"Die Menschen fühlen sich als Teil von etwas Größerem"
Der digitale Kandidat

In der Glide Community Church in San Francisco riecht es nach Blumenkohl und Bratenfett. Will Easton, 42, legt eine Tüte dampfende Pommes auf einen Plastikteller. Der Bauingenieur und seine Freunde verteilen Essen an Obdachlose. Sie machen Wahlkampf. "Howard Dean for President", steht auf ihren T-Shirts. Will ist begeistert: "Mit der Dean-Kampagne können wir unser Land verändern."

HB BURLINGTON. Jeder kann den Einsatz von Will Easton nachverfolgen - im Internet. Howard Dean, demokratischer Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, hat es geschafft, den Wettbewerb gegen seine acht Konkurrenten zum großen Online-Ereignis zu machen. In den meisten Umfragen liegt der 54-Jährige vorn. Und viele Experten räumen ihm gute Chancen ein, im November 2004 gegen George W. Bush anzutreten.

Deans Erfolgsformel ist so verblüffend wie einfach: seine Internetadresse. Hinter den Buchstaben www.deanforamerica.com verbirgt sich eine neue Form des digitalen Wahlkampfs. In jedem US-Bundesstaat hat Dean Stützpunkte mit freiwilligen Mitarbeitern, die sich per Computer abstimmen. Ob Flugblattaktionen im kalifornischen Calabasas oder Demonstrationen in New York: Eine kurze Nachricht per E-Mail genügt. Mehr als 450 000 vernetzte Dean-Anhänger gibt es mittlerweile. Und viele Gruppen haben im zentralen Internetportal ihre eigenen Links. Farbige, Senioren, Ärzte, Songschreiber oder Mormonen; Deans Cyberspace wird zum Kontaktforum für alle. Wer es etwas schräger mag, kann sogar die Web-Site "Haustiere für Dean" mit Fotos von Katzen und Hunden anklicken.

Dabei organisieren sich die Dean-Helfer weitgehend selbst. Plakate und kleine Broschüren laden sie per Mausklick herunter, der Rest ist Eigeninitiative. "Wir verschicken höchstens Briefmarken und Umschläge", sagt Pressesprecher Garrett Graff aus dem Wahlkampf-Hauptquartier in Burlington im Bundesstaat Vermont. Hier war Dean elf Jahre Gouverneur. In dem roten Backsteingebäude an der Farrell Street logiert der Stab des Bewerbers in einem Großraum-Büro: 120 Leute, die meisten zwischen Anfang 20 und Mitte 30, sitzen vor ihren Computern und surfen durch die große weite Welt der Kampagne.

Mathew Gross, 31, ist Chef der Internetabteilung.

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