Deutscher Breitbandmarkt
DSL-Anbieter nehmen Mund zu voll

Die Verbreitung schneller Breitband-Datenverbindungen nimmt derzeit in kaum einem europäischen Land so rasch zu wie in Deutschland. Jedoch bekommen die DSL-Kunden hierzulande nicht immer das geboten, was die bunten Anzeigenkampagnen versprechen. Ein bundesweiter Geschwindigkeitstest hat gezeigt, dass DSL-Verbindungen teils bis zu 64 Prozent langsamer sind als beworben.

HB BERLIN. Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze erklärte am Montag in Berlin, die von der EU-Kommission veröffentlichten Daten zum Breitbandmarkt zeigen nicht nur, dass der Regulierungsrahmen gut funktioniere, sondern auch, dass die Wettbewerbsintensität auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt sehr hoch sei. Zwischen Juli 2006 und Juli 2007 habe es rund 4,8 Millionen neue Anschlüsse gegeben. In anderen großen EU-Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Spanien oder Italien sei der Zuwachs deutlich geringer ausgefallen.

DSL-Anschlüsse sind dabei häufig aber nur halb so schnell wie vom Anbieter „verkauft“, so das Ergebnis eines Geschwindigkeitstests der Computerzeitschrift Computerbild (aktuelle Ausgabe). Für den bundesweiten Geschwindigkeitsvergleich wertete Computerbild seit Anfang Januar 20 Millionen Messungen aus und erstellte eine Geschwindigkeits-Rangliste der am meisten verbreiteten Anbieter in den 50 größten Städten Deutschlands. Messlatte war dabei die vom DSL-Anbieter für den jeweiligen Anschluss beworbene Geschwindigkeit (DSL 2000, DSL 6000 oder DSL 16000).

Besonders langsames Internet müssen laut Computerbild Freiburg (50 Prozent der beworbenen Bandbreite) im äußersten Südwesten der Republik und überdurchschnittlich viele Städte in den neuen Ländern hinnehmen. Extremes Beispiel: Anbieter „Alice“ versorgt seine DSL-6000-Kunden in Dresden im Schnitt mit 2654 kbps, bietet aber in Saarbrücken mit 5382 kbps die doppelte Bandbreite. Als Faustregel gilt dem Magazin zufolge: Je höher die gebuchte DSL-Bandbreite (etwa DSL 16000) ist, desto stärker weicht die tatsächliche Geschwindigkeit ab. Spitzenreiter im bundesweiten Vergleich der Computerbild sind Kaiserslautern (82 Prozent), Remscheid (78 Prozent) und Essen (77 Prozent). Insgesamt lieferten die Kabelanbieter (Kabel Deutschland, Unity Media und Kabel BW) das schnellste Internet.

DSL-Kunden können trotz zu geringem Internettempo in der Regel ihren Anschluss aber nicht kündigen. Denn die Anbieter garantieren in ihren Geschäftsbedingungen nur einen Bruchteil der beworbenen Geschwindigkeit: So haben DSL-16000-Kunden bei der Telekom und bei Arcor nur ein Anrecht auf rund 6000 kbps, bei Alice sind 4448 kbps garantiert, und Anbieter Freenet sichert lediglich 384 kbps zu.

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