Download-Boom trotz aller Hindernisse
Strikter Kopierschutz ärgert auch Plattenbosse

Die Anti-Piraterie-Waffe der Musikindustrie, das so genannte Digital Rights Management (DRM), ist heftiger Kritik ausgesetzt - und das nicht nur von Verbrauchern.

DÜSSELDORF. Das Hauptproblem: Der Kopierschutz ist nicht standardisiert. Musikanbieter wie Microsoft oder Apple haben jeweils eigene DRM-Systeme entwickelt, die nur auf ihren Musikspielern abgespielt werden können. "Die fehlende Standardisierung und die damit einhergehende Fragmentierung des Online-Musikmarktes sind die größten Probleme der Branche", sagt Frank Mackenroth, Experte bei Pricewaterhouse Coopers.

Nun kommt möglicherweise etwas Bewegung in die verhärteten Fronten: Der Musik-Konzern EMI plant dem Vernehmen nach, seinen kompletten Musikbestand online im kopierschutzfreien MP3-Format bereitzustellen. Und auch Yahoo wird wohl noch 2007 einen Großteil seiner Musiktitel ganz ohne DRM anbieten. Denn der Unmut in der gesamten Branche wird immer größer. Laut einer Studie von Jupiter Research sprechen sich knapp zwei Drittel der europäischen Musikfirmenchefs für die Abschaffung des digitalen Kopierschutzes aus. Über 50 Prozent halten die derzeitigen Kopierschutzbestimmungen für zu restriktiv. Dennoch glauben nur sehr wenige an eine tatsächliche Abschaffung.

Auslöser der jüngsten Diskussion war ausgerechnet Apple-Chef Steve Jobs, der selber mit seinem abgeschotteten Kopierschutz namens Fairplay massiver Kritik ausgesetzt ist. In einem Brandbrief schob er den schwarzen Peter der Musikindustrie zu und sprach sich für DRM-freie Online-Verkäufe aus. Kopierschutz könne keine Raubkopien verhindern.

Apple droht jetzt, neben anderen Anbietern, selbst Ärger. Das Bundesministerium für Verbraucherschutz hat gemeinsam mit Verbraucherschutzverbänden die europaweite "Charta für Verbrauchersouveränität in der digitalen Welt" erstellt. Ziel des Vorstoßes: Gekaufte Musik soll auf jedem digitalen Musikgerät abgespielt werden können. Apple-Chef Jobs allerdings hat der Forderung nach einer Öffnung seines Fairplay vorbeugend in seinem offenen Brief den Wind aus Segeln genommen. Die Sicherheit der Musik der großen Labels sei für den Fall, dass Fairplay geöffnet würde, nicht mehr zu gewährleisten. Zu viele Leute erhielten Einblick in die Technik und könnten Sicherheitslücken ausnutzen.

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