Digitales Heim: Zuhause im Netz

Digitales Heim
Zuhause im Netz

Die Vision vom digitalen Heim wird Realität. Die neue Generation von Computern und Unterhaltungselektronik verschmilzt Fernsehen, Internet und Telekommunikation.
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HANNOVER. Es ist der 9. Juli 2006, 20 Uhr - die halbe Nation hat sich vor den Fernsehern versammelt, um das Endspiel der Deutschen bei der Fußball-WM zu verfolgen. Da läutet es an der Tür. Warum aufstehen und ein womöglich entscheidendes Tor verpassen? Ein Druck auf die TV-Fernbedienung blendet das Bild der Haustürkamera ins Fernsehprogramm ein, ein weiterer Druck öffnet die Tür, und der Nachbar kann sich der Fußballfeier anschließen.

Wenig später, Oliver Kahn steht alleine drei Gegnern gegenüber, da klingelt das Handy in der Sakkotasche. Warum aufstehen und nachsehen, wer anruft? Sekunden später erscheint auf dem TV-Bildschirm eine Laufschrift mit der Nummer des Anrufers, ein Druck auf die Fernbedienung und statt des Fußballkommentars ertönt die Nachricht aus der Handy-Mailbox, dass Werkschutz und Polizei Einbrecher im Vorstandssekretariat festhalten.

Warum aufstehen und den Rest des Spiels verpassen? Ein Druck auf die Fernbedienung und der virtuelle Videorekorder im Internet zeichnet alle Spielzüge und den Sieg der Nationalelf in hochauflösender Bildqualität auf.

Eine Vision? Natürlich! Wer weiß schon, ob Klinsmanns Spieler tatsächlich im kommenden Sommer ins Finale vordringen. Ansonsten aber ist die schöne, voll vernetzte Unterhaltungs- und Kommunikationswelt alles andere als ein Traum. Wenn am 9. März in Hannover die weltgrößte Computermesse Cebit beginnt, wird das so genannte Networked Home Entertainment eines der Topthemen sein. TV, Internet und Telefon vereint in einem gemeinsamen digitalen Netz. Das Zusammenwachsen der Medien, die fast gebetsmühlenartig wiederholte Vision der vergangenen Jahre - nun wird sie endlich Realität.

Wie sehr die einst getrennten Welten bereits verschmolzen sind, beweist ein Technologietest, der auf den ersten Blick lächerlich unspektakulär erscheint. Ende 2005 nämlich übertrug statt der üblichen Kabel-, Antennen- oder Satellitenbetreiber der deutsche Internet-Primus T-Online das Live-Programm von zehn TV-Sendern in die Wohnstuben von Gunnar Wernher und rund 250 weiteren Hamburger Testkunden. "Das sah kaum anders aus als gewöhnliches Fernsehen", lobt der 48-jährige Tester die Qualität der TV-Bilder.

Das klingt banal - und doch ist gerade die Tatsache, dass die Online-Programme so unverdächtig normal aussahen, eine technische Revolution. Denn das vermeintlich normale Fernsehbild kam - codiert als digitaler Datenstrom - aus dem Internet über eine gewöhnliche Telefonleitung auf die TV-Schirme. Erst eine Settop-Box am DSL-Internetanschluss wandelte den einheitlichen Fluss aus Bits und Bytes in getrennte Informationen zurück: E-Mails, Web-Seiten, Homebanking-Überweisungen oder eben TV-Bilder - abzurufen gleichermaßen am Fernseher oder am PC.

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