Der gläserne User
Albtraum für die Datenschützer

Die Möglichkeiten des Datenmissbrauchs scheinen unerschöpflich: „Ein Arbeitgeber muss nur ein wenig googeln und stößt so schnell auf Informationen über Bewerber“, warnt der die Hacker-Vereinigung Chaos Computer Club. Zeit dieser Sorglosigkeit entgegenzusteuern.

SAN FRANCISCO/DÜSSELDORF. Markus Neckar weilt an seinem Arbeitsplatz in einer Berliner Multimediaagentur. Das verrät der neue Dienst Plazes. Wer bei ihm einbrechen möchte, findet über Google sogar den Weg zu seiner Wohnung in Bildern beschrieben. Alle weiteren Kontaktdaten enthält das Business-Netzwerk Open BC. Gut, den Einbruch in die Wohnung hätte man auch während des Türkeiurlaubs erledigen können, aus dem Neckar gerade zurückgekehrt ist, wie er in seinem Weblog schreibt. Fotos davon finden sich in der Bilddatenbank Flickr, wo zu sehen ist, womit er sonst seine Freizeit verbringt.

„Ich bin immer noch Herr über meine Daten, ich entscheide, welche ich preisgebe“, sagt Neckar – und schiebt selbstkritisch nach: „Natürlich ist das Internet auch ein Spielplatz. Mit beruflichen Informationen gehe ich selbstverständlich anders darin um als mit privaten.“ Der Berliner gehört zu jenen Web-2.0-Extremnutzern, die sich nicht viel scheren um den Datenschutz. Diese Sorglosigkeit zeigt sich in Amerika weit stärker als in Deutschland, denn viele der neuen Internetdienste sind noch nicht in Europa gelandet.

So können Interessierte in den USA auf Hot-maps.frozenbear.com herausfinden, welche Singles in der Nähe wohnen, die sich beim Datingdienst Hotornot angemeldet haben. Die zur News Corp. gehörende Seite Myspace, die es Teenagern erlaubt, Fotos, Videos und Tagebücher online zu veröffentlichen, ist bereits in die Schlagzeilen geraten, weil zwei inzwischen festgenommene Männer den Dienst angeblich nutzten, um minderjährige Mädchen zu kontaktieren. Seither ist Myspace mit seinen 55 Millionen registrierten Nutzern ein Symbol für die Gefahren von Web 2.0 geworden – und hat sich kürzlich einen Datensicherheitsvorstand zugelegt.

„Vielen Leuten ist nicht bewusst, wie sehr sie ihre Daten öffentlich machen. Ein Arbeitgeber muss nur ein wenig googeln und stößt so schnell auf Informationen über Bewerber. Das ist ein Albtraum für den Datenschutz“, heißt es bei der Hacker-Vereinigung Chaos Computer Club.

Die Möglichkeiten des Datenmissbrauchs scheinen unerschöpflich. Im Januar erhielt Riya 15 Millionen Dollar Risikokapital, um seine Bilderkennungssoftware weiterzuentwickeln. Bilder im Internet gleicht Riya mit Datenbanken ab und macht Vorschläge, was – oder wer – auf einem Bild zu sehen ist. Wer einen wildfremden Menschen heimlich fotografiert, könnte also dessen Namen herausfinden. „Wir konzentrieren uns im Moment auf Nordamerika. Wenn wir unseren Dienst in Europa anbieten, werden wir uns mit Datenschutzexperten und -fürsprechern beraten“, wischt Riyas Marketing-Chefin Tara Hunt Bedenken zur Seite. „Man muss den Leuten klar machen, was sie da tun. Viele dieser Anbieter erläutern zwar Dinge in ihren AGB – aber die wenigsten Nutzer lesen diese“, warnt deshalb der Chaos Computer Club.

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