Deutsches Videoportal
RTL exportiert Clipfish in neue Länder

Vergangenen August hatte die RTL Group das deutsche Videoportal Clipfish als Konkurrenz zum amerikanischen Marktführer Youtube gegründet. Die RTL-Tochter erlebt seitdem einen Boom und die Mutter plant, Clipfish auch in anderen europäischen Ländern zu gründen.

DÜSSELDORF. „Wir diskutieren noch, ob wir das unter dem Namen Clipfish machen oder in den jeweiligen Ländern eigene Marken gründen“, sagte ein Beteiligter dem Handelsblatt. Der Prüfungsprozess für die Expansion läuft auf Hochtouren. „Wir prüfen bei allen Internetaktivitäten grundsätzlich internationale Expansionsmöglichkeiten – so auch bei Clipfish“, sagte Sushel Bijganath, Geschäftsführer von Clipfish, in Köln.

Europas größter Fernsehkonzern hatte im vergangenen August das Videoportal als Konkurrenz zum amerikanischen Marktführer Youtube in Deutschland gegründet. Die RTL-Tochter erlebt seitdem einen Boom. Nach Unternehmensangaben zählt das Videoportal bereits eine Viertel Millionen registrierte Nutzer. Täglich gibt es 6,5 Mill. Abrufe von Videos – Tendenz steigend.

Bei RTL und seinem Gesellschafter Bertelsmann genießt Clipfish höchste Aufmerksamkeit. Denn der Medienkonzern versucht verstärkt, Anschluss an das Internetzeitalter zu finden. RTL Deutschland baut derzeit Clipfish stark aus. Wie Unternehmensinsider berichten, soll in wenigen Tagen auch die RTL-Tochter Vox mit ihrer Erfolgssendung „Das perfekte Dinner“ jetzt einen eigenen Kanal bekommen. RTL ist bereits mit der Musiktalentshow „Deutschland sucht den Superstar“ und RTL 2 mit „Big Brother“ auf Clipfish vertreten.

Das Motiv für die europäische Expansion liegt auf der Hand. Die Werbemärkte wachsen nach den stürmischen neunziger Jahren nur noch bescheiden. Die RTL Group ist daher verstärkt auf Zusatzeinnahmen, wie sie etwa durch Geschäfte mit Videoportalen im Internet entstehen, angewiesen.

In Deutschland ist Clipfish allerdings nur auf Platz fünf. Nach einer am Donnerstag vorgestellten Marktstudie der Hamburger Internetberatung Fittkau & Maß ist das US-Portal Youtube der unangefochtene Marktführer. Der Medienkonzern Google hat das junge Internetunternehmen im vergangenen Jahr für die Rekordsumme von 1,65 Mrd. Dollar gekauft. Auf Platz zwei kommt Google Video. Den dritten Rang nimmt das Unternehmen Myvideo ein, an dem der Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 maßgeblich beteiligt ist. Die Münchener hatten im September vergangenen Jahres 30 Prozent an dem Videoportal erworben. „Myvideo ist wie unsere neuen Pay-TV-Angebote und das gerade gestartete Video-on-Demand-Portal Maxdome ein weiterer Schritt, mit dem wir unsere Präsenz in der digitalen Welt stärken“, sagte Vorstandschef Guillaume de Posch beim Kauf zur Begründung.

Die Videoportale ziehen nach Angaben von Fittkau & Maaß zu zwei Drittel Männer an. Der Großteil davon ist jünger als 30 Jahre und kommt aus allen Bildungsschichten. Derzeit surfen bereits 85 Prozent aller Internetnutzer per DSL durch das Netz. Bei der Untersuchung wurden rund 100 000 Nutzer befragt.

Für die Fernsehkonzerne gewinnt das Internet als Vertriebskanal zunehmend an Bedeutung. Gerhard Zeiler, Vorstandschef der RTL Group, wird nicht müde, von einer Bereicherung des Fernsehens durch das Internet zu sprechen. Denn dadurch könnten neue Fernsehformate mit neuen Zielgruppen entstehen. Angesichts des hohen Schuldenberges versucht Bertelsmann, eigene Marken aufzubauen statt teuer hinzukaufen. Deshalb kommt der europäischen Expansion von Clipfish eine hohe strategische Bedeutung zu.

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