem zu beweisen, auch wenn nicht gleich Hits entstehen. Sollten künftig aber verstärkt "360-Deals" abgeschlossen werden, würden die neuen Künstler für die Industrie zunehmend unattraktiv, da sich solche Geschäfte nur mit Weltstars lohnen.

Internet-Links

» Der "New York Times"-Artikel "The New Deal: Band as Brand"

» Musikblog "Idolator" zeigt sich skeptisch

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