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Deutschland drohen Millionen-Nachzahlungen für Galileo-Programm

Durch die Finanzierungslücke beim neuen europäischen Satellitensystem Galileo könnten auf Deutschland Nachzahlungen von mindestens 30 Mill. Euro zukommen.

dpa MÜNCHEN. Durch die Finanzierungslücke beim neuen europäischen Satellitensystem Galileo könnten auf Deutschland Nachzahlungen von mindestens 30 Mill. Euro zukommen.

Es bestehe ein weiterer Finanzbedarf in Höhe von 300 Mill. Euro für das Programm, sagte der Chef von Galileo Industries, Günter Stamerjohanns, am Dienstag auf der Computermesse Systems in München. Sollte keine Einigung erzielt werden, sei das gesamte Projekt bedroht. Galileo, das die Navigation zu Lande und zu Wasser erleichtert, soll zum Ende des Jahrzehnts voll funktionsfähig sein. Bis zum Jahr 2020 werde Galileo rund 150 000 Arbeitsplätze schaffen, kündigte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) an.

Mit Galileo wollen die Europäer dem US-Satelliten- Navigationssystem GPS Konkurrenz machen und Dienste, beispielsweise im Bereich der Verkehrsplanung und -überwachung, Landwirtschaft sowie Wetterbeobachtung, anbieten. Das Programm gilt mit seinen geplanten 30 Satelliten nach dem Airbus als Europas größtes Technologieprojekt.

Bei rund sechs Mrd. Euro Investitionskosten werde Galileo einen Gesamtertrag von rund 74 Mrd. Euro einbringen, sagte der stellvertretende DLR-Vorsitzende Bernd Höfer. Insbesondere nach Deutschland, das bei Galileo die Federführung innehat, flössen Finanzmittel in Höhe der Finanzierungsanteile zurück. Allein Bayern rechnet nach Angaben von Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) mit bis zu 15 000 Beschäftigten im Umfeld von Galileo.

Anfang Oktober hatte Galileo Industries als Generalunternehmer dem Auftraggeber für Galileo, der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa), ein Angebot über 1,2 Mrd. Euro für die Test- und Entwicklungsphase vorgelegt. „Die Esa geht aber davon aus, dass 900 Mill. Euro ausreichen“, sagte Stamerjohanns. Die Deckungslücke müssten je zur Hälfte die Europäische Union und die 15 Mitgliedsländer der Esa tragen.

Die beiden Rüstungs- und Luftfahrtkonzerne EADS und Boeing hatten sich kürzlich trotz des schwelenden Konflikts um Flugzeugsubventionen auf eine Zusammenarbeit bei der Satellitennavigation verständigt. Als erster Schritt soll ein Computermodell entwickelt werden, mit dem das gemeinsame Verhalten von Navigationssatelliten der Konkurrenzsysteme GPS und Galileo simuliert werden kann.

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