Digitale Spielfeld
Elfmeterschießen am Handy

Forscher des Paderborner C-Lab verbinden das digitale Spielfeld mit der realen Welt. Der Ball wird nicht mit einer Tastenkombination oder dem Joystick ins Tor manövriert, sondern mit dem Fuß. Das Elfmeterschießen am Handy basiert auf einer neuen Form der Mensch-Technik-Interaktion.

PADERBORN. Elfmeterschießen am Handy, nichts einfacher als das. Mit dem Computerspiel, das Paderborner Forscher aus dem C-Lab entwickelt haben, wird der Ball nicht mit einer Tastenkombination oder dem Joystick ins Tor manövriert, sondern mit dem Fuß. Die Kamera im Mobiltelefon zeichnet den Kick auf, überträgt die Bewegung blitzschnell auf den Ball am unteren Rand des Displays und platziert den Fußball in die Torecke, die durch die Fußbewegung vorgegeben wird – wenn der Torhüter nicht schneller war und den Schuss gehalten hat.

„Wir haben erstmals bei einem Computerspiel fürs Handy die reale Welt mit einer virtuellen Umgebung verknüpft“, sagt Bernd Kleinjohann, stellvertretender Leiter der Innovationsschmiede von Siemens Business Services und der Universität Paderborn. In dem Institut, das vor 20 Jahren auf Initiative von Computerpionier Heinz Nixdorf gegründet wurde, arbeiten rund 70 Mitarbeiter an unterschiedlichen Projekten, bei denen Computing, Kooperation und Kommunikation im Mittelpunkt stehen.

Die Technik für das Elfmeterschießen am Handy haben die Entwickler aus ihren Anwendungen für die so genannte Augmented Reality übertragen. Bei dieser Technik handelt es sich um eine neue Form der Mensch-Technik-Interaktion, bei der virtuelle Objekte in reale Szenen in Echtzeit so eingefügt werden, dass sie räumlich korrekt positioniert sind und das reale Bild ergänzen. Die Informationen werden dabei auf so genannte Head-up-Displays projiziert, die der Nutzer am Kopf trägt und bei denen ein kleiner durchsichtiger Bildschirm vor dem Auge positioniert ist. Auf diese Weise verschmilzt die digitale Information mit der Umwelt des Benutzers.

Obwohl die Darstellung der Informationen über eine Datenbrille am eindruckvollsten ist, würde auch ein Tablet PC, ein PDA oder ein Foto-Handy reichen. Mit der Technik können Menschen Informationen, die das Leben oder die Arbeit erleichtern, direkt am Ort und auf eine spezielle Aufgabe zugeschnitten bereitgestellt werden. So könnten beispielsweise Monteuren über das Headup-Display Arbeitspläne übertragen werden, die zeigen, wo welche Kabel miteinander verbunden werden müssen. Das C-Lab hat zusammen mit dem österreichischen Erdöl- und Erdgasunternehmen OMV auch eine Anwendung für Techniker entwickelt, die Chemieanlagen oder Pipelines warten und reparieren müssen. Anstatt komplizierte Montageanleitungen zu wälzen, nehmen Mitarbeiter Lecks in Pipelines und andere defekte Teile von komplexen Chemieanlagen einfach per Kamera auf. Die Kamera ist in einen PDA oder Handheld-PC integriert. Über dieses Gerät wird das Bild per Funk an einen zentralen Server gesendet. Dort wird es mit den hinterlegten Bauplänen der gesamten Anlage abgeglichen. Im Display des PDA erscheinen postwendend Konstruktionsskizzen oder Montageanleitungen für das beschädigte Teil, die dem Techniker bei der Reparatur helfen.

Die Augmented-Reality-Technik ist zwar inzwischen weitgehend ausgereift, es gibt aber bislang nur wenige Anwender in der Industrie. „Wir haben daher nach Ideen gesucht, wie man die Technik auch in Anwendungen für Privatnutzer einsetzen könnte“, sagt Wolfgang Kern, der Leiter des C-Lab. Neben einem Museumsführer, der Informationen über die einzelnen Exponate über den Bildschirm eines Handys oder Handcomputers (PDA) bereitstellt, haben die Paderborner Entwickler in einem Pilotprojekt für den Hausgerätehersteller Miele ein Programm entwickelt, das Kunden bei der Auswahl einer neuen Küche unterstützen soll.

Während diese Entwicklungen von einer Markteinführung noch weiter entfernt sind, könnte das Fußballspiel für Kamera-Handys bereits vor der Fußball-WM den Durchbruch schaffen. „Wir sind mit WM-Sponsoren im Gespräch“, sagt Kern. Aber auch andere Firmen könnten das Spiel als Werbeplattform nutzen. „Hinter dem Tor gibt es wie im realen Stadion Banden, auf denen Unternehmen ihre Werbung platzieren können“, sagt der C-Lab-Leiter.

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