Domain abgeschaltet
Wikileaks zieht in die Schweiz

Die Internetadresse der Enthüllungsplattform Wikileaks.org ist seit dem späten Donnerstagabend nicht mehr erreichbar, weil der amerikanische Provider die Domain nach Hacker-Angriffen abgeschaltet hat. Die Dokumente können aber nach wie vor abgerufen werden. Wikileaks teilte mit, das Projekt werde in die Schweiz umziehen.
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HB STOCKHOLM/BERLIN. "WikiLeaks moves to Switzerland" twitterte das Enthüllungsportal am Freitag und verwies dabei auf die neue Adresse http://wikileaks.ch.

Kurz zuvor hatte der amerikanische Domain-Name-Provider EveryDNS, der die Adresse verwaltet, nach eigenen Angaben die Bearbeitung von Anfragen für die Website eingestellt. Dies sei notwendig geworden, da es wiederholt zu Angriffen auf die Adresse gekommen sei. Die Attacken hätten die gesamte Infrastruktur des EveryDNS-Netzwerkes gefährdet, hieß es. EveryDNS verwaltet den Zugang zu rund 500 000 Websites.

Registriert hat die Adresse "wikileaks.ch" die Schweizer Piratenpartei, wie die Schweizer Domainverwalterin Switch sagte. "Wikileaks.ch" wurde vom Vorsitzenden der Schweizer Piratenpartei, Denis Simonet, reserviert. Nach Angaben auf der Homepage des Parteichefs hat Simonet im November Wikileaks-Chef Julian Assange getroffen.

Die Adresse Wikileaks.org sei vom US-Provider abgeschaltet worden, nachdem es angeblich massive Angriffe gegeben habe ("WikiLeaks.org domain killed by US everydns.net after claimed mass attacks").

Die Plattform hat die Regierungen der USA und vieler anderer Staaten verärgert, weil dort fast eine halbe Million als vertraulich oder geheim eingestufte Dokumente über die Kriege der USA im Irak und in Afghanistan und zuletzt Zigtausende Mitteilungen von US-Diplomaten veröffentlicht worden waren.

Zuvor hatte schon Amazon den Stecker gezogen und Wikileaks von seinen Servern vertrieben. Wikileaks.org hatte davor die Mietserver von Amazon zur Speicherung der veröffentlichten Dokumente genutzt. Amazon war nach Bekanntwerden dieses Vorgang von Kongressabgeordneten in den USA unter Druck gesetzt worden. Die Website nutzt derzeit noch einen schwedischen Provider, Bahnhof.

In Deutschland rief die Partei Die Linke wegen des Vorgehens von Amazon zu einem Boykott des Internetkonzerns auf. "Das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür. Das ist für die Käufer eine gute Gelegenheit, Amazon zu zeigen, was sie von der Zensur gegen Wikileaks halten", sagte Linke-Vizechefin Katja Kipping am Freitag und fügte hinzu: "Ich jedenfalls kaufe meine Geschenke ab sofort anderswo."

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  • Politiker sind gewählte Vertreter des Volkes eines Landes und handeln in dessen Auftrag (Legitimation). Das ist und sollte basisverständnis einer freien und funktionierenden Demokratie sein. Solange es Medien (wie eben wikileaks.org) gibt, welche informationen von öffentlichem interesse über die Tätigkeiten unser aller VERTRETER ans Tageslicht befördern, funktioniert Demokratie! Andernfalls ist sie dem Untergang geweiht - insbesondere die USA scheinen diesen basisgrundsatz zunehmend zu verdrängen - das ist ohne Frage besorgniserregend! Staaten, die versuchen ihre bevölkerung für dumm zu verkaufen, haben auf Dauer keine Existenzgrundlage.
    Die Administration, oder besser die Elite, der Vereinigten Staaten weiß das natürlich und arbeitet bisher mit beklemmendem Erfolg an der geistigen Verkümmerung (des Gros) ihrer Einwohner (siehe "Zeitgeist" unter anderem)!

  • Wikileaks ist unter www.wikileaks.ch wieder komplett erreichbar!!!

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