Die neueste Werbeform im Internet
Web-Filmchen sollen endlich Geld einspielen

Fast zwei Millarden Dollar gab Google für das Videoportal Youtube aus. Jetzt soll sich der Kauf endlich rechnen. Das Unternehmen will mit Werbung versehene Videos im Netz verteilen und damit Geld verdienen. Das Konzept könnte videobasierten Firmengründungen der vergangenen Jahre helfen, zu überleben.

DÜSSELDORF. Lässig tritt Ryan Hayward vor die Kamera, das verknitterte Streifenhemd weit offen, hinter ihm eine Graffiti-besprühte rotweiße Wand. Sie liegt im Google-Komplex in Kalifornien und der Produktmanager von Googles Werbenetzwerk Adsense stellt in einem Online-Video ein „tolles neues Produkt“ namens „Video Units“ vor. Was das ist, zeigt das Filmchen: Am unteren Rand klappt ein halb-durchsichtiger Werbebalken ins Bild, über dem Video thront ein kleines Reklame-Banner.

Diese beiden Neuerungen wirken wie ein kleiner Schritt – aber damit beginnen oft große Dinge. Denn Video Units, in der Nacht zum Dienstag offiziell vorgestellt, ist Googles erster handfester Versuch, den 1,8 Mrd. Dollar teuren Kauf des Videoportals Youtube zu refinanzieren. Und es könnte videobasierten Firmengründungen der vergangenen Jahre helfen, zu überleben.

„Eine ansprechende Lösung“, lobt Sascha Jansen, Geschäftsführer des Online-Werbevermarkter Zed Digital das neue Modell: „Es überfordert nicht und stört auch nicht beim Konsum der Videos.“ Das Besondere an den Video Units ist dabei weniger die Tatsache, dass Youtube-Filme mit Werbung verbunden werden – sondern, dass sie über das gewaltige Adsense-Netz verteilt werden.

Bisher platziert die Google-Tochter vor allem Textanzeigen und Links auf fremden Seiten und denen des Mutterkonzerns. Für den Betreiber einer Seite ist es einfach, Adsense-Werbung als Einnahmequelle zu installieren. Es reicht die Anmeldung, dann erzeugt Adsense einen Programmcode, der in Sekunden der Seite beigefügt werden kann. Anschließend erscheint dort Werbung, die sich nach den Worten richtet, die auf der Seite auftauchen. Schreibt beispielsweise ein Wein-Liebhaber über seine Lieblingstropfen, liefert ihm Adsense Werbung von Online-Weinhändlern.

Entscheidend für die Platzierung der Werbung sind Schlüsselworte, die Anzeigenkunden buchen und selbst aussuchen. Also zum Beispiel „Bordeaux“ oder „Pinot Noir“ für den Weinhändler. Dieser bezahlt für jeden Klick auf seine Anzeige einen Betrag, besonders beliebte Schlüsselworte sind teurer. So kostet deutsche Anzeigenkunden das Wort „Wein“ derzeit 15 Cent pro Klick, „Bordeaux“ 40 Cent. Reich werden die Betreiber von Web-Seiten damit eher selten: Wer nicht einige zehntausend Leser täglich mitbringt, wird keine großen Einnahmen erzielen. 60 bis 80 Prozent der Adsense-Einnahmen, schätzt die Branche, gehen an den Seiten-Betreiber. Den Rest bekommt Google. Offizielle Zahlen über den Verteilschlüssel gibt es nicht.

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