Datenklau
Wikileaks wird zum Magneten für brisante Informationen

Konspirative Treffen in Cafés oder Tiefgaragen gehören der Vergangenheit an. Stattdessen stellt der moderne Datendieb heute seine Beute anonym ins Internet – und profitiert dabei vom Informantenschutz. Wikileaks dient dabei als eine Art digitaler Briefkasten.
  • 2

Vorbei die Zeiten der nächtlichen Treffen in Tiefgaragen, der konspirativen Aktentaschen, die heimlich unter Kaffeetischen den Besitzer wechseln. Keine Tonbandprotokolle mehr, für die Empfänger sorgsam deponiert in einsamen Bahnhofsschließfächern. Die Spionagewelt des 20. Jahrhundert existiert nur noch in den Büchern von Kriminalromanautoren wie John le Carré. Die Wirklichkeit im Cyberspace kennt keine Spionageromantik – und die Hemmschwellen im anonymen Netz für Informanten, „Whistleblower“ genannt, sinkt.

Informationsbeschaffung und/oder -Diebstahl finden bevorzugt online statt, in den schwer kontrollierbaren Welten des Internets. Hier hat sich Wikileaks als zentrale Macht etabliert. Könnte so der Medienkonzern der Zukunft aussehen? Klar ist jedenfalls, dass Wikileaks ein Magnet für brisante digitale Informationen ist. Wikileaks selbst recherchiert zwar keine Nachrichten im klassischen Sinne. Es ist nur eine Art Angebot, ein digitaler Briefkasten für alle, die etwas veröffentlicht wissen wollen – aus welchen Gründen auch immer.

Die Helfer, Experten, Journalisten und Dokumentare hinter Wikileaks bleiben unerkannt. Wie Geschäftsführer Julian Assange Anfang 2010 berichtete, gibt es nur eine Handvoll fester und ein paar Hundert freie Mitarbeiter, die alle ehrenamtlich arbeiten. Die Organisation lebt eher recht als schlecht von Spenden. Die Mitarbeiter verifizieren Dokumente, prüfen ihre Plausibilität, checken Fakten und verwischen Spuren, die auf Informanten hinweisen könnten. Assange selbst ist heute auf der Flucht.

Außerdem versucht Wikileaks, so gut wie möglich Unschuldige oder Unbeteiligte unkenntlich zu machen. Das gesichtete Material wird veröffentlicht. Stand das Material früher nur auf der eigenen Webseite zur gefälligen Bedienung für alle, ist Wikileaks inzwischen Kooperationen mit renommierten Medien wie dem „Spiegel“ in Deutschland oder der „New York Times“ in den USA eingegangen. Diese Medien bekommen das Rohmaterial unter bestimmten Bedingungen vorab zur Prüfung und Veröffentlichung. Anders als in einem „konzertierten Gewaltakt“ wäre eine Masse von zuletzt fast 250 000 Dokumenten auch gar nicht zu sichten, heißt es bei den Beteiligten.

Seite 1:

Wikileaks wird zum Magneten für brisante Informationen

Seite 2:

Kommentare zu " Datenklau: Wikileaks wird zum Magneten für brisante Informationen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Gerne werden unter Misachtung von Datenschutzrichtlinien und Gesetzen illegal erworbene Daten dazu verwendet ( wie z.b. Datensätze von banken ) um Steuereinnahmen zu erhöhen und, zurecht, Kriminelle zur Rächenschaft zu ziehen. Ungern werden die gleichen moralischen Maßstäbe angelegt, wenn es um eigene Verfehlungen geht. Man kann nur hoffen, daß, da die Mauer des Schweigens immer öfter durchbrochen wird, sich die Einsicht durchsetzt, wenigstens von Seiten der Staaten, sich weniger über Veröffentlichungen aufzuregen, als erst möglichst keine Verfehlungen vorwerfen lassen zu müssen.

  • Endlich müssen die zittern, die das Wort Wahrheit nicht mehr kennen.
    Wer integer agiert, hat damit kein Problem. Politik und Wirtschaft werden nun hoffentlich wieder auf einen geraden Weg gezwungen.
    Datenschutz bekommt auch auf dieser Ebene eine Dimension, die bisher vernachlässigt wurde. Wohl dem, der seine Daten noch im eigenen Hause unter eigener Kontrolle halten kann. Ausgelagerte Systeme bei preisgünstigen Dienstleistern sind nun einmal nicht kontrollierbar - aber eben preisgünstig mit Freifahrschein zu Wikileaks. Cloud-Lösungen stehen da mit an erster Stelle.
    Sollte Wikileaks -wie auch immer- mundtot gemacht werden, werden sich andere noch agressivere Lösungen aufbauen.
    Die Lösung ist also nicht die beseitigung von Wikileaks, sondern die Rückkehr zu seriösem Handeln.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%