DSL-Späteinsteiger
Die Internet-Zeittarife sind wieder da

Eine Retro-Welle der etwas anderen Art: Im Kampf um die DSL-Späteinsteiger wollen Deutsche Telekom und O2 die zögerlichen Kunden mit klassichen Zeittarifen locken. Diese galten seit dem Siegeszug der Flatrates fast als ausgestorben. Der Preisdruck hält derweil weiter an.

HB FRANKFURT. Eigentlich sind die Zeiten vorbei, in denen man beim Surfen im Internet auf die unbarmherzig tickende Gebührenuhr achten musste. Doch im harten Wettbewerb um die Späteinsteiger bei DSL haben die Telekom-Anbieter den Zeittarif neu entdeckt. „Das ist für jeden sofort verständlich“, sagt der Marketing-Chef von O2 in Deutschland, Lutz Schüler.

Die Tochter des spanisch-britischen Unternehmens Telefónica führt in der nächsten Woche einen neuen Einsteigertarif ein, der den Festnetz- und DSL-Anschluss für einen Monatspreis von 20 Euro bietet. Die Internetnutzung mit bis zu vier Megabit pro Sekunde (DSL 4000) wird nicht pauschal über eine Flatrate, sondern nach tatsächlicher Nutzungsdauer abgerechnet: Eine Minute Surfen kostet drei Cent. „Dieses Angebot richtet sich an die Gelegenheitsnutzer, die keine Flatrate haben wollen“, sagt Schüler. „Das sind gerade mal 3,50 Euro mehr als beim reinen Telefonanschluss.“

Auch die Deutsche Telekom hat in diesem Monat wieder einen Zeittarif eingeführt. Bei „Call & Surf Start“ zahlt man beim Marktführer 24,95 Euro für Telefonanschluss und den einfachsten DSL-Anschluss mit einem Megabit pro Sekunde. Jede Minute, in der der Anschluss genutzt wird, kostet 2,9 Cent - gleichgültig ob fürs Telefonieren oder fürs Internet. „Hier geht es um die Menschen, die bisher noch keinen persönlichen Zugang zu DSL haben“, erklärt Telekom-Sprecher Marc Sausen. Das Angebot rentiere sich, solange man monatlich nicht mehr als zwei Stunden telefoniere und nicht mehr als vier Stunden surfe. Danach kann man auf einen Tarif umsteigen, der für zehn Euro mehr im Monat eine Internet-Flatrate und DSL 2000 bietet.

Arcor und Vodafone bieten dem sporadischen Internet-Nutzer keinen Zeit-, sondern einen Volumentarif an - für die drei Cent gibt es hier ein Megabyte zum DSL-1000-Tempo, bei monatlichen Anschlusskosten von 19,95 Euro. Arcor-Sprecher Paul Gerlach sieht keinen Vorzug des Zeittarifs gegenüber dem Volumentarif, da der Kunden mit Hilfe eines Volumenzählers seine Kosten ebensogut kontrollieren könne.

Bei O2 sagt Marketing-Chef Schüler: „Wir starten jetzt mit hoher Drehzahl durch.“ Bis zum Jahresende strebt das Unternehmen mehr als 100.000 DSL-Kunden an, Ende Juni waren es erst 34.000. Neben dem Einsteigertarif gibt es zwei weitere Angebote mit einer Internet- sowie mit einer kombinierten Telefon- und Internet-Flatrate. Gleichzeitig wird das eigene Netz weiter ausgebaut. „Da wird noch eifrig gebuddelt“, sagt Schüler und kündigt fürs Jahresende eine Reichweite von zunächst 60 Prozent an. Auf dem Telekommunikationsmarkt in Deutschland sei Telefónica mit dem Marktführer zwar noch nicht auf Augenhöhe, habe sich aber viel vorgenommen: „Unser Ziel ist es, das komplette Kommunikationsbudget eines Haushalts zu gewinnen.“

Der DSL-Zugang ist für alle Anbieter ein idealer Ansatzpunkt, um die eigene Marktposition zu sichern oder auszubauen. Zwar hat sich die Zahl der Breitbandanschlüsse in den vergangenen drei Jahren in Deutschland bereits verdreifacht, doch gibt es immer noch einigen Ausbaubedarf. So hatten nach Angaben des Fachverbands Bitkom 37 Prozent der Haushalte Ende vergangenen Jahres einen schnellen Internet-Zugang - verglichen mit einem westeuropäischen Durchschnitt von 42 Prozent. Bereits im kommenden Jahr erwartet der Verband, dass mehr als 50 Prozent der Haushalte einen DSL- oder anderen Breitbandanschluss haben werden. Dabei hat sich der Druck auf die Preise noch einmal verstärkt - die Internet-Nutzung mit DSL war nach Angaben des Statistischen Bundesamts im Juli um 5,8 Prozent billiger als vor einem Jahr.

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