Digitale Projektions-Übertragungstechnik
Telekom liebäugelt mit deutschen Kinos

Die Telekom-Tochter T-Systems will alle deutschen Kinos mit digitaler Projektions-Übertragungstechnik ausrüsten. Eine Ausschreibung bei fünf großen Projektorherstellern findet bereits statt. Das bestätigte Stephan Rolly von T-Systems Business Services auf Anfrage des Handelsblatts. Ziel sei es, den Kinos die komplette Infrastruktur von der Installation bis zum Betrieb von Projektoren und Servern einschließlich der Datenübertragung anzubieten.

BERLIN. Thomas Negele, vom Branchenverband HDF Kino e.V. sieht diesen Vorstoß mit gemischten Gefühlen. "Die Telekom muss ihr Netz auslasten", sagt er, "solche Pläne sind nur legitim." Aber wie viele Kollegen fürchtet er, die Kontrolle über seine Kinos zu verlieren, wenn die digitale Filmlieferung vom Studio bis zum Vorführraum in der Hand eines Dritten liegt.

Er bleibt dennoch pragmatisch. Wie alle anderen Beteiligten wollen auch die Kinobesitzer die Vorteile der Digitalisierung bald nutzen: "Über Details müsse man halt reden, wenn es so weit ist - und wenn die wir damit Geld sparen können." Alleine eine einzige 35-mm-Film-Kopie kostet die Verleiher heute 1000 bis 1500 Euro,. Von diesem Einsparpotenzial würden die Kinobetreiber gerne einen Teil als Investitionszuschuss sehen. Die Verleiher argumentieren, sie würden in Zukunft die Filmmieten senken. Der HDF ist mit rund 650 Mitgliedern der größte deutsche Verband der Kinobetreiber und repräsentiert nach eigenen Angaben 3 500 von insgesamt rund 4900 Kinoleinwänden.

In der digitalen Realität hat sich bislang kaum etwas bewegt, seit Ende 2000 vor versammelter Hollywood Prominenz der Kinofilm "Bounce" digital in ein Kino am New Yorker Times Square übertragen und somit quasi offiziell das digitale Zeitalter eröffnet wurde. Für Negele und seine Kollegen besteht der Alltag immer noch aus zentnerschweren Filmrollen, die tagein, tagaus in die Vorführräume gewuchtet werden müssen. Laut einer Studie von Screen Digest und Goldmedia gab es Ende 2005, also fünf Jahre nach ?Bounce', gerade mal 849 digitale Kinosäle - weltweit.

Das Problem waren fehlende Übertragungs- und Sicherheitsstandards, sagt Negele. So haben erst Ende 2005 die wichtigsten Hollywood-Studios einen gemeinsamen Standard für Produktion und Vertrieb digitaler Kinofilme (der so genannte DCI-Standard) abgeschlossen. Bis dahin war der Kauf von Digital-Ausrüstungen wie ein Roulettespiel: Niemand wusste, ob die bis zu 100 000 Euro teure Technik morgen noch funktionieren würde.

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