IT + Internet
Docmorris.com rettet sich mit einem Trick vor der Schließung

Seit Donnerstag darf die Internetapotheke Docmorris.com aus dem niederländischen Kerkrade deutsche Kunden nicht mehr mit Pillen und Pasten beliefern. Das verbietet eine Einstweilige Verfügung. Deutsche Kunden können aber trotzdem weiter bei Docmorris.com einkaufen. Das Start-up nimmt ein Ordnungsgeld von bis zu einer halben Million DM in Kauf.
  • 0

DÜSSELDORF. Die Internetapotheke will die Einstweilige Verfügung des Landgerichtes Frankfurt durch einen Trick umgehen. Weil sie nach dem deutschen Arzneimittelgesetz keine Medikamente liefern darf, können deutsche Kunden über die Homepage der Internetapotheke einen Kurierdienst mit der Abholung und Lieferung beauftragen. Die Kosten übernimmt Docmorris.com. „Sie sind in den Preisen mit drin“, sagt Marketingchef Jens Apermann.

Damit ändert sich für die zumeist deutschen Kunden der Internetapotheke faktisch nichts. Sie bestellen weiter im Internet ihre Medikamente, ein Kurier liefert. Der Unterschied ist rein juristischer Natur. Der Deutsche Apothekerverband und die Bayer Vital GmbH & Co KG hatten dem niederländischen Start-up durch das Landgericht Frankfurt vorerst den Medikamentenhandel über das Internet verbieten lassen. Denn das deutsche Arzneimittelgesetz untersagt den Versand von Pillen und Pasten an Endverbraucher. Nun versendet Docmorris.com nicht mehr: Die Internetapotheke lässt die Medikamente abholen.

Die Kunden kaufen weiter über die Docmorris.com-Homepage ein. Aber die Seite richtet sich nicht mehr an deutsche Kunden, was die Einstweilige Verfügung verbietet, sondern an alle „deutschsprachigen Europäer“. Und die Kunden beauftragen dann per E-Mail einen Kurier, der früher von Docmorris.com beauftragt wurde. Docmorris.com-Anwalt Thomas Diekmann spricht nicht von einem Trick, sondern von einer „rechtlichen Gestaltung“.

Juristisch wird der Kurier von den Kunden bezahlt, faktisch will Docmorris.com die Kosten „treuhänderisch verwalten“ und an den Kurier abführen. Bislang hat die Internetapotheke einen Kurierdienst unter Vertrag. Weitere sollen folgen. Anwalt Diekmann und Docmorris.com-Vorstandschef Ralf Däinghaus sind sich bewusst, dass die Internetapotheke ein Ordnungsgeld von bis zu einer halben Million DM riskiert. „Aber wir sind im Recht“, sagt Diekmann.

Die internationale Anwaltskanzlei des Apothekerverbandes Lovells-Boesebeck-Droste prüft nun, ob sie gegen diesen Trick vorgeht. Docmorris.com-Vorstandschef Ralf Däinghaus hat für diesen Fall vorgesorgt, sagt er. Er spricht von einem „Katz-und-Maus-Spiel“ und kündigt an, „notfalls den Trick zu ändern“. Gegen die Einstweilige Verfügung hat Docmorris.com Berufung eingelegt.

Kommentare zu " IT + Internet: Docmorris.com rettet sich mit einem Trick vor der Schließung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%