Digitale Markierungen
Wasserzeichen im Kampf gegen Filmdiebe

"Harry Potter und der Feuerkelch" - schon wenige Tage nach dem Kinostart war der Filmhit im Netz zu finden.

DÜSSELDORF. Längst kein Einzelfall, denn nach einer Studie von Partners 4 Management (P4M) und der RWTH Aachen kursieren heutzutage 66 Prozent aller Kinofilme illegal im Internet - ein Drittel davon bereits vor dem offiziellen Kinostart. Zu 87 Prozent werden die Raubkopien einfach während der Kinovorführung von der Leinwand abgefilmt (Camcording). Die Übeltäter können dabei nur selten überführt werden.

Mit digitalen Wasserzeichen, wie sie das Fraunhofer für Integrierte Publikations- und Informationssysteme-Institut (IPSI) auf der Cebit gezeigt hat, soll sich dies ändern: Durch für den Zuschauer nicht wahrnehmbare, gezielte Einstreuungen von digitalen Mustern in Bild und Ton lassen sich Raubkopien später eindeutig identifizieren. Mit Hilfe dieser Wasserzeichen kann der Vorführort der vom Bildschirm abgefilmten oder aufgenommenen Raubkopien herausgefunden werden. Die Idee dahinter: Autofahrer werden bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung anhand ihres Kennzeichens identifiziert. So will man künftig auch Raubkopierern auf die Schliche kommen, die Medien unautorisiert weitergeben.

Das große Plus von digitalen Wasserzeichen ist, dass normale Nutzer mit derart markierten Medien alles tun können, was sie auch mit unmarkierten Medien tun können. Lediglich Missbrauch ist erkenn- und verfolgbar. Eine gekaufte und mit Wasserzeichen versehene DVD ist etwa im Auto genauso abspielbar, wie auf einem mobilen Player. Anders als bei den Kopierschutztechniken DRM (Digital Rights Management) oder Trusted Computing sind sie weiterhin ohne Einschränkung abspielbar oder kopierbar. Der Nachteil dieser Techniken: "Wenn hoch motivierte Raubkopierer angreifen, hat auch der ausgefeilteste Kopierschutz keine Chance", sagt Eberhard Becker, Mathematiker und Rektor der Universität Dortmund.

Technisch gesehen wird beim Wasserzeichen eine Art digitale Lochschablone über das Bild gelegt und mit Hilfe eines Computerprogramms aus einzelnen über das gesamte Bild verteilten Farbwerten ein Zahlencode gebildet. Dieser wird im digitalen Wasserzeichen versteckt im Bild abgelegt. Die Markierung ist durch ein Passwort geschützt. Die Bemühungen von Hackern und Raubkopierern, die Zeichen später zu "verwaschen", um eine Rückverfolgung zu erschweren, gehen ins Leere: "Beim digitalen Wasserzeichen kann man nie sicher sein, ob es tatsächlich herausgewaschen ist", so Michael Kip vom IPSI.

Besonderer Vorteil der digitalen Markierung: Automatisierte Suchprogramme ermöglichen ein ständiges Scannen des Webs. "Mit solchen Internet-Sheriffs werden wir dort nach illegalen Kopien und deren Quellen fahnden", so Johannes Klingsporn, Geschäftsführer des Verbandes der Filmverleiher (VdF). Er hat noch eine weitere Lösung in petto: so lange noch nicht alle Filmkopien mit Wasserzeichen versehen sind, lassen sich mit umgebauten Projektoren im Kino versteckte Signaturen auf die Leinwand projizieren, die später Auskunft über den Abspielort und Zeitpunkt geben. Dieses Verfahren funktioniert wie die digitalen Wasserzeichen genauso mit digitalen Medien wie mit analogen, so der VDF-Chef.

Da bei den deutschsprachigen Filmversionen auch der illegale Tonmitschnitt im Kino erfolgt, reicht es meist, die Tonspur mit einem Wasserzeichen zu versehen, so Kip. Das technische Prinzip ist ganz ähnlich wie bei den Bildern: Töne werden unhörbar verzerrt. Die Hörbuchverlage Libri und Soforthören rüsten bereits ihre Hörbücher damit aus. "Wir können absehen, dass es schon sehr bald möglich sein wird, derartige Verfahren in der Breite einzusetzen und damit die Aufklärungsquote illegaler Kopien weiter zu steigern", glaubt der Filmverleiher-Verbandschef Johannes Klingsporn. .

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