Datenschutz
Facebook-Apps spähen unerlaubt Nutzerdaten aus

Wer Facebook-Anwendungen nutzt, hat unter Umständen seinen Accountnamen an Werbetreibende verraten. Durch ein Datenschutzproblem ist es Anwendungen möglich, die ID an Werbenetzwerke und Datensammler zu übertragen. Betroffen sind unter anderem die Top 10 der beliebtesten Facebook-Apps. Auch das beliebte Spiel Farmville ist betroffen.
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BERLIN. Facebook-Apps übertragen unter Umständen mit Referrer-URLs die eindeutige ID eines Facebook-Nutzers. Das berichtet das Wall Street Journal. In einigen Fällen wird die ID des Nutzers sogar mit Profilen in Werbenetzwerken verknüpft. Da die ID in den meisten Fällen ausreicht, um die Identität eines Nutzers herauszufinden, ergibt sich hier ein schwerwiegendes Datenschutzproblem.

Das Problem liegt bei Facebook-Apps, die über den Referrer, den der Browser übermittelt, die ID eines Nutzers an andere übertragen. Facebook erlaubt das eigentlich nicht, dennoch passiert das in vielen Fällen, so das Wall Street Journal. Facebook hat selbst IDs in der Vergangenheit an Werbefirmen übermittelt. Wer eine Werbung anklickte, übertrug dem Werbenden unter Umständen seine ID. Mittlerweile soll das Facebook nicht mehr tun.

Auch Zyngas Farmville betroffen

Das Problem betrifft den Großteil der Nutzer. Das Wall Street Journal beruft sich dabei auf Zahlen von Facebook, nach denen 70 Prozent der Nutzer Facebook-Apps verwenden. Alle zehn Top-Apps sollen die eindeutigen IDs an andere übertragen haben, darunter auch das populäre Farmville. Verschiedene Anwendungen hat das Journal untersucht und kam zu dem Schluss, dass mindestens 25 Werbefirmen und Datensammler Facebook-IDs von den verschiedenen Anwendungen bekommen haben.

Der Artikel des Wall Street Journals hat Auswirkungen. Facebook hat bereits einige Anwendungen gesperrt, nachdem das soziale Netzwerk von der Zeitung auf die Problematik aufmerksam gemacht wurde. Außerdem wurde mit einem Eintrag im Entwicklerblog reagiert. Facebook betont, dass die Übertragung einer Nutzer-ID nicht im Sinne der eigenen Regeln ist und glaubt, dass Anwendungsentwickler die ID größtenteils nicht mit Absicht übertragen haben. Vielmehr ist den Entwicklern nicht bewusst, wie Browser arbeiten.

Facebook reagiert

Facebook versucht zu beschwichtigen. Die Verteilung der Facebook-ID könne nicht dafür genutzt werden, private Daten zu erspähen. Dabei vergisst die Firma jedoch, dass viele Nutzer Probleme mit den Privatsphäreneinstellungen haben.

Rapleaf hat mittlerweile reagiert und will Referrer zukünftig nicht mehr nutzen. Die Firma arbeitet mit Anwendungsentwicklern und Werbetreibenden zusammen und unterbindet mittlerweile die Übertragung von eindeutigen Facebook-IDs an Werbefirmen.

Häufig Probleme

Probleme mit Anwendungen, wie sie das Wall Street Journal beschreibt, kommen immer wieder vor. Das soziale Netzwerk fällt durch Anwendungen auf, die nichts Gutes im Sinn haben. Das liegt auch an der Offenheit von Facebook. Außerdem sind sich Anwender oft nicht bewusst, was Facebook-Anwendungen im Kontext eines Nutzers sehen und tun können.

In jüngster Vergangenheit ist Facebook durch ein Spamproblem aufgefallen. Eine Spamanwendung hatte sogar die Möglichkeit, im Namen anderer persönliche Nachrichten zu verschicken. Immer wieder sieht sich Facebook gezwungen, den unzureichenden Datenschutz weiter zu verbessern. Erst vor wenigen Tagen hat Facebook die Kontrolle über das eigene Profil verbessert.

Das hilft allerdings nur zum Teil. Ein weiteres kürzlich bekanntgewordenes Datenschutzproblem betrifft vor allem Nutzer, die gar nicht erst bei Facebook angemeldet sind. Die Kenntnis einer E-Mail-Adresse genügt.

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