Der Trend Podcasting verunsichert die Musikindustrie
Private Radiomacher nutzen das Internet

Freunde des Rudersports, die auch zwischendurch über ihr Hobby auf dem Laufenden sein wollen, haben seit Kurzem einen zusätzlichen Informationskanal zur Verfügung. Einzige Voraussetzung: Sie müssen den Apple iPod oder einen anderen tragbaren MP3-Player besitzen. "Rowing-Radio" heißt der neue Service für Ruderer, der seit Anfang des Jahres einmal pro Woche aktuelle Wettkampfergebnisse, Neuigkeiten und Interviews per Internet als MP3-Datei zum Download in den Player anbietet. Dort kann die Sendung dann zu jeder Zeit und an jedem Ort angehört werden.

Betrieben wird die private Radiostation von Oliver Palme, der auch für die Website www.rudern1.de verantwortlich ist. "Rowing-Radio ist weltweit der erste Podcast zu diesem Sport und wird zunächst nur in Deutsch angeboten", sagt der Diplom-Sportwissenschaftler und freie Journalist aus dem hessischen Gießen. Ene englischsprachige Vision sei bereits ein Vorbereitung. Dann solle auch das Laden der Sprachdateien automatisch über einen so genannten RSS-Feed (Really Simple Syndication) möglich sein.

So wie Palme produzieren weltweit immer mehr Menschen ihre eigene Radioshow. Podcasting - der Begriff setzt sich aus den Worten iPod und Broadcasting zusammen - begeistert vor allem die wachsende Blogger-Szene, die bisher mit ihren privaten Online-Tagebüchern (Weblogs) nur reinen Lesestoff oder Bilder liefern konnte. "Man muss nicht anhören, was gerade über den Äther kommt, sondern sucht sich das aus, was man gut findet, und kann es zu jeder beliebigen Zeit hören", nennt Nicolas Oestreich den Unterschied zu herkömmlichen Radiosendungen. Der Berliner beschäftigt sich seit letztem Herbst mit dem Thema und betreibt mit www.ipodcast.de das am längsten bestehende Webportal in diesem Umfeld. Dort gibt es auch ein Verzeichnis der deutschsprachigen Audioblogs. "Die Podcast-Szene ist hier zu Lande noch recht überschaubar. In Deutschland kommt dieses Medium gerade erst auf", urteilt der Experte.

Dafür ist das Angebot an frei verfügbaren Audiodateien schon erstaunlich breit: Es reicht von Hörspielen und Bücherlesungen über Nachrichten zu bestimmten Interessengebieten bis hin zu fast professionell produzierten Radioshows mit Musik, Diskussionsrunden und Interviews. Spezielle Audioblog-Programme wie der kostenlose "iPodder" durchsuchen regelmäßig die abonnierten Kanäle und laden daraus automatisch die neuesten Dateien auf den Rechner oder direkt in das tragbare Abspielgerät. "Podcasting ist so etwas wie Radio in den Briefkasten", sagt die Lübeckerin Nicole Simon, die ihr selbstproduziertes Audiomagazin "Impulse der Ideengeberin" nennt.

Durch "Weblogs für die Ohren" den Bekanntheitsgrad steigern

Auch immer mehr DJs und Musikgruppen sehen die "Weblogs für die Ohren" als kostengünstigen und unkomplizierten Weg zur Steigerung ihres Bekanntheitsgrades. Zwar stört die kostenlose Verbreitung von Musikstücken unbekannter Bands nicht weiter. Doch spätestestens wenn die Podcaster in ihren Programmen Stücke von urheberrechtlich geschützten CDs gezielt verbreiten, ruft das ziemlich schnell die Musikindustrie auf den Plan. Deren Anwälte kämpfen bereits mit den Webradios um die Tantiemen für gesendete Songs, die bisher von den Zuhörern ohne Copyright-Verletzung digital mitgeschnitten werden können. Auch die Anbieter von Hörbüchern und große Radiosender sehen die bevorstehende Podcasting-Welle mit gemischten Gefühlen und fürchten um ihr Geschäft.

Dass es auch anders geht, beweist die börsennotierte US-Firma Audible Inc.. Das seit Dezember auch in Deutschland vertretene Unternehmen hat auf seinem Server bereits über 50 000 Stunden Audioinhalte gespeichert und vertreibt gegen Gebühr Hörbücher, gesprochene Zeitungen, Radioinhalte und ausgewählte TV-Formate als MP3-Dateien über das Internet. Darunter auch professionell aufbereitete Audioausgaben von "Handelsblatt" und "Die Zeit". "Für Autoren und Verlage eröffnet Audible einen zusätzlichen Vertriebskanal", ist Geschäftsführer Arik Meyer überzeugt. Die bevorstehende Podcasting-Welle bereite diesem Geschäftsmodell - ähnlich wie die Internet-Tauschbörsen für die Musikindustrie - langfristig den Boden.

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