Darüber spricht das Netz
Richter tritt Datenschutz mit Füßen

Absurdes Gerichtsurteil in den USA: YouTube muss Millionen von Nutzerdaten an Viacom übergeben. Adobe sorgt unterdessen für eine Revolution: Erstmals können Flash-Dateien von Suchmaschinen indiziert werden. Und in Belgien machen sich die Zeitungsverleger weiter lächerlich. "Darüber spricht das Netz" - jeden Freitag bei "Handelsblatt.com".
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Es ist kaum zu glauben, was ein New Yorker Bezirksgericht dieser Tage entschieden hat: In einem Zivilrechts-Streit zwischen YouTube und dem Medienmulti Viacom muss Googles Video-Tochter nun die komplette Datenbank mit Logfiles an Viacom übergeben. Darin enthalten: IP-Adressen und gegebenenfalls Login-Namen der YouTube-Nutzer, welche Videos sie wann angeschaut haben und weitere Infos. Offiziell will Viacom mit den 12 Terabyte an Daten zwar nicht gegen Nutzer vorgehen, sondern nur beweisen, dass urheberrechtsgeschützte Videos bei YouTube populärer sind als User-Generated Content. Dennoch ist es befremdlich, solche privaten Daten in die Hände eines Unterhaltungskonzerns zu geben. Hintergrund des Streits: Viacom fordert von YouTube/Google einen gigantischen Schadensersatz wegen zahlreicher Urheberrechtsverstöße auf der Video-Plattform. Absurderweise wollte Viacom sogar erreichen, dass Google den Sourcecode seiner Suchmaschine herausrücken muss - immerhin das hat der 81-jährige Richter aber nicht zugelassen.

Internet-Links

Berichterstattung bei ars technica

"Judge Stanton is a moron" - Kommentar bei TechCrunch

Standpunkt der Electronic Frontier Foundation

Eintrag inklusive Viacom-Aussagen im Machinist-Blog

Weitere Links bei netzpolitik.org

Diese Meldung könnte für eine kleine Revolution im Netz sorgen: Erstmals werden künftig Flash-Dateien von Suchmaschinen komplett durchsuchbar sein. Bisher war das nicht möglich, viele Websitebetreiber verzichteten daher auf den Einsatz von Flash für ihre Inhalte. Flash-Entwickler Adobe hat nun eine Methode entwickelt, mit der Suchmaschinen Texte, Links und andere Informationen in den Flash-Dateien aufspüren können. Dabei setzen die Suchmaschinenbetreiber ein kleines Tool ein, das so tut als sei es ein Nutzer, der sich die Flash-Datei anschaut und dabei alle Text-Inhalte aufspürt. Google setzt die Methode nach eigenen Angaben ab sofort bereits ein, Yahoo folgt in Kürze. Damit wird ein großes Flash-Problem endlich beseitigt und der Einsatz der Technologie auf Websites könnte deutlich ansteigen.

Internet-Links

TechCrunch erklärt das neue Verfahren

Adobes offizielle Mitteilung

Fragen und Antworten in Googles Webmaster Central Blog

Eintrag bei netzwertig.com

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