Diskussion
Ist das offene Web am Ende?

Offenheit" und "Freiheit" sind die Prinzipien, mit denen vor über 30 Jahren die technischen Grundlagen des Internets gelegt wurden. Damals nutzen Wissenschaftler und Militärs das Netz zum freien Informationsfluss und teilten sich unbürokratisch die knappen Ressourcen ihrer Großrechner im Netz. Mit dem Internet-Boom der vergangenen Jahre steht diese Internet-Kultur des "Gebens und Nehmens" jedoch immer stärker in Frage.

dpa HANNOVER. " Netzanbieter wie AT & T oder die Deutsche Telekom wollen Inhalte- und Diensteanbieter wie Amazon, Google oder ebay mit einer neuen Netz-Infrastruktur zur Kasse bitten. Doch nicht nur die großen Internet-Player sind von der Debatte um die Netzneutralität betroffen. Der Verband der deutschen Internetwirtschaft eco sieht vor allem die Aktivitäten kleinerer Unternehmen bedroht, sollten sich die Netzwerkbetreiber mit ihrer Sicht durchsetzen. "Die Webgrößen wie Google und ebay können es sich noch leisten, das von den Netzanbietern verlangte Geld auf den Tisch zu legen oder ein eigenes Netzwerk aufzubauen", sagte eco-Geschäftsführer Harald Summa auf der Cebit in Hannover. "Diese Möglichkeiten haben kleinere Inhalte-Anbieter nicht - und sind beim Fortschreiten dieser Entwicklung vom Aussterben bedroht."

In den USA tobt die Debatte um die "Net Neutrality" schon seit vielen Monaten und könnte sich sogar zu einem wichtigen Thema im kommenden US-Präsidentschaftswahlkampf entwickeln. Hierzulande steht vor allem die EU-Kommission in der Kritik der Internet-Wirtschaft. Die EU gehe zu naiv davon aus, dass der Wettbewerb zwischen den Netzwerkbetreibern schon dafür sorgen werde, dass der Zugang zu Amazon, ebay oder Google nicht blockiert werde.

Bedroht wird das Fundament der Internetwirtschaft aber nicht nur durch hitzige Standard-Debatten und strittige Regulierungsfragen. Der eco-Verband sorgt sich auch darum, dass wichtige Sicherheitsthemen im Netz weiterhin ungelöst sind. Dazu gehöre das Massenphänomen "Spam", das weiterhin dafür sorge, dass E-Mail-Fächer mit unerwünschten Werbebotschaften und kriminellen Offerten überschwemmt würden.

Mit seinen Sicherheitsbedenken steht der eco-Verband auf der Cebit nicht alleine. "Wenn das Wachstum bei Computerviren und anderen Schadensprogrammen in diesem Tempo weitergeht, könnte unsere gesamte Branche dieser Flut irgendwann nicht mehr standhalten", sagte der angesehene russische IT-Sicherheitsexperte Eugene Kaspersky in Hannover.

Als Problem erweisen sich nach Ansicht des eco-Verbandes aber auch zunehmend einige Inhalte, die von privaten Internet-Nutzern ins Netz gestellt werden. An die Internet-Beschwerdestelle des Verbandes wurden im vergangenen Jahr 70 000 Anfragen gerichtet, die sich immer häufiger mit Inhalten aus Tauschbörsen, Community-Plattformen und Weblogs beschäftigten.

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