Deutsche Welle veranstaltet Wettbewerb
Weltbestes Weblog gesucht

Online-Tagebücher, so genannte „Blogs", werden immer beliebter. Der Auslandsrundfunk "Deutsche Welle" kürt mit Unterstützung von Handelsblatt.com nun zum dritten Mal die besten von ihnen. Wer gewinnt, ist völlig offen - denn jedes Blog ist einzigartig.

DÜSSELDORF. Viagra sollte sie dem Großvater besorgen, eine ganze Flasche voll aus der Apotheke. Aus Rache kippte die Hausfrau Mirta Bertotti dem altersschwachen Herrn zwei der Potenzpillen in den Frühstückskaffee. Es sollte ein wildes Ende nehmen. Solche Erlebnisse erzählt Mirta auf ihrem spanischsprachigen Blog „mujergorda.bitacoras.com“. Die Hausfrau ist jedoch nur eine erdachte Figur – in Wahrheit schrieb der Argentinier Hernán Casciari dieses Weblog.

Und Casciaris fiktives Tagebuch sollte berühmt werden. Es wurde 2005 von der Deutschen Welle zum weltbesten Weblog gekührt. Seit drei Jahren organisiert der öffentliche Auslandsrundfunk bereits die Auszeichnung „The Best of Blogs" (BOB). „Ich war total überrascht“, sagte Casciari in einem Interview mit „dw-world.de“, dem Onlineportal der Deutschen Welle. „Ich hätte nicht gedacht, dass die Jury ein Weblog auswählt, das so 'unmodern' daherkommt.“

Blogs – Kurzform für „Weblog", abgeleitet von den Worten „web" (Netz) und „log" (Tagebuch) – sind online geführte Bücher, die vom Autor regelmäßig aktualisiert werden, so wie Mirtas Geschichte ständig weiter gestrickt wurde. Viele Autoren führen so ein eigenes Tagebuch, oder kommentieren aktuelle Ereignisse und fachsimpeln über wissenschaftliche Themen. Bis zum 30. September 2006 kann jeder auf der Seite „thebobs.com" erneut sein Lieblings-Blog für den Wettbewerb vorschlagen – ganz gleich, womit es sich beschäftigt. Danach können neben der Jury auch die Nutzer über das beste Blog abstimmen.

Immer mehr, immer vielfältiger

Zu den nomierten Seiten zählt etwa „graildiary.blog.de", auf der Blogger die neusten Nachrichten über die Suche nach dem Heiligen Gral veröffentlichen – eine Plattform, die sich selbst nicht ganz ernst nimmt. Andere erzählen von persönlichen Schicksalen, die Autorin von „myblog.de/alzheimer" schildert beispielsweise, wie sie die Alzheimererkrankung ihrer Mutter erlebt. Sie kritisiert die Darstellung der Krankheit in TV-Serien und berichtet von eigenen Hoch- und Tiefpunkten. Manche Seiten geben auch praktische Tipps, auf der englischsprachigen Seite „houseblogs.net" etwa tauschen Heimwerker ihre Erfahrungen aus.

Durch die zunehmende Zahl der Internetnutzer und der immer leichteren Bedienbarkeit erlebten Blogs in den vergangenen Jahren einen wahren Boom: Wie die Internetseite „blogherald.com" berichtet, gibt es mittlerweile rund vier Millionen Blogs in Japan, drei Millionen in Frankreich, anderthalb Millionen in Spanien und 280 000 Blogs in Deutschland. „Solche Zahlen sind aber mit Vorsicht zu genießen", sagt Gabriel González, der den Wettbewerb für die Deutsche Welle organisiert. Viele Blogs werden nicht weiter geschrieben, aber in der Statistik vermerkt. Andere wiederum erfreuen sich einer immer größeren Fangemeinde. Zu den populären deutschsprachigen Seiten zählt „bildblog.de", auf der die Fehler der Bildzeitung dokumentiert werden, und das Videoblog „ehrensenf.de", das täglich Internet-Themen ironisch unter die Lupe nimmt.

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