Digitales Antennenfernsehen
DVB-T im Osten ohne Privatsender

Nun ist auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen das digitale Antennenfernsehen an den Start. Doch nachdem zuvor bereits jahrelang um DVB-T gerungen wurde gibt es nun auch noch einen großen Wermutstropfen, denn nicht alle Sender ziehen mit.

dpa HALLE. Ob vor Goethes Gartenhaus in Weimar, dem Leipziger Völkerschlachtdenkmal oder der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg: Mit Notebook und notizbuchgroßer Steckkarte soll künftig der kabellose Empfang von rausch- und flimmerfreiem Fernsehen Wirklichkeit werden. Die privaten Fernsehsender bleiben jedoch außen vor. „Es ist das erste größere DVB-T-Projekt, an dem wir uns nicht beteiligen“, sagt die Sprecherin der Prosiebensat.1-Gruppe, Katja Pichler.

Eine entscheidende Frage sei die Finanzierung der neuen Technik. Falle die Förderung weg, müsse das Engagement bei DVB-T (Digital Video Broadcasting Terrestrial) generell neu überdacht werden. Die EU-Kommission hatte jüngst entschieden, dass in Berlin und Brandenburg gezahlte Beihilfen illegal sind und zurückgezahlt werden müssen. „Wir werden weiterhin versuchen, die Sender ins Boot zu holen“, sagt DVB-T-Lenkungsausschuss-Vorsitzender Andreas Vierling. Die Weisung aus Brüssel bedeutet Gegenwind, denn auch die Akzeptanz von DVB-T dürfte darunter leiden.

„Über die Zukunft dieses terrestrischen Kommunikationsweges entscheidet allein der Konsument“, sagt Christian Schurig, Direktor der Landesmedienanstalt Sachsen-Anhalt. Gleichzeitig werde der umfangreiche Beschluss der EU-Kommission sehr sorgfältig auf mögliche Lücken und auf Chancen einer Klage beim Europäischen Gerichtshof geprüft. Die Reaktionen der Öffentlichkeit seien dagegen durchweg positiv, sagt Vierling. Sind die Decoder (Set-Top-Box) erst einmal angeschafft, bietet das digitale Antennenfernsehen im Vergleich zur Nutzung der Hausantenne neben einem Qualitätssprung auch ein Mehr an Informationen und Service.

Ursprünglich sollte das digitale Antennenfernsehen in Erfurt, Weimar, Halle und Leipzig bereits im Mai auf Sendung gehen, wurde aber wegen Schwierigkeiten bei der Errichtung von Sendemasten mehrfach verschoben. Wann weitere Städte an das Netz angeschlossen werden, ist derzeit offen. „Im ersten Quartal nächsten Jahres werden wir uns mit den Projektpartnern verständigen, um den Zeitplan für den weiteren Ausbau zu besprechen“, so Vierling. Geplant sei das „Überall-Fernsehen“ in der nächsten Stufe für Magdeburg, Dresden, Chemnitz, Zwickau, Gera und Jena.

Bis 2010 soll DVB-T nach Plänen der Bundesregierung das analoge Antennenfernsehen definitiv ablösen. Deutschlandweit werden bereits zahlreiche Regionen wie Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Norddeutschland und das Rhein-Main-Gebiet mit DVB-T versorgt. Der Kabel- und Satellitenempfang bleibt davon unberührt - auch ein Grund für die Kritiker des DVB-T, die seit jeher an der Effektivität zweifeln. Nach Zahlen der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) empfingen 1993 noch 43 Prozent der deutschen Haushalte Antennenfernsehen; Mitte 2004 waren es sechs Prozent.

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