Deutschland entwickelt eigene Suchmaschine
Google profitiert vom Zwist der Europäer

Frankreich und Deutschland hatten einen Traum: Der Dominanz der übermächtigen Suchmaschine Google aus den USA sollte von Europa aus entgegengetreten werden. Das Projekt bekam den Namen "Quaero", lateinisch "ich suche". Mittlerweile gehen die Entwickler beider Länder wieder getrennte Wege.

DÜSSELDORF. Mehr als 400 Mill. Euro sollten für das Gegenstück zu Google von den beiden Regierungen und den beteiligten Firmen aus Deutschland und Frankreich investiert werden. Im April 2005 beschloss der deutsch-französische Ministerrat die Entwicklung, und noch ein Jahr später schwärmte Staatspräsident Jacques Chirac vom "großen deutsch-französischen Projekt". Doch im Dezember wurden die Pläne aufgrund einiger Differenzen beerdigt. Zwar wollen Deutsche und Franzosen nach wie vor neue Suchtechnologien erforschen, aber auf getrennten Wegen.

Während in Frankreich immer noch eine eher konventionelle Suchmaschine als Anti-Google entwickelt werden soll, möchten die Deutschen lieber völlig neue Technologien erforschen. Die deutsche Forschungsinitiative heißt inzwischen "Theseus".

"Das kam alles sehr plötzlich", kommentiert Grietje Bettin, medienpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, den Kurswechsel. Sie vermutet, dass die Neuausrichtung auch eine Folge des Regierungswechsels sei. Grundsätzlich sei es zwar sinnvoll, Alternativen zu Google zu fördern - Ergebnisse bei Theseus seien jedoch erst in drei bis fünf Jahren greifbar. "Hier besteht die Gefahr, dass man sich wieder à la Toll Collect verwurstelt."

Dass Handlungsbedarf besteht, ist unter Experten kaum umstritten: So sprechen die Analysten von Gartner von einem möglichen "Googazon", dem möglichen Zusammenschluss von Google und Amazon. Über einen solchen Online-Giganten würden 30 Prozent aller weltweiten Internet-Transaktionen ablaufen. Andere Experten warnen davor, dass sich aus Googles riesigen Datenbeständen detaillierte Profile von Internetnutzern gewinnen ließen - eine potenzielle Bedrohung für die Privatsphäre.

Auch Jörg Tauss, medienpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sieht die Gefahr einer US-Dominanz im Internet. Über das Ranking bei Suchergebnissen könnten europäische Web-Angebote theoretisch benachteiligt werden. "Es ist nicht auszuschließen, dass Europa irgendwann einfach weggegoogelt wird - sei es bei Produktangeboten oder in den Bereichen Kultur und Wissenschaft." Allerdings sei es auch nicht sinnvoll, mit Steuermitteln eine Google-Konkurrenz zu starten, da der US-Konzern über Finanzmittel in Milliardenhöhe verfüge.

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