Datensicherheit
So löschen Sie schlauer als Mappus

Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus soll unzulässig eine Festplatte geschreddert haben. Nun wollen Ermittler die Daten wiederherstellen. Den Ärger hätte er sich sparen können. Wie Sie Daten sicher löschen.
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DüsseldorfStefan Mappus ist kein EDV-Experte. Seinen Anwälten zufolge ließ er nach seiner Abwahl als Ministerpräsident von Baden-Württemberg im März 2011 die Festplatte seines Arbeitscomputers im Staatsministerium ausbauen und schreddern. Ermittler wollen die Daten jetzt wieder herstellen.

Wäre Mappus anders vorgegangen, die Ermittler hätten keine Chance. Denn Datenvernichtung ist keine Aktenvernichtung. Die scheinbare physische Vernichtung einer Festplatte macht eine Wiederherstellung der darauf gespeicherten Daten zwar aufwendig aber nicht unmöglich. Deutlich sicherer ist es, Daten entweder von vorne herein mit einem geheimen Schlüssel zu verschlüsseln oder eine Festplatte schlicht per Software mit Nullen zu überschreiben.

Die einfache Lösch-Routine des Betriebssystems – egal ob Windows, Mac OS X, Linux oder ein anderes System – reicht dabei nicht. Entsprechende Bereiche der Festplatte werden zunächst nur als gelöscht markiert. Was alles noch an angeblich gelöschten Daten leicht wiederherstellbar ist, können Sie selbst mit entsprechenden Tools feststellen. Gratis-Programme zur Datenrettung sind beispielsweise Recuva, PC Inspector Smart Recovery, DataRecovery oder Pandora Recovery. Gehen Sie aber davon aus, dass professionelle Datenretter deutlich mehr Daten rekonstruieren können – und zwar auch aus heftig beschädigten Festplatten.

Das Formatieren der gesamten Festplatte ist ebenso keine sichere Methode. Daher gibt es spezielle Programme, welche die entsprechenden Stellen der Festplatte meist mehrfach mit Nullen überschreiben.

Allerdings reicht es auch, die Daten nur einmal mit Nullen zu überschreiben, damit sie wirklich unwiederbringlich verloren sind. Das liegt an dem magnetischen Speicherverfahren der Platten. Die Informationen in Form von null und eins sind magnetisch gespeichert. Entsprechend ist eine Festplatte voller Nullen für einen Datenretter wertlos, denn es gibt keine Möglichkeit den magnetischen Vorzustand wiederherzustellen. Mit der heute noch verbreiteten Legende, dass es sinnvoll sei, Daten zur Löschung mehrfach mit Nullen zu überschreiben, räumte der Forensikexperte Craig Wright in einer Studie 2009 auf. Noch heute empfiehlt allerdings das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik eine sechsmalige Überschreibung der Daten. Dabei werden jeweils die Bitmuster des vorherigen Durchgangs umgekehrt.

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So löschen Sie schlauer als Mappus

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Wie viele Nullen dürfen's denn sein?

Kommentare zu " Datensicherheit: So löschen Sie schlauer als Mappus"

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  • Richtig: Demokratie ist, wenn die Führer abgewählt werden können. Schon Karl Popper genügte dieses als Kennzeichen einer Demokratie. Leider können wir keine Volksverter abwählen. Selbst nach Zeitablauf der Legeslaturperiode ist das schwierig, denn sie werden ja als Paket von Parteien mit sicheren Listenplätzen den Wählern wieder vorgesetzt. Es ist zu realisieren: wir haben keine wirksame Wahl durch das Volk sondern eine Parteiendiktatur.

  • Hallo,
    ich habe keine Ahnung vom Innenleben eines PCs, will es auch nicht wissen, aber mir hat ein Seniorfreak gesagt, das einzig sichere wäre; Ausbau der Festplatte und eine intensive Bearbeitung mit dem Hammer. Danach liefe nichts mehr mit Rekonstruieren - von wem auch immer.

  • @Deutschland_Gutbuergerland
    Gut so. Vor dem Staat muß man sich fürchten. Deshalb gibt es Demokratie! Nämlich, um die 'Führer' abzuwählen.

    Mehr Angst vor dem Staat haben aber Griechen. Sie vermeiden Steuern, um den Staat klein zu halten und die US-Amerikaner. Sie erlauben private Waffen, um sich im Zweifel gegen den eigenen Staat zu wehren. Das ist kein Witz, sondern die verfassungsmäßige Rechtfertigung.

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