Dateiformate
Das Tempo-Taschentuch der Textverarbeitung

Der Kampf um die Vorherrschaft der textverarbeitenden Büroprogramme geht in seine letzte Runde. Voraussichtlich am Mittwoch wird das ISO-Institut bekannt geben, ob Microsofts Dateiformat OOXML zum weltweiten Standard wird. Verliert der Konzern, droht er bei Firmen und Regierungsstellen ausgemustert zu werden. Das Ende einer beispiellosen Schlammschlacht.

DÜSSELDORF/ BERLIN. Berlin, 20. März, 15:00 Uhr: Die Zähler des Computer-Abstimmungssystems des Deutschen Instituts für Normung (DIN) stehen bei 0-1-0. Null für "korrekt gelaufen", eine Stimme für "unkorrekt", noch keine Enthaltung. Es gilt zu entscheiden, ob es Fehler gab bei einem weltweiten Verfahren zur Anerkennung eines Datenformats des Softwareriesen Microsoft.

Eigentlich hat Deutschland mit "Ja" gestimmt. Sprich: Die Bundesrepublik befürwortet, dass Microsofts Dateiformat OOXML (Office Open Extended Markup Language) zum weltweiten ISO-Standard wird. Und der ist entscheidend für die Zukunft seines Büroprogramms "Office 2007". Hätte es aber Verfahrensfehler gegeben, hätte sich Deutschland beim weltweiten Votum am vergangenen Wochenende noch anders entscheiden können. Es ist ein Wirtschaftskrimi im farblosen Reich der Technokraten, eine Schlacht um Milliarden von Dollar und um die Vorherrschaft im Internet. Heute wird ISO bekanntgeben, wie die globale Abstimmung ausgegangen ist. Das Ergebnis wird jeder von uns zu spüren bekommen.

Dabei muss man wissen, dass Standards und Normen gewaltige Macht besitzen - selbst wenn sie nicht von einer formalen Instanz installiert wurden, sondern durch die Verbraucher: Wer im Web sucht, geht auf Google; digitale Musik wird auf dem iPod gehört; und wer auf dem PC einen Text abspeichert, wählt das ".doc"-Format von Microsoft. Es ist das Tempo-Tuch der Textverarbeitung.

Das Doc-Format gehört Microsoft. Ein Software-Programm darf diese Formatierung nur laden oder speichern, wenn der Hersteller eine Lizenz von Microsoft besitzt. "Was so etwas bedeutet, werden viele erst verstehen, wenn sie die Hälfte der Dokumente im Internet nicht mehr öffnen dürfen, ohne das richtige Programm zu haben", sagt Peter Ganten vom Linux-Verband. Linux steht auf der Seite von Open Source. Dieses "richtige Programm" ist oft genug "Word für Windows" Ein bombensicheres Geschäftsmodell, besonders wenn man, wie Office, bis zu 90 Prozent Marktanteil hat.

Doch dann kam ODF (Open Document Format): Ein freier Standard, an dem niemand irgendwelche Rechte oder Patente hält, die eine Nutzung beschränken könnten. ODF ist Open Source, jeder darf damit machen, was er will. Von der ISO-Organisation abgesegnet, gibt es Unternehmen, Behörden und Organisationen die Macht über ihre Dokumente wieder - und das gefällt immer mehr der Großkunden.

Seite 1:

Das Tempo-Taschentuch der Textverarbeitung

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%