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Das Handy als mobiler Geldbeutel - Steiniger Weg zum Mobile Payment

Von Mareike Enderle, dpa =

Von Mareike Enderle, dpa =

dpa BONN/AUGSBURG. Mobile Bezahlverfahren haben es hier zu Lande noch immer schwer. Ihr Nutzen ist oft auf bestimmte Kundengruppen oder feste Kaufszenarien beschränkt.

Nun hat auch der Mobilfunkriese T-Mobile zum Ende März seine elektronische Geldbörse, die Mobile Wallet, eingestellt. Damit sich mobiles Bezahlen etwa im Stil der EC-Karte etablieren kann, müsste das Handy auf breiter Basis einsetzbar sein, sind sich die Experten sicher. Führende Vertreter aus Bankwirtschaft, Mobilfunkindustrie und Wirtschaftsministerium arbeiten jetzt an einer gemeinsamen Lösung.

„Bezahlmöglichkeiten mit dem Handy werden von den meisten Anwendern noch immer ignoriert“, bestätigt auch Key Pousttchi, Wirtschaftsinformatiker der Universität Augsburg. Bisher ziehen die Deutschen gewohnte Verfahren, wie EC-Karte, Überweisung und Lastschriftverfahren vor. Die funktionieren sowohl an der Supermarktkasse, als auch im Internet, Parkhaus oder Restaurant. Das Handy dagegen lässt sich dazu nur in Ausnahmefällen einsetzen, beispielsweise beim Ticketverkauf für öffentliche Verkehrsmittel.

Dies erklärt auch das Scheitern der Mobile Wallet. „Die elektronische Geldbörse konnte sich nicht in der breiten Masse durchsetzen“, sagt Husam Azrak von T-Mobile in Bonn. Dabei ist die Bereitschaft bei den Bundesbürgern durchaus vorhanden: Eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums ergab im Herbst vergangenen Jahres, dass knapp die Hälfte der Deutschen mit dem Handy bezahlen würde.

Eine Arbeitsgruppe des Augsburger Wissenschaftlers Pousttchi hat ein neues Modell dafür entwickelt, wie das Handy zum universellen Bezahl-Instrument werden kann. Dabei soll der Zugriff auf das eigene Bankkonto ebenso möglich sein wie das Bezahlen von Kleinstbeträgen per SMS, das Lösen von Parktickets oder der Kauf von Zigaretten am Automaten.

„Die Mobilfunkteilnehmer brauchen einen bequemen Weg, mit ihrem Handy zu bezahlen“, sagt auch Jim Wadsworth, Marketing-Chef von Simpay in London. Das Gemeinschaftsunternehmen der großen Mobilfunkanbieter - in dem unter anderem Orange, Vodafone, T-Mobile und Telefónica Móviles vertreten sind - steht nach vielen Ankündigungen mit einer eigenen Lösung am Start.

Grenzüberschreitend und unabhängig vom nationalen Mobilfunkanbieter und individuellen Vertragsmodell soll das Verfahren funktionieren: Ein Belgischer Mobilfunknutzer, der etwas von einem Händler in Spanien kaufen möchte, kann durch eine einfache Transaktion mit Hilfe eines Klick auf den Simpay-Button der mobilen Webseite den Kauf durchführen - der Betrag wird über die Handyrechnung beglichen.

„Ziel von Simpay ist es, eine ähnliche Bezahlstruktur wie bei der Kreditkarte zu erreichen“, sagt Azrak. Das Unternehmen hat seinen Dienst auf der Mobilfunkmesse 3gsm in Cannes für Mitte 2005 in Spanien, Großbritannien und Belgien angekündigt. Eine Einführung in Deutschland sei allerdings nicht vor 2006 zu erwarten: „Es gibt auf dem deutschen Markt rechtliche Hindernisse, die vor dem Start geklärt werden müssen“, sagt Wadsworth.

Das Problem ist bekannt: Für das Handling größerer Beträge ist hier zu Lande eine Banklizenz notwendig - über die Telefonrechnung dürfen nur Telekommunikationsdienstleistungen im Bereich geringer Beträge abgewickelt werden. Telekom-Unternehmen, Banken und Händler sind bei der Abrechnung der Beträge aufeinander angewiesen und müssen zusammenarbeiten.

Ein Roundtable des Wirtschaftsministeriums will Bankenverbände und Mobilfunkunternehmen zur konkreten Initiative bewegen. „Besonders für die Banken ist das Thema von strategischer Bedeutung und der Zeitpunkt für den Einstieg günstig“, sagt Pousttchi, der den Gesprächskreis leitet. Werde die Chance jetzt verpasst, könnten die Mobilfunkanbieter mit Simpay versuchen, allein einen Weg zu finden.

„Der Weg ist eine Kooperation“, sagt auch Sven Siering, M-Payment Experte der Postbank in Bonn. Mit am Roundtable sitzt daher auch der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) als Sprachrohr der Spitzenverbände der deutschen Kreditwirtschaft. Zwei Treffen haben bereits stattgefunden, im April setzt die Runde ihre Zusammenarbeit fort. Bis Ende September sollen die Banken konkrete Entscheidungen treffen. Etwa zwei Jahre müsse man der Entwicklung jedoch noch geben, bevor der Verbraucher auf mobile Bezahlverfahren zugreifen kann, schätzt Siering.

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